Mythos „Stand by Me“: Sie wissen noch immer, was sie im Sommer 1986 taten

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Zwei fehlen. Ohne die beiden aber wäre aus diesem Film nicht der Klassiker geworden, der er bis heute geblieben ist. Der eine, Rob Reiner, der Regie führte, ist im Dezember gemeinsam mit seiner Frau ermordet worden, ihr Sohn steht jetzt deswegen vor Gericht. Der andere, der Schauspieler River Phoenix, hat dem Klassiker ein Gesicht gegeben, Phoenix starb 1993 mit nur 23 Jahren, Herzstillstand nach Überdosis.

Reiner wie Phoenix haben 1986 aus einem Jugendfilm einen Mythos gemacht: Vierzig Jahre ist es also jetzt her, dass „Stand by Me“ in die Kinos kam, eine der vielen Verfilmungen aus dem Werk des amerikanischen Schriftstellers Stephen King, die sofort ein Eigenleben gewinnen konnten. Wie „The Shining“ von Stanley Kubrick oder „The Shawshank Redemption“ mit Tim Robbins und Morgan Freeman, die Verfilmung einer Novelle aus demselben Band, in dem King eben auch von vier Freunden aus dem Spätsommer 1960 erzählt, die einen toten Jungen suchen und dabei fürs Leben lernen.

Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

„Stand by Me“ war Reiners dritter Kinofilm, danach folgten weitere Klassiker wie „Harry und Sally“ – für River Phoenix, Wil Wheaton, Corey Feldman und Jerry O’Connell war es der Anfang ihrer Karriere. Leider kamen die drei anderen nie an das heran, was River Phoenix in seiner kurzen Zeit danach vor der Kamera erreichte (in „My Private Idaho“ vor allem). Wheaton, Feldman und O’Connor selbst reden über ihren toten Freund (die vier waren beim Dreh kaum Teenager) genauso: Schwärmen von seiner Magie. Davon, dass man River einfach zuschauen musste. (Das deutsche Filmplakat zitierte damals einen Kritiker mit dem schön verbogenen Satz: „Ein Film wie ein Magnet – man muss ihn einfach gesehen haben.“)

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Momentan touren die drei Hinterbliebenen der Sommer von 1960 und 1986 durch die USA, bei Sondervorführungen ihres Films sprechen sie auch von Reiner, der die Jungs ermutigt habe, loszulassen, loszulegen – und davon, wie die Coming of Age-Geschichte vor der Kamera die von dahinter wiederholte. „Stand by Me“ handelt von Außenseitern, Übersehenen, Vernachlässigten, die abhauen, um die Leiche eines Jungen zu finden, der in den Wäldern Oregons (im Buch: Maine) verschwindet, die um ihren Platz in der Welt ringen, um die Worte für das, was sie empfinden, auch füreinander.

„Wenn die Wunden verheilen, sterben die Worte mit ihnen“

Freundschaft, Stolz, Quatsch und Loyalität: Aus Chris (Phoenix) wird ein Anwalt, aus Gordie (Wheaton) ein Autor, der ihre Geschichte Jahre später aufschreibt. „Die Liebe hat Zähne; sie beißen; die Wunden schließen sich nie“, sagt er. „Wenn diese Wunden verheilen, sterben die Worte mit ihnen. Glauben Sie mir. Ich habe mein Leben auf Worten aufgebaut, und ich weiß, dass es so ist.“

Wil Wheaton hat Kings Novelle jetzt als Hörbuch eingelesen (Simon and Schuster Audio), seine erwachsene Stimme kann seinem kindlichen Spiel von damals leider nicht standhalten, macht härter, was 1986 in der Schwebe blieb. Kings Vorlage brauchte die Auslassungen des Films genauso, um zu leuchten, wie die Geschichte es bis heute tut. Auch deutsche Kinos (wie das Delphi Lux in Berlin) werden „Stand by Me“ in den nächsten Monaten wieder zeigen.

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