Das Start-up Vara.ai kooperiert für sein KI-basiertes Mammografie-Screening künftig mit der Telekom, um deren Cloud zu nutzen. Nach Angaben der Telekom kommt Varas KI in 40 Prozent der deutschen Brustkrebs-Screening-Zentren in Deutschland zum Einsatz. Jährlich werden mit Vara eine Million Frauen untersucht, wobei jedes Mal vier Bilder gemacht werden. Künftig speichert Vara alle rund vier Millionen hochauflösende Bilder in der Open-Telekom-Cloud.
Laut Telekom kann die OTC seit 2021 von Berufsgeheimnisträgern im Sinne des § 203 Strafgesetzbuch (StGB) für die Ablage und Verarbeitung besonders zu schützender Informationen genutzt werden. Dazu zählen beispielsweise auch die radiologischen Fachkräfte, die die KI-Analyse von Vara einsetzen.
Anfang des Jahres hatte das Unternehmen zusammen mit der Universität Lübeck, dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), verschiedenen radiologischen Zentren eine Umfangreiche Studie, im Fachmagazin "Nature Medicine" veröffentlicht. Nach dieser verbessert der Einsatz von Varas KI die Brustkrebserkennung. Für die"PRAIM-Studie" – einer nicht-interventionellen, kontrollierten Beobachtungsstudie – wurden die Daten von über 460.000 Frauen ausgewertet, die zwischen 2021 und 2023 an insgesamt zwölf Standorten in Deutschland am Mammografie-Screening-Programm teilgenommen hatten. Dabei stieg die Brustkrebserkennungsrate durch KI um 18 Prozent. Doch auch die Falsch-Positive-Rate ließ sich mit Vara um rund 15 Prozent senken.
Die KI identifiziert sowohl Untersuchungen, die als normal angesehen werden können, als auch solche, die potenziell verdächtig sind. Wenn Radiologen eine Untersuchung als unauffällig einschätzen, die KI jedoch ein hohes Risiko für eine Krebserkrankung erkennt, wird ein Alarm ausgelöst und die verdächtige Region hervorgehoben. Dies gibt den Radiologen die Möglichkeit, ihre Entscheidung zu überdenken und entweder den Alarm zu akzeptieren oder abzulehnen. In vielen Ländern ist eine Zweitmeinung bei der Beurteilung von Mammografien erforderlich. Derzeit wird jedoch in vielen Ländern KI als Zweitmeinung beim Brustkrebs-Screening getestet.
"Die Untersuchungsergebnisse werden genauer und die Fachkräfte werden entlastet, da der Arbeitsaufwand sich um über 70 Prozent reduziert. Das bringt zudem enormes Potenzial für Kostenersparnis im Gesundheitssystem bei gleichzeitig erhöhter Qualität", sagt Vara-CTO Stefan Bunk. Ende des Jahres hatte das Unternehmen, dessen Software in Indien und Ägypten genutzt wird, eine Finanzierung in Höhe von rund 8 Millionen US-Dollar erhalten.
(mack)