Dass Friedrich Merz die Politik von US-Präsident Donald Trump zumindest in Teilen nicht gutheißt, hat der Kanzler seit seinem Amtsantritt vor rund einem Jahr wiederholt klargemacht – mal mehr, mal weniger deutlich. Zuletzt sorgten die Aussagen des CDU-Chefs zum Krieg der USA gegen den Iran für Aufsehen und führten auch zu einer Reaktion des Republikaners im Weißen Haus.
Jetzt hat Merz seine Sicht zur Lage in den Vereinigten Staaten geäußert. Bei einer Diskussion mit jungen Menschen auf dem Katholikentag in Würzburg sagte der Kanzler: „Ich bin ein großer Bewunderer Amerikas, meine Bewunderung nimmt im Augenblick nicht zu“.
Das gesellschaftliche Klima dort habe sich rasant verändert. „Ich würde meinen Kindern heute nicht empfehlen, in die USA zu gehen, dort ausgebildet zu werden und dort zu arbeiten, einfach weil sich dort plötzlich ein gesellschaftliches Klima entwickelt hat.“
Heute haben die Bestausgebildeten in Amerika große Schwierigkeiten, einen Job zu finden.
Friedrich Merz, Bundeskanzler (CDU)
Der Katholik Merz weiter: „Heute haben die Bestausgebildeten in Amerika große Schwierigkeiten, einen Job zu finden.“ Er wolle versuchen, den Menschen die Zukunftsangst zu nehmen. Es gebe wenige Länder auf der Welt wie Deutschland, die „so großartige Chancen haben“ – auch und gerade für junge Menschen.
„Wir erleben eine so tiefe Zäsur, dass wir möglicherweise erst in einigen Jahren wirklich verstehen werden, was wir erleben“, sagte der Katholik. Frieden und Freiheit in Europa seien nicht selbstverständlich. Er wolle insbesondere Freiheit und Frieden in Deutschland und in Europa erhalten, betonte er.
Merz’ vorherige Kritik an Trump
Merz hatte Trumps Unmut vor wenigen Tagen offenbar mit Äußerungen bei einer Schulveranstaltung mit Blick auf die Vereinigten Staaten erregt. „Da wird eine ganze Nation gedemütigt durch die iranische Staatsführung“, sagte Merz Agenturberichten zufolge mit Blick auf die Verhandlungen der USA mit dem Iran. Zudem äußerte er die Ansicht, die USA hätten „offensichtlich keine Strategie“ im Irak-Krieg.
Der US-Präsident hatte den Kanzler danach bereits scharf attackiert: „Er weiß nicht, wovon er spricht!“ Danach drohte Trump dann mit einem Abzug von US-Soldaten aus Deutschland. „Die USA prüfen und evaluieren derzeit eine mögliche Verringerung der Truppenpräsenz in Deutschland“, schrieb er. Eine entsprechende Entscheidung werde „in Kürze getroffen“. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth kündigte schließlich den Abzug von 5000 Soldaten an.
Trump hatte bei seiner Kritik an Merz dann noch nachgelegt. Er bescheinigte dem Bundeskanzler in einem weiteren Post Nachholbedarf „insbesondere bei den Themen Migration und Energie“. Merz solle „weniger Zeit darauf verwenden, sich in die Bemühungen derjenigen einzumischen, die die atomare Bedrohung durch den Iran beseitigen, wodurch die Welt, einschließlich Deutschlands, zu einem sichereren Ort wird“.
Merz hatte betont, sein persönliches Verhältnis zu Trump sei „unverändert gut“ und die Bedeutung des deutsch-amerikanischen Verhältnisses unterstrichen. Noch zu Beginn des Iran-Kriegs war das Verhältnis der beiden demonstrativ freundschaftlich gewesen.
Diesen Eindruck verbreitet Merz auch in einem am Freitag veröffentlichten Beitrag auf X. Er und der US-Präsident hätten während Trumps Rückreise aus China ein „gutes Telefonat“ geführt, schrieb Merz. „Wir sind uns einig: Iran muss jetzt an den Verhandlungstisch. Die Straße von Hormus muss geöffnet werden. Teheran darf keine Nuklearwaffen haben.“
Weitere Themen des Telefonats mit dem USA-Präsidenten waren dem Kanzler zufolge „eine Friedenslösung für die Ukraine“ sowie der Nato-Gipfel im türkischen Ankara Anfang Juni. Details nannte Merz nicht. „Die USA und Deutschland sind starke Partner in einer starken Nato“, schrieb er lediglich. (mit Agenturen)

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