Medien und KI in Dänemark: Dänemarks Regierung will „Roboterjournalismus“ eindämmen

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Zeitungen darben vielerorts, aber in Dänemark ist die Lage noch vergleichsweise gut. Nicht nur die großen Traditionsblätter wie „Politiken“ und „Berlingske“ machen hier weiterhin ausgezeichneten Journalismus, es gibt auch unzählige weitere überregionale wie regionale Zeitungen. Auch dank der breit gestreuten öffentlichen finanziellen Förderung. Doch nun herrscht Aufregung in der dänischen Medienbranche. Noch in diesem Jahr will eine bisher „Projekt Y“ genannte Plattform an den Start gehen, die fast ausschließlich KI-generierte nachrichtliche Inhalte anbieten will.

„Die Medienbranche ist derzeit von Konsolidierungen und Einsparungen geprägt, doch wir glauben, dass die Zeit reif ist, die neuesten Technologien zu nutzen, um Inhalte auf eine neue und glaubwürdige Weise zu erstellen“, heißt es auf der Website der Plattform. Wie diese genau funktionieren soll, ist unklar, doch soll offenbar nur eine Handvoll Mitarbeiter die Veröffentlichung von KI-generierten Texten, Videos und Audioinhalten steuern. Der Ton und die Videos sollen offenbar von Avataren präsentiert werden, die an echten Menschen trainiert wurden.

Selbst recherchieren sollen die Mitarbeiter offenbar nicht

Woher das „Projekt Y“ die Informationen für seine Nachrichten nehmen werde, sei nicht wirklich klar, sagt Aske Kammer der F.A.Z. Er forscht an der Universität Roskilde zu Medien und deren Geschäftsmodellen. Offenbar plane das Unternehmen, die Meldungen aus einem Mix aus Einträgen etwa von sozialen Medien und Websites wie Reddit, aber auch von anderen Medien inklusive des öffentlichen Rundfunks zu generieren. Die Inhalte dürften also stark „inspiriert“ sein von etablierten Medien, erwartet Kammer.

Derzeit sucht „Projekt Y“ einen Redakteur. Hauptaufgabenbeschreibung: KI-generierte Inhalte mit einem Managementsystem kuratieren und bearbeiten, sowie dann erkennen, wann etwas funktioniere. Weiterhin: eine digitale Persona entwickeln, die als Stimme und Avatar in der Produktion eingesetzt werden könne. Von Recherche steht nichts in der Stellenbeschreibung.

„Neue Stimmen“ sollen zu hören sein

„Wenn das Projekt Y einmal läuft, dürfte das ein großes Problem für die etablierten Medien werden“, sagt Kammer. Er erwartet, dass diese dann sehr rasch und hart mit rechtlichen Mitteln versuchen werden, die Aktivitäten des neuen Konkurrenten einzuschränken, um die Grenzen dessen klarzumachen, was rechtlich erlaubt ist – immerhin gibt es ein Urheberrecht.

Das „Projekt Y“ hat sich auf die Fahnen geschrieben, „neue Stimmen“ zu präsentieren. Es distanziert sich explizit von den etablierten Medien. Angeleitet wird es von Michael Dyrby, einst in führender Rolle beim Sender TV2. Der nannte das Vorhaben „Journalismus auf Basis von KI – gesteuert von Menschen“. Dem Magazin „Journalisten“ sagte er, es handele sich um ein unabhängiges, faktenbasiertes und bürgerliches Medium, das unter anderem „Zitatgeschichten“ veröffentlichen werde.

Ein Rechtspopulist unter den Investoren

Zu den Investoren zählte unter anderem der Vorsitzende der rechtspopulistischen Dänischen Volkspartei (DF), Morten Messerschmidt, der angab, das „Projekt Y“ solle auch dazu dienen, dass die Dänen die Welt endlich anders sehen könnten, nicht nur gestützt etwa auf den dänischen Rundfunk. Nach der Parlamentswahl im März hoffte Messerschmidt auf eine Regierungsbeteiligung, schließlich hatte seine Rechts-außen-Partei erhebliche Zugewinne verzeichnet. Deswegen verkaufte er seine Anteile an „Projekt Y“.

In Dänemark überweist der Staat ähnlich wie in Norwegen privaten Medien für deren Förderung viel Geld, rund 55 Millionen Euro gingen 2025 an 76 Titel. Auch dadurch gibt es noch eine so lebendige Presselandschaft. Doch auch ausgerechnet das „Projekt Y“, das zum Totengräber des klassischen Journalismus im Land werden könnte, erhielt öffentliche Förderung. 3,2 Millionen Kronen (das sind rund 430.000 Euro) erhielt das Unternehmen aus einem „Innovationsfonds“, der helfen soll, die Gründung und Entwicklung neuer Medien zu fördern.

Wie eine Regulierung aussehen soll, ist unklar

Wohl vor allem wegen dieses Einzelfalls hat die neue dänische Vierparteienkoalition nun in ihrer Grundlagenerklärung für die künftige Zusammenarbeit, was man in Deutschland als Koalitionsvertrag bezeichnen würde, einen Passus aufgenommen, der derlei Förderung in Zukunft verhindern soll. Demnach will die Regierung Initiativen ergreifen, um die Regulierung von Nachrichten zu verstärken, die mit Künstlicher Intelligenz erstellt wurden. Auch will sie sicherstellen, „dass keine Medienförderung für Nachrichten gewährt wird, die von Künstlicher Intelligenz generiert wurden“.

Unklar ist, wie genau eine Regulierung erfolgen soll. Schließlich wird KI schon bisher in dänischen Medien etwa zur Transkription von Interviews oder als Recherchehilfe angewendet, teilweise auch wie hierzulande zur Zusammenfassung von Artikeln. Die neue dänische Kulturministerin Zenia Stampe teilte dazu „Politiken“ mit, bei der Regierungsinitiative gehe es darum, einen „Roboterjournalismus“ zu vermeiden. Doch sei das natürlich nicht als generelles Verbot des Einsatzes Künstlicher Intelligenz als Werkzeug zu verstehen, etwa wenn Journalisten recherchierten oder KI zur Transkription oder Erstellung von Zusammenfassungen nutzten.

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