Bei Recherchen für Artikel oder eigene Projekte bleibt fast immer etwas an Nebenfunden hängen: ein Video, ein Tool, ein Board, eine absurde Portierung oder ein Bastelprojekt, das man eigentlich nur kurz anklicken wollte – und bei dem man dann doch hängen bleibt. Genau dieses digitale Treibgut sammle ich, weil daraus oft schneller neue Ideen entstehen als aus der eigentlichen Suche.
Hier also wieder ein kleiner Fang der letzten Tage. Vielleicht ist ja auch für euch etwas dabei – und wenn ihr selbst über spannende Tools, Hardware oder Videos gestolpert seid, dann gern in die Kommentare damit.
Robuster drucken mit Orca Slicer 2.3.2
Wer funktionale Teile druckt, landet früher oder später bei der immer gleichen Frage: Wie bekommt man aus normalem PLA(+) noch ein bisschen mehr Belastbarkeit heraus? Im aktuellen Video von Maker’s Muse geht es im Kontext von Roboter-Kämpfen genau darum. Gezeigt werden nicht etwa exotische Materialien oder Spezialhardware, sondern erstaunlich bodenständige Einstellungen in Orca Slicer 2.3.2 (siehe auch diesen Newsbeitrag 5067758). 100 Prozent konzentrisches Infill, versetzte zusätzliche Wände, unterschiedliche Linienbreiten für Außen- und Innenbereiche und die Möglichkeit, den Materialfluss gezielt im Inneren zu erhöhen.
Empfohlener redaktioneller Inhalt
Mit Ihrer Zustimmung wird hier ein externes YouTube-Video (Google Ireland Limited) geladen.
YouTube-Video immer laden
Spannend finde ich daran vor allem, dass hier keine Wunderlösung verkauft wird. Stattdessen zeigt sich wieder einmal, wie viel Mechanik und Materialverhalten schon im Slicer entschieden werden. Gerade bei Haltern, Werkzeugen oder Robotik-Teilen lohnt sich der Blick auf solche Profile oft mehr als der reflexhafte Griff zum nächsten „Engineering Filament“.
Mechanischer Flipper im 3D-Druck
Nicht jedes spannende Maker-Thema muss ein neues Dev-Board oder eine Library sein. Manchmal reicht auch ein Video, das einen alten Klassiker einmal anders denkt. Schon der Titel „Pinball like you’ve never seen before.“ reicht aus, um bei mir den Spieltrieb anzuschalten. Hier wird ein Flipper, also eigentlich ein komplettes Baukastensystem, entworfen und gebaut. Am Ende steht aktuell ein Flipper für zwei oder vier Personen, die gegeneinander spielen.
Empfohlener redaktioneller Inhalt
Mit Ihrer Zustimmung wird hier ein externes YouTube-Video (Google Ireland Limited) geladen.
YouTube-Video immer laden
Ich mag solche Projekte: Selbst wenn man nichts 1:1 nachbaut, bleibt fast immer irgendeine Idee hängen – sei es für Antriebe, 3D-Druck, Konstruktion oder einfach für die Frage, wie man aus einem bekannten Prinzip mit etwas Kreativität wieder etwas Neues machen kann. Für Maker ist das oft viel interessanter als das hundertste „hier ist ein neues Board mit noch mehr GPIOs“.
Tonsynthese: 80 Stimmen aus dem ESP32
Mit dem ESP32Synth-Projekt zeigt Danilo Gabriel auf Hackaday, wie weit man heutige Mikrocontroller auch im Hinblick auf Audio treiben kann. Die Library basiert auf ESP-IDF, läuft bare-metal-nah, ist auf hohe Polyphonie ausgelegt und schafft laut Projekt standardmäßig 80 Stimmen, im Grenzbereich sogar deutlich mehr. Audio läuft über I²S, dazu kommen klassische Wellenformen, Wavetables, SD-Streaming für WAV-Dateien und sogar eigene DSP-Hooks für Effekte oder spezielle Oszillatoren.
Besonders sympathisch ist daran, dass das Projekt (gitHub) nicht nur als Synth-Spielerei daherkommt, sondern als echter Bausatz für eigene Instrumente, Soundgeneratoren oder Installationen. Wenn man schon einen ESP32 herumliegen hat, ist das genau die Art von Software, aus der schnell ein Wochenendprojekt wird – und im besten Fall ein sehr lautes.
Fotos auf 3D-Modelle drucken
Ebenfalls schön bunt ist das Video „I Built a Tool to Paint 3D Models with Photos“. Dahinter steckt Primed3D von 3D Revolution: ein freies Open-Source-Werkzeug, das STL- oder 3MF-Modelle im Browser bemalen kann – inklusive Farbverläufen, Flächenfüllung und eben auch Foto-Projektion. Anschließend lässt sich daraus wieder ein 3MF exportieren, wahlweise für „normale“ (unbezahlbare) Mehrfarb-Drucker oder als geditherte Mehrmaterial-Version für FDM-Drucker mit Filamentwechsler.
Empfohlener redaktioneller Inhalt
Mit Ihrer Zustimmung wird hier ein externes YouTube-Video (Google Ireland Limited) geladen.
YouTube-Video immer laden
Gerade für Cosplay, Deko, Figuren oder experimentelle Drucke finde ich das spannend. Denn statt nur einzelne Filamentfarben zuzuweisen, rückt damit die eigentliche Oberflächengestaltung stärker in den Mittelpunkt. Schön ist außerdem, dass das Tool komplett clientseitig laufen soll – die Dateien bleiben also im Browser und wandern nicht erst auf irgendeinen Server.
Mac OS X auf der Wii
Es gibt diese Projekte, bei denen man schon beim Titel weiß, dass sie völlig unnötig sind – und genau deshalb großartig. „Booting Mac OSX on a Nintendo Wii“ gehört eindeutig in diese Kategorie. Bryan Keller hat Mac OS X 10.0 Cheetah nativ auf die Nintendo Wii portiert und den Weg dorthin in seinem Blog dokumentiert. Weil die Wii auf einem PowerPC 750CL basiert, also auf einem Verwandten der G3-Prozessoren früher Apple-Rechner, war die Idee technisch nicht komplett abwegig – nur eben trotzdem ziemlich wild. Der YouTuber Action retro musste es natürlich ausprobieren.
Empfohlener redaktioneller Inhalt
Mit Ihrer Zustimmung wird hier ein externes YouTube-Video (Google Ireland Limited) geladen.
YouTube-Video immer laden
Richtig schön wird das Projekt aber erst im Detail: eigener Bootloader, Kernel-Patches, Treiberarbeit, SD-Karten-Boot und als Bonus noch die Korrektur des zunächst magentafarbenen Bildes per Dual-Framebuffer-Konstruktion, weil die Wii intern YUV erwartet, Mac OS X aber RGB haben will. Spätestens an diesem Punkt ist man dann wieder bei der beruhigenden Erkenntnis, dass „läuft irgendwie“ in der Maker-Welt oft schon die halbe Miete ist. Und der Classic Mode … uhhh. Das kenne ich nur von meinem Shapeshifter-Mac-Emulator auf dem Amiga.
Cardputer Zero: Taschenrechner für Tüftler und Linuxer
Die Cardputer auf ESP32-Basis waren nicht uninteressant, aber man musste viel selbst programmieren, wenn man produktiv werden wollte. M5Stack positioniert den CardputerZero mit Linux als „Pocket Raspberry Pi Computer for Hackers“ und zielt damit klar auf alle, denen ein normaler Mikrocontroller-Handheld nicht mehr reicht. Laut Hersteller soll das Gerät als tragbares Linux-Labor für SSH, Python, Git, Vim, Edge-AI-Anwendungen und Hardware-Basteleien dienen. Erwähnt werden außerdem eine eingebaute App- beziehungsweise Firmware-Verteilung, Erweiterbarkeit über Grove, M5Units sowie Schnittstellen wie SPI, I²C, UART, USB und GPIO. Und ja, die Hardware basiert auf einem auch beim Raspi Zero verbauten Chip.
(Bild: m5stack)
Interessant ist daran hauptsächlich die Richtung: Weg vom reinen Gadget, hin zu einem wirklich mobilen „Arbeitsgerät“ für Leute, die gern direkt am Gerät tippen, testen und schrauben. Wenn M5Stack die Versprechen halbwegs einlöst, könnte das ein ziemlich cooles Werkzeug für Feldtests, Mini-Terminals, Off-Grid-Kommunikation oder einfach für unterwegs „Rumnerden“ werden. Laut M5Stack befindet sich das Projekt derzeit noch in der Vorstartphase; der Kickstarter ist für Mitte bis Ende Mai 2026 angekündigt, mit Early-Bird-Preisen von 59 US-Dollar für die Lite-Version und 89 US-Dollar für die reguläre Variante.
(caw)










English (US) ·