Mistral Vibe: Die neuen agentischen Oberflächen Work und Code ausprobiert

vor 2 Stunden 1

Aus Le Chat wird Vibe: Der französische KI-Hersteller Mistral tauft die Bedienoberfläche seiner LLM-Modelle um und macht damit den Schritt ins agentische Zeitalter der KI-Anwendungen. Weg von der rein chat-fokussierten Oberfläche und hin zu einem zentralen Arbeitsbereich, mit dem sich externe Anwendungen verbinden und von dem aus sich Aufgaben möglichst automatisiert per Prompt erledigen lassen sollen.

Vibe teilt sich in die drei Bereiche Chat, Work und Code auf. Neben dem altbekannten Chatbot ist Work die oben beschriebene Arbeitsumgebung, Code ist das Pendant dazu als Programmierumgebung, die sich entweder als Webanwendung, per Command Line Interface oder als VS-Code-Erweiterung nutzen lässt.

Eingeloggte Mistral-Nutzer können in der Free-Version auf dem Startbildschirm jetzt oben links zwischen. „Chat“ und „Work“ wechseln. Unter „Work“ ist die neue agentische Bedienoberfläche zu finden. Vibe Code ist aktuell noch nicht öffentlich verfügbar.

Die Arbeitsoberfläche von Vibe Work.

(Bild: Niklas Engelking/Screenshot mistral.ai)

Die beiden entscheidenden Kernelemente von Work sind Skills und Konnektoren. Hinter Konnektoren verbergen sich Anbindungen an externe Anwendungen, wie man sie auch von Claude, ChatGPT und Co kennt. Mit Vibe lassen sich unter anderem Gmail, Outlook, Slack und Github verbinden, auf dem folgenden Screenshot ist eine vollständige Übersicht der möglichen Apps zu sehen (Stand: Freitag, 29. Mai 2026).

Screenshot: Die aktuellen Konnektoren von Vibe Work im Überblick.

(Bild: Niklas Engelking/Screenshot mistral.ai)

Per Model Context Protocol (MCP) können Nutzer auch eigene Anwendungen verbinden. Über Skills lassen sich die Fähigkeiten steuern, mit denen genutzte Mistral-Modelle bei der Verwendung ausgestattet sein sollen. Neben den gewohnten KI-Fähigkeiten, die sich etwa um Datenanalyse, Dokumentenerstellung und Ähnliches drehen, lassen sich unter anderem die Skills challenge-my-thinking und internal-comms aktivieren. Ersterer soll Mistral quasi zur argumentativen Sparrings-KI machen, mit der ein Nutzer seine Argumentationen, Ideen und Gedanken gezielt infrage stellen lassen oder auf Gegenargumente, blinde Flecken oder Ähnliches prüfen lassen kann. internal-comms soll Anwendern bei der internen Unternehmenskommunikation assistieren und liefert Standardvorlagen für typische Dokumente wie Präsentationen oder Newsletter direkt in einem Canvas anzulegen. Aktuell kann internal-comms nicht auf angebundene Konnektoren zugreifen und sich selbstständig die benötigten Informationen für eine Unterlage beschaffen (Stand: Freitag, 29. Mai 2026).

Jeder Skill lässt sich einzeln ein- und ausschalten, aktivierte Skills lädt Vibe bei Bedarf automatisch, sie lassen sich aber auch per Erwähnung im Prompt gezielt aufrufen. Nutzer können zudem eigene Skills als Markdown-Datei schreiben und in Vibe importieren. Praktischerweise gibt es hierfür auch den vorinstallierten Skill skill-creator, der Anwendern bei der Erstellung neuer oder bei der Modifikation bestehender Skills zur Seite steht. Vorinstallierte Skills lassen sich damit allerdings nicht modifizieren.

Damit Work als Agent effizient arbeitet, können Nutzer seperate Bibliotheken erstellen, die sich wahlweise ein- und ausschalten lassen. In den Bibliotheken können Nutzer PDFs, Tabellen, Textdateien, Bilder und Ähnliches hinterlegen. Die Dokumentation zu Vibe Work liefert eine vollständige Übersicht unterstützter Dateiformate.

Unterstützte Dateiformate für Vibe-Work-Bibliotheken im Überblick

(Bild: Niklas Engelking/Screenshot mistral.ai)

Vibe Code ist der Programmiermodus von Mistral, bisher aber noch nicht vollständig verfügbar. Bisher ist Mistral Code als CLI und als VS-Code-Erweiterung erhältlich, eine Webanwendung soll noch dazu kommen. Mistral will sie laut Dokumentation schrittweise ausrollen. Das CLI ist für MacOS, Linux und Windows verfügbar. Mistral bietet Konsolenbefehle für die Schnellinstallation an, die allerdings die Ausführung fremder Skripte erfordern. Auch die manuelle Installation ist möglich. Das CLI bringt die Webanwendung quasi ins Mac- oder Linux-Terminal, beziehungsweise in die Windows-Powershell. Wer gerne über die Konsole arbeitet, kommt auf seine Kosten, denn hier läuft alles über Tastenkürzel oder Kommandozeilenbefehle.

Startbildschirm von Mistral Vibe Code CLI unter Linux Mint, die über /help geöffnete Befehlsliste gibt einen Eindruck, wie hier gearbeitet wird.

(Bild: Screenshot Mistral Vibe Code CLI/Niklas Engelking)

Praktisch: CLI-Sitzungen sollen sich für zahlende Pro-, Team- oder Enterprise-Nutzer dann per /teleport-Befehl auch in die Webanwendung transferieren lassen, sodass von hier weitergearbeitet werden kann. Im CLI soll sich zudem eine URL generieren lassen, mit der die Sitzung per Webbrowser verfolgt werden kann – Voraussetzung ist hier aber ein verbundenes Git Repository. Außerdem lassen sich aus dem CLI heraus Github-Branches und Pull Requests erstellen, auch Reviews für den finalen Code in Github sind möglich. Das CLI kann auch Dateien in lokalen Verzeichnissen bearbeiten und erstellen, fragt hier aber stets vorher um Erlaubnis.

Als dritte Option gibt es auch die VS-Code-Erweiterung Mistral Vibe VS Code. Mit ihr lassen sich Dateien in VS Code per Prompt verändern und analysieren, vor jeder Änderung wird aber stets um Erlaubnis gefragt. Die Erweiterung bindet wahlweise auch Kontext aus GitHub, GitLab, Jira oder Linear mit ein. Die Varianten CLI und VS-Code-Erweiterung sind besonders dann vorteilhaft, wenn man mit lokalen Dateien arbeiten will.

Für einige der Vibe-Funktionen braucht es ein kostenpflichtiges Abo. Aktuell ist Mistral in den Varianten Free, Pro (14,99 Euro pro Monat), Team (24,99 Euro pro Monat) und Enterprise (Preise für Unternehmen auf Anfrage) erhältlich. Leider ist Mistral bei den Unterschieden nicht ganz transparent. So bieten die kostenpflichtigen Versionen etwa fünf mal so viele Websuchen und bis zu 40 mal so viele Bildgenerierungen wie die Free-Version an. Wieviel das genau ist, wird aber nirgends gesagt. Zudem kann die Free-Version keine Canvas generieren und unterstützt kein Remote Coding – womit die Webanwendung von Vibe Code nur sehr begrenzt infrage kommen dürfte, sobald Mistral sie verfügbar macht. Die Team-Variante ist deutlich teurer als die Pro-Variante, hat aber so gut wie dieselben Nutzungskontingente. Lediglich die Speicherkapazität fällt höher aus. Außerdem bietet die Team-Version eine Domain-Verifizierung, Datenexport und gemeinsame Workspaces mit Admin-Funktionen.

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