Bundeskanzler zum Iran-Krieg: Merz kritisiert USA deutlich

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Ungewohnt deutlich hat sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zu seiner Sicht auf den Iran-Krieg am Montag geäußert. „Die Amerikaner haben offensichtlich keine Strategie“, sagte Merz im nordrhein-westfälischen Marsberg, Iran demütige die Vereinigten Staaten. Er erkenne keinen strategischen Ausweg der USA aus dem Konflikt, „zumal die Iraner offensichtlich sehr geschickt verhandeln — oder eben sehr geschickt nicht verhandeln“, sagte er.⁠ Da werde „eine ganze Nation gedemütigt durch die iranische Staatsführung, vor allem durch diese sogenannten Revolutionsgarden“, führte der Kanzler aus. Er äußerte sich bei einer Veranstaltung vor Schülerinnen und Schülern des Carolus-Magnus-Gymnasiums in Marsberg im Rahmen des EU-Projekts EU Projekts „Day in Schools“.

„Ziemlich vertrackte Lage“

Der Krieg sei unüberlegt gewesen, sagte Merz weiter. Er habe Trump mittlerweile zweimal seine Skepsis direkt mitgeteilt, „wenn ich gewusst hätte, dass es fünf Wochen, sechs Wochen so weitergeht und immer schlimmer wird, dann hätte ich es ihm noch eindringlicher gesagt“. Merz sagte außerdem, die „ziemlich vertrackte Lage“ infolge des Kriegs koste Deutschland sehr viel Geld und Wirtschaftskraft:  „Dieser Krieg gegen den Iran hat unmittelbare Auswirkungen auf unsere Wirtschaftsleistung, und deswegen muss er so schnell wie möglich beendet werden.“

Am Abend kündigte Merz in Berlin verstärkte europäische Gesprächsversuche an. Weil die Gespräche der USA mit Iran offensichtlich nicht erfolgreich ‌seien, „wollen wir uns ja auch von der europäischen Seite aus diplomatisch um eine Lösung bemühen“, sagte er am Rande der CDU/CSU-Fraktionsklausur. Deutschland habe wieder diplomatische Bemühungen gegenüber dem Iran aufgenommen. „Wir stimmen uns da eng mit der amerikanischen Seite ab, sagen aber auch, dass wir eigene europäische Vorstellungen haben, wie man hier zu einer Lösung des Konfliktes kommen kann. Ich hoffe, dass es uns gelingt, bin mir aber nicht sicher“, fügte Merz hinzu. Er sei „desillusioniert“ vom Vorgehen der USA und Israels gegen den Iran.

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