1. Zum Absturz gebaut
Die Bundeswehr will ihren technischen Rückstand bei Killerdrohnen rasch wettmachen, wie meine Kollegen Matthias Gebauer und Marcel Rosenbach berichten. Verteidigungsminister Pistorius plant demnach, in den kommenden Tagen Verträge mit zwei Herstellern abzuschließen, um sogenannte loitering ammunition anzuschaffen – grob übersetzt: herumlungernde Munition. (Lesen Sie hier mehr .)
»Darunter verstehen Militärs Drohnen, die mit einer oder mehreren Sprengladungen losfliegen und dann länger in niedriger Höhe über einem möglichen Einsatzgebiet lauern«, schreiben Matthias und Marcel. »Über Kameras, teilweise aber auch über KI-gesteuerte Software, können die Drohnen militärische Ziele wie Panzer oder feindliche Gefechtsstände erkennen und neutralisieren.« In den meisten Fällen sind die Drohnen zum Einmalgebrauch konstruiert, kehren also nicht zurück. In der Ukraine gehören sie zum Kriegsalltag.
Die Bundeswehr soll die Geräte testen, dann könnten Ende des Jahres größere Verträge folgen. »Das Tempo ist für Bundeswehrverhältnisse regelrecht revolutionär«, finden Matthias und Marcel. »Normalerweise würde die Truppe jahrelang für einen solchen Prozess brauchen.« Das muss das neue Deutschlandtempo sein, von dem immer wieder die Rede ist.
Die ganze Geschichte hier: Pistorius lässt Kamikazedrohnen anschaffen
2. Das Schreihandelsabkommen
»Zollhammer«, »Kampfansage«, »schwerer Schlag«, »Anschlag auf den Welthandel«, »Handelskriegserklärung«: Die Reaktionen auf Donald Trumps Zollpaket fallen drastisch aus. Noch-Wirtschaftsminister Habeck vergleicht es gar mit Russlands Angriff auf die Ukraine (hier mehr dazu).
Deutlich gelassener dürften sie auf den Heard und McDonaldinseln reagieren: Nicht weil sie dort nur 10 Prozent abdrücken sollen (die EU trifft es mit 20 Prozent, Lesotho mit 50 Prozent, die ganze Liste finden Sie hier), sondern weil dort niemand lebt, der etwas in die USA exportieren könnte. Und Pinguine zu bezollen, scheint selbst für Trump-Verhältnisse verwegen (mehr bizarre Folgen des Zollhammers hier). Die Formel zur Berechnung der Sätze löst Hohn und Spott aus: Das Handelsdefizit der USA mit dem jeweiligen Land wird durch die Exporte des Landes in die USA geteilt. Das Ergebnis wird halbiert und ergibt den Steuersatz (die Details hier). Das wirkt mehr gaga als MAGA.
Zumal ausgerechnet China davon profitieren könnte. »In Peking können sie ihr Glück kaum fassen, wie Trump innerhalb nur weniger Wochen alles, was einmal Bestand zu haben schien, zerschlägt«, kommentiert mein Kollege Christoph Giesen, unser Korrespondent vor Ort. »Die Voice of America, der Auslandssender der USA, seit 1942 auf Sendung – abgeschaltet. Die Entwicklungshilfeorganisation USAID, die in vielen Staaten die Demokratie förderte – kaputt gekürzt. Und nun die Zölle: Thailand 36 Prozent, Kambodscha 49 Prozent, Madagaskar 47 Prozent.« Viele dieser Länder könnten sich neu orientieren: Peking statt Washington. (Hier der Kommentar .)
Und wie sollten Anleger reagieren? »Nicht in Panik geraten«, sagt Starinvestor Bert Flossbach. »Die Wirtschaft der USA wächst weiter, und auch die Geschäftsmodelle der großen Technologiekonzerne, die maßgeblich zum Aufstieg des US-Aktienmarkts beigetragen haben, sind nicht unmittelbar von einem Handelskrieg bedroht. Aber mit Zukäufen bei US-Aktien sollte man wohl besser warten.« (Hier das ganze Interview .)
Lesen Sie hier den ganzen Kommentar: Ein Mann, ein Irrtum
3. Switch-Hikers Guide
Drastisch ist heute das Durchschnittsalter in den Großraumbüros und Amtsstuben, in den Co-Working-Spaces und Werkshallen der Republik gesunken, zumindest vorübergehend: Am bundesweiten Girls’ und Boys’ Day haben sich Jugendliche zeigen lassen, dass es nicht überall spannender ist als in ihren Klassenzimmern.
Das Beeindruckende bei Teenagern: Ihr Kommunikationsverhalten lässt sich recht einfach auf das Niveau einer Zimmerpflanze herunterpegeln. Geben Sie ihnen einfach eine Spielekonsole in die Hand. Dafür hat Nintendo jetzt ein neues Gerät präsentiert: den Nachfolger der Switch. Auf den Markt kommt die Switch 2 erst im Juni, aber mein Kollege Markus Böhm konnte sie schon jetzt in Paris ausprobieren.
Was heute sonst noch wichtig ist
Rubio drängt Nato-Partner weiter zu fünf Prozent Verteidigungsausgaben: Es wären gigantische Mehrausgaben, von denen selbst die Vereinigten Staaten weit entfernt sind: US-Außenminister Marco Rubio bekräftigt die Forderung an die Nato-Partner, die Militärinvestitionen massiv auszuweiten.
Ungarn zieht sich vom Internationalen Strafgerichtshof zurück: Ungarn empfängt Israels Premier Benjamin Netanyahu – den es eigentlich wegen eines Haftbefehls festnehmen müsste. Stattdessen will das Land den Internationalen Strafgerichtshof verlassen.
»Meine Tochter ist tot, meinen Enkel haben wir noch nicht gefunden«: Angehörige hoffen weiter, auch fast eine Woche nach dem schweren Erdbeben, bei dem Tausende gestorben sind. So auch vor einer Grundschule in der Stadt Sagaing, unter deren Trümmern noch immer sechs Kinder verschüttet liegen.
Was heute weniger wichtig ist

Von SPIEGEL.de

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Thomas PlaßmannUnd heute Abend?
Könnten Sie ins Kino gehen und einer Empfehlung meines Kollegen Wolfgang Höbel folgen.

»Eden«-Darsteller Law, Kirby
Foto:Jasin Boland / Leonine
Heute ist »Eden« angelaufen: »Der Film erzählt mit Stars wie Ana de Armas und Jude Law einen Kriminalfall von 1934 um einen deutschen Guru auf einer Galapagosinsel nach.« Wolfgang findet: »Ein erstaunlich aktueller Eskapismus-Thriller.« (Hier die ganze Rezension .)
Ich wünsche Ihnen einen eskapistischen Abend. Herzlich
Ihr Oliver Trenkamp, Blattmacher in der Chefredaktion