Indien hat den weitverbreiteten Messenger Telegram für mehrere Tage sperren lassen, damit am Sonntag etwa 2,3 Millionen Menschen zum zweiten Mal jenen Test ablegen können, der entscheidet, wer in dem Land Medizin studieren darf. Das geht aus einer Mitteilung der für die Zulassungstests verantwortlichen Behörde hervor, laut der der Messenger zudem angewiesen wurde, bis Ende des Monats das nachträgliche Editieren von Beiträgen zu unterbinden. Begründet wurde der Schritt mit betrügerischen Kanälen auf der Plattform, die gegen hohe Geldsummen einen Zugang zu den Testfragen versprechen, und dem mangelnden Vorgehen von Telegram dagegen. Nachträglich bearbeitete Beiträge sollen demnach beweisen, dass die Fragen vorab verfügbar waren. Unter den Prüflingen sorgt das für enorme Verunsicherung.
Kritik nicht nur von Telegram
Der sogenannte National Eligibility cum Entrance Test (Undergraduate) oder NEET (UG) entscheidet in Indien darüber, wer einen der heiß begehrten, rund 130.000 Studienplätze für Medizin bekommt. Die Nachfrage ist ungefähr 20-mal so hoch, der Druck auf die Teilnehmenden ist entsprechend groß. In diesem Jahr wurde der Test eigentlich schon am 3. Mai durchgeführt, aber im Nachhinein kam heraus, dass eine Vorbereitungshilfe dem finalen Test zu ähnlich war. In der Folge wurde der gesamte Prozess annulliert und ein neuer Termin festgelegt. Am 21. Juni müssen nun alle Interessierten den Test erneut ablegen, und die Aufregung ist entsprechend groß. Am Dienstag wurde dann erklärt, dass Telegram bis Montag gesperrt wurde. Telegram selbst hat den Schritt kritisiert.
Internetblockaden zur Absicherung zentraler Prüfungstage sind in einigen Staaten ein übliches Vorgehen, die Sperrung eines einzelnen Diensts wie jetzt in Indien ist aber ein Novum. Dort hat es zuletzt aber zahlreiche Skandale rund um den Zulassungstest gegeben und immer wieder hat dabei auch Telegram eine Rolle gespielt. Aktuell wird vor dem obersten Gericht des Landes über die Anordnung gestritten, nicht nur Telegram übt heftige Kritik. Auch die Internet Freedom Foundation hat sich dagegen positioniert. Die Bürgerrechtsorganisation spricht von einer Notlösung und einer unverhältnismäßigen Reaktion auf Betrug rund um den Test.
(mho)










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