Wie die Bahn durch die Krise rollt
Wer regelmäßig mit der Deutschen Bahn fährt, wird reich an besonderen Erfahrungen: Zug verspätet. Zug fällt aus. Zug fährt, Klo kaputt. Zug kommt mit falscher Wagenreihung. Zug rollt mit halber Wagenanzahl. Zug muss wegen »Verspätung eines vorausfahrenden Zuges« vor dem Bahnhof warten, Anschluss nicht mehr erreichbar, nächste Reisemöglichkeit: auch verspätet.
Bahn-Chefin Palla
Foto: Christoph Soeder / EPA / dpaAls Bahnfahrerin weiß ich den herzlichen Sarkasmus des Bordpersonals in Krisenlagen zu schätzen. Zu meinen Lieblings-ICE-Durchsagen gehörte vor einiger Zeit der Aufruf: »Beschweren Sie sich bitte nicht bei uns, sondern beim Bahnchef.«
Seit Oktober 2025 ist der Chef eine Chefin. Im SPIEGEL-Gespräch versprach Evelyn Palla den Fahrgästen neulich: »Wenn ich schon in einem verspäteten ICE sitze, sollte er zumindest sauber sein, die Toilette funktionieren und ein komplettes Sortiment im Bordbistro vorhanden sein« (mehr hier ).
Heute stellt Palla zum ersten Mal die Jahresbilanz des Konzerns vor. Unterm Strich, so berichtet mein Kollege David Böcking, dürfte sie erneut Verluste verkünden, die besonders dem Fernverkehr geschuldet sind: »Dessen Auslastung liegt unter der 50-Prozent-Marke, die Pünktlichkeitswerte lagen zuletzt teilweise nur knapp darüber.« Umso wichtiger wären neue Kunden. Die weltpolitische Lage könnte für das Unternehmen kaum günstiger sein. Je üppiger die Spritpreise, desto mehr Menschen könnten auf die Bahn umsteigen, desto mehr Unternehmen könnten auf Schienen-Güterverkehr setzen. Theoretisch jedenfalls. Womit wir wieder beim praktischen Problem wären: den abschreckenden Verspätungen.
Die ganze Geschichte hier: Die Bahn könnte der Gewinner der hohen Spritpreise sein – doch es gibt einen Haken
Wie SPD-Chef Klingbeil Unterstützung sucht
Die Menschen in Deutschland sollen mehr arbeiten – da sind sich Friedrich Merz (CDU) und Lars Klingbeil (SPD) einig. Bei allen Problemen, mit denen die Wirtschaft gerade kämpft, ist der Mangel an Fach- und Arbeitskräften eines der größten.
Klingbeil in der Berliner Berstelsmann-Repräsentanz
Foto: Bernd von Jutrczenka / dpaKompliziert wird es bei der Frage, welche Menschen genau der Kanzler und sein Vize länger im Büro, der Fabrikhalle oder dem Krankenhaus sehen wollen. Klingbeil ist am Mittwoch in seiner Rede bei der Bertelsmann Stiftung konkreter geworden (mehr hier ). Er denkt vor allem an Frauen und Ältere.
Das Ehegattensplitting? Soll weg, zumindest für künftige Ehen. Und auch der Idee von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU), die beitragsfreie Mitversicherung in den gesetzlichen Krankenkassen für Ehepartner mit niedrigem oder gar keinem Einkommen zu streichen (mehr hier ), kann der SPD-Chef einiges abgewinnen. Die Frage ist nur, ob seine Partei mitgeht. Von Klingbeils Vorschlag, die Anreize zur Frührente zu schreddern, ganz zu schweigen.
Um sich den Rückhalt der Sozialdemokraten zu sichern, hat Klingbeil ein neues Diskussionsformat erfunden: die Runde der Häuptlinge. Alle Ministerpräsidenten, Spitzenkandidaten, Führungsleute der Bundestagsfraktion, Präsidiumsmitglieder sowie wichtige Bürgermeister und Landräte der SPD kommen an diesem Freitag ins Willy-Brandt-Haus. Anders als auf Parteitagen, wo eher linke Funktionäre und die Jusos den Ton angeben, werden bei dem Treffen in der Parteizentrale die Pragmatiker dominieren. Jene Frauen und Männer also, die für die SPD noch Wahlen gewinnen.
»Klingbeil erhofft sich von der Runde ein Mandat und Rückenwind für Verhandlungen der kommenden Wochen«, schreibt mein Kollege Andreas Niesmann. »Die werden noch schwierig genug.«
Doch wovon hängt es wirklich ab, ob und wie viele bezahlte Arbeitsstunden Frauen leisten wollen? (Bei unbezahlter Arbeit liegen sie ohnehin weit vor den Männern, dieser Hinweis sollte nie vergessen werden.) Das haben die Ökonomen Vanessa Bammert und Claus Michelsen analysiert. Ihre Erkenntnisse könnten die Koalition erhellen. Es geht nicht nur darum, was als Nettolohn herausspringt. Sondern auch darum, wie flexibel sich Arbeitsstunden verteilen lassen oder ob es weibliche Vorbilder gibt: Chefinnen.
Mehr Hintergründe hier: Von diesen drei Faktoren hängt besonders ab, wieviel Frauen arbeiten
Wie Trump die Weltwirtschaft angreift
Wohin Donald Trumps Krieg gegen Iran führen soll, bleibt sein Geheimnis. Verfolgt der US-Präsident eine gut gehütete Strategie oder lässt er sich von Narzissmus treiben? Gibt es ernst zu nehmende Verhandlungen über den sogenannten 15-Punkte-Friedensplan der Vereinigten Staaten? Warum beordert er Eliteeinheiten und Angriffsschiffe an den Golf? Und wie oft wird er sein Ultimatum gegen das Regime in Teheran verschieben, das er gestern Abend erneut vertagt hat? Nächster Stichtag: 6. April.
Brennender Tanker in der Straße von Hormus
Foto: Royal Thai Navy / EPASicher ist, dass sein Kurs schon jetzt fatale ökonomische Folgen hat. De facto ist die Straße von Hormus gesperrt, durch die in normalen Zeiten 20 Prozent der globalen Ölexporte verschifft werden. Damit ist die vielleicht wichtigste Lieferkette der Welt gerissen.
Auch in Deutschland ist das zu spüren. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche warnt vor Treibstoff-Engpässen ab Ende April oder Mai, sollte der Konflikt länger dauern. Ausgerechnet die CDU-Politikerin, die sonst so viel Wert auf ordnungspolitische Akkuratesse legt, zeigt sich offen für eine Erhöhung der Pendlerpauschale (mehr hier), um die Folgen der hohen Spritpreise zu lindern. Angesichts des Ausmaßes der drohenden Krise dürfte der Frust an der Tankstelle noch eines der erträglicheren Probleme sein.
Die Schockwellen des Irankrieges reichen um den gesamten Globus. Sie verstören die Golfstaaten, sie schaden asiatischen Volkswirtschaften, sie setzen westliche Zentralbanken unter Druck und sorgen an den Finanzmärkten für Nervosität. »Für seine erratische Außenpolitik nimmt Trump die Weltwirtschaft in Geiselhaft«, schreibt mein Kollege Tim Bartz in der aktuellen Titelstory.
Die ganze Geschichte lesen Sie hier: Aus Trumps Iran-Desaster wurde ein Krieg gegen die Weltwirtschaft
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FDP-Bewerber Henning Höne
Foto: Moritz Frankenberg / dpa…ist Henning Höne. Der Betriebswirt aus dem westfälischen Coesfeld will neuer Vorsitzender der siechenden FDP werden, obwohl ihn kaum jemand kennt. Der nordrhein-westfälische Landesvorsitzende und bisherige Bundespartei-Vize hat gestern seine Bewerbung angekündigt. In einem Video auf der Plattform X sagte er, nach dem Bruch der Ampelregierung in Berlin habe die FDP ein Jahr vertan, um ein neues und modernes Angebot zu etablieren. Er kandidiert gegen den glücklosen Christian Dürr, der auf dem Parteitag Ende Mai noch einmal zur Wahl als Bundesvorsitzender antreten will. Bei den Marktliberalen sorgt Höne jetzt für Unerhörtes: Wettbewerb.
Mehr zum Thema: Kann dieser Mann die FDP retten?
Die jüngsten Meldungen aus der Nacht
Bahn-Finanzvorständin geht nach vier Monaten: Schon länger war von einem Aus für Karin Dohm die Rede. Jetzt bestätigt die Deutsche Bahn die Trennung von der Finanzvorständin. Für das schnelle Aus nennt der Konzern Gründe, die von den Medien abweichen.
Jetzt will sich Trump auch noch auf den Dollar-Scheinen verewigen: Eigentlich haben amtierende Präsidenten auf US-Zahlungsmitteln nichts zu suchen. Doch Donald Trump bricht mit dieser Tradition: Seine Unterschrift soll bald die 100-Dollar-Note zieren. Und das ist erst der Anfang.
Zverev dominiert in Miami – und trifft jetzt im Halbfinale auf Sinner: Mit seiner besten Turnierleistung zieht Alexander Zverev in Miami ins Halbfinale ein. Gegen einen ehemaligen Angstgegner lässt der deutsche Tennisprofi gar nichts zu. Jetzt hat er gegen den nächsten Gegner die Chance zur Revanche.
Heute bei SPIEGEL Extra: Wie es ist, für Millionäre zu kochen
Ralph Schelling
Ralph Schelling hat viele Jahre in Sternerestaurants gearbeitet, heute bekocht er Promis wie Paris Hilton. Hier erzählt der Schweizer, was er seiner Kundschaft serviert, und verrät vier besondere Rezepte .
Ich wünsche Ihnen einen prächtigen Start in den Tag.
Ihre Cornelia Schmergal, Ressortleiterin Wirtschaft

vor 2 Stunden
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