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1. ICE fährt zurück
Die Menschen im US-Bundesstaat Minnesota können vorerst aufatmen: Die brutal auftretenden Truppen der US-Einwanderungsbehörde treten den Rückzug an. Das verkündete am Donnerstag der US-Grenzbeauftragte Tom Homan. »Ich habe vorgeschlagen, die Operation zu beenden. Und Präsident Trump hat dem zugestimmt«, sagte er bei einer Pressekonferenz (lesen Sie hier mehr).
Minnesota stand für Wochen im Zentrum der sogenannten »Operation Metro Surge«, bei der die Mitarbeiter der Einwanderungsbehörde ICE rabiat vorgingen. Zwei Menschen wurden von den Grenzschutzkräften erschossen: die 37 Jahre alte Renée Good und der 37 Jahre alte Alex Pretti.
Die Razzien sorgten selbst bei Republikanern für Empörung. Ein Großteil der US-Bevölkerung ist grundsätzlich für Abschiebungen, das ICE-Vorgehen ging vielen aber zu weit. Die letzten Zustimmungswerte für US-Präsident Donald Trump waren entsprechend schlecht. Allein das dürfte der Grund für den Rückzug sein.
Eine ausführliche Analyse der Geschehnisse in Minneapolis lesen Sie hier: In Minneapolis wird der Kampf um die Seele Amerikas ausgetragen
2. Stell dir vor, es droht Krieg und keiner will hin
An der Nato-Ostflanke könnte Russlands Präsident Wladimir Putin das westliche Verteidigungsbündnis testen. Abhalten soll ihn davon unter anderem die sogenannte Litauen-Brigade, gut 5000 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, in Litauen stationiert.
Der Ostflanken-Außenposten ist Pistorius wichtig, mit teils üppigen Zulagen wirbt er um Freiwillige. Zudem wurden für die Soldaten, die mit ihren Familien nach Litauen gehen, bereits deutsche Schulen gebaut. Ehepartner, die an die Ostflanke mitgehen, erhalten Unterstützung bei der Jobsuche.
Doch offenbar locken die Privilegien kaum Soldaten, wie meine Kollegen Matthias Gebauer und Christian Schweppe herausgefunden haben. In einem vertraulichen Papier, das den beiden vorliegt, werde ein düsteres Bild gezeichnet. »Für die ›neuen Hauptkräfte‹ der Litauen-Brigade – konkret genannt werden Artillerie, Aufklärer, Pioniere und Unterstützungstrupps – habe eine bundeswehrweite Umfrage eher magere Ergebnisse erbracht. Demnach suche man für Litauen Freiwillige für vorerst 1971, später bis zu 5000 Dienstposten. Bisher aber hätten sich nur 209 Soldaten gemeldet«, schreiben die beiden.
Abschreckung? So funktioniert sie nicht.
Lesen Sie hier mehr: Viel zu wenige Freiwillige für die Litauen-Brigade
3. Kopflos in Cortina
Wladyslaw Heraskewytsch hat es geschafft. Er hat in den vergangenen Tagen den Blick vieler Sportmuffel auf die Olympischen Winterspiele gelenkt. Darf er fahren? Das wollten selbst Menschen wissen, die das Sportereignis nicht die Bohne interessiert.
Der ukrainische Skeletonpilot hatte eine Kontroverse ausgelöst. Seinen Helm zierten die Porträts ukrainischer Sportler, die im russischen Angriffskrieg getötet worden waren. Für das Internationale Olympische Komitee (IOC) ein No-go – handelte es sich doch um eine politische Botschaft, die bei olympischen Wettkämpfen verboten ist (hier mehr dazu ).
Würde Heraskewytsch mit einem anderen Helm fahren? Darauf deutete wenig hin. »Menschenleben sind wichtiger als Medaillen«, hatte er am Mittwoch noch vor Journalisten gesagt. Heute hat das IOC dann Ernst gemacht – und Heraskewytsch disqualifiziert.
Meine Kollegen Matthias Fiedler und Jonas Kraus haben die Entscheidung analysiert. Das IOC in Person von Chefin Kirsty Coventry habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, schreiben sie, Coventry sei anschließend »sichtlich bewegt« gewesen. Gleichzeitig würden offenbar unterschiedliche Maßstäbe gelten: »Das IOC verbietet Gesichter getöteter Sportler auf einem Helm, lässt aber russische Athleten unter neutraler Flagge starten. Es inszenierte Nord- und Südkorea 2018 als olympische Versöhnungsgeste und ließ die USA 2002 eine Eröffnungsfeier im Zeichen des 11. September veranstalten.«
Lesen Sie die ganze Analyse hier: Disqualifiziert, aber nicht besiegt
Einen Kommentar meines Kollegen Peter Ahrens lesen Sie hier: Die falschen Tränen der Kirsty Coventry
Was heute sonst noch wichtig ist
Richterbund alarmiert wegen einer Million offener Strafverfahren: Die Zahl der nicht erledigten Strafverfahren in Deutschland wächst laut Richterbund dramatisch – und hat nun die Millionenmarke überschritten. Riskanter Nebeneffekt: Tatverdächtige kommen frei, weil Fristen ablaufen.
Internationales Auschwitz Komitee fordert AfD-Verbotsantrag: Innenminister Dobrindt soll handeln, damit es zu einem AfD-Verbotsverfahren kommt, das fordert das Internationale Auschwitz Komitee. Wie die Partei agiere, sei »für Überlebende des Holocaust unerträglich«.
»Abwegig« – Merkel dementiert Spekulationen über Kandidatur als Bundespräsidentin: Über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier muss bald entschieden werden. Spekulationen gibt es schon einige, von der Ex-Regierungschefin kommt eine klare Absage. Bei einer anderen Überraschung allerdings macht sie Ernst.
Ukraine testet offenbar neue Laserwaffe: Weil Systeme zur Flugabwehr knapp sind, arbeitet die Ukraine einem Bericht zufolge an eigenen Lösungen. Es geht dabei um eine Laserwaffe, die in einen Kofferraum passen und Drohnen abschießen soll.
Mein Lieblingspodcast heute: Der Fall Gisèle Pelicot
[M] DER SPIEGEL; Coust Laurent / ABACAPRESS / picture alliance
Über Jahre hinweg ist die Französin Gisèle Pelicot von ihrem Ehemann betäubt und wildfremden Männern zur Vergewaltigung angeboten worden. Meine Kollegin Britta Sandberg hat den Gerichtsprozess gegen Pelicots Mann und alle anderen Peiniger, der Ende 2024 begann, für den SPIEGEL begleitet und darüber berichtet, in Artikeln und Podcasts.
Britta ist etwas Besonderes gelungen: Sie hat zu Gisèle Pelicot eine Beziehung aufgebaut, dieser Frau, die sich dazu entschied, kein Opfer sein zu wollen, und deswegen einen öffentlichen Prozess forderte. Britta konnte deshalb mit Gisèle Pelicot sprechen.
In der ersten der beiden neuen Podcast-Folgen beschreibt Pelicot unter anderem, wie ihr Leben von einem auf den anderen Moment einstürzte. Wie ihr Mann von der Polizei vorgeladen wurde, sie ihn ahnungslos begleitete und auf der Wache erstmals davon erfuhr, dass sie fast ein Jahrzehnt lang missbraucht worden war.
In der zweiten Folge spricht sie über ihr Leben heute und ihre neue Rolle als Symbolfigur für Frauen weltweit. Ihr dabei zuzuhören, wie sie ruhig und schonungslos von all dem berichtet, ist schwer zu ertragen und zugleich tief berührend.
Hören Sie die neuen Podcast-Folgen hier: Über eine Frau, die stärker ist als das Grauen
Was heute weniger wichtig ist
Schauspielerin Hüller
Foto: Michael Matthey / dpaThe walking dad: Schauspielerin Sandra Hüller, 47, hat etwas über Männer gelernt, wie sie der »Zeit« sagte. Im Film »Rose« spielt sie eine Frau, die sich nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges als Soldat ausgibt. Sie mochte die Männerklamotten offenbar: »Eine Hose beschützt einen immer.« Und zwar vor Blicken, »eigentlich schützt sie vor allem«. Sie hatte allerdings auch noch »einen eingeschnürten Oberkörper und einen künstlichen Penis aus Horn« zu tragen. »Mir baumelte ständig was zwischen den Beinen rum.« Das habe etwas mit der Körperhaltung gemacht: »Jetzt verstehe ich, warum Männer so gehen, wie sie gehen.«
Mini-Hohlspiegel
Kleinanzeige im »Südkurier«
»Und ich muss das Foto wirklich posten?« – »Das sind die neuen Regeln.« Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.
Leonard Riegel
Könnten Sie sich den exzellenten L.A.-Noir-Krimi anschauen, der heute im Kino anläuft. »Crime 101« heißt das mit Halle Berry, Chris Hemsworth und Mark Ruffalo prominent besetzte Werk, das auf der Novelle des berühmten Hardboiled-Krimiautors Don Winslow beruht.
Mein Kollege Andreas Borcholte hat den Film schon gesehen und ist begeistert. »›Crime 101‹ ist ein präziser, altmodischer Actionthriller, wie man ihn lange nicht im Kino gesehen hat«, schreibt er .
Hemsworth spielt darin einen Juwelendieb, der sich mit einer feingeistigen, nie mörderischen Art des Überfalls aus der Gosse emporgearbeitet hat. Aber er ist müde und braucht den klassischen letzten Job für den Ausstieg. Klassischer Stoff, klasse inszeniert, ab ins Kino.
Einen schönen Abend. Herzlich
Ihr Michail Hengstenberg, Autor im Kulturressort

vor 2 Stunden
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