Das MacBook Neo in seinem natürlichen Habitat: Einem Schreibtisch, der irgendwas mit Schule zu tun hat
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGELDieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde.
Das wichtigste Feature des neuen Apple-Notebooks ist eine Zahl: 699. Denn genau so viel kostet das Gerät in Euro, 500 Euro weniger als das bisher günstigste Apple-Modell, das MacBook Air. Schüler, Studenten und Lehrkräfte bekommen es sogar für hundert Euro weniger. Im Apple-Universum sind das fast schon Ramschpreise.
Es ist klar, dass das nicht ohne Abstriche geht. Im Gespräch mit dem SPIEGEL sagt Tom Boger, Apples Vice President of Mac and iPad Product Marketing, man habe zu Beginn der Entwicklung erst einmal festgelegt, welche Dinge ein MacBook ausmachen und damit für die Marke unverzichtbar sind. Das Alu-Gehäuse sei dabei »nicht verhandelbar« gewesen, sagt Boger.
Pressen statt fräsen
Dafür mussten Apples Ingenieure aber umdenken, denn das Verfahren, mit dem die Gehäuse anderer MacBooks gebaut werden, ist aufwendig und teuer. Sie werden zunächst mit CNC-Fräsen, dann mit Lasern aus massiven Aluminiumblöcken herausgefräst. Das dauert lange, verbraucht viel Energie und Rohmaterial. Apple hat dafür den Begriff Unibody-Design eingeführt. Auch die aktuellen iPhones 17 Pro und Pro Max werden so hergestellt.
MacBook Neo: Gepresst, nicht gefräst
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGELUm beim MacBook Neo die Kosten zu drücken, wird der Korpus offenbar aus Alu-Blechen geformt. Das Ergebnis soll zum Apple-Markenkern passen: Im Ergebnis dürfte die Metallhülle »für Laien genauso aussehen wie ein Unibody-Gehäuse«, sagt Shelly Goldberg, Vice President of Mac Hardware Engineering.
Apple betont dabei, dass das Neo, gemessen am Gewicht, den bisher höchsten Anteil an Recyclingmaterialien im Apple-Line-up enthalte, nämlich 60 Prozent. Von den 1,23 Kilogramm, die das Neo wiegt, sind demnach fast eineinhalb Pfund zuvor schon einmal verarbeitet oder verwendet worden. Aluminiumreste sammelt der Konzern etwa bei der Produktion seiner Unibody-Gehäuse selbst ein.
Mehr Mechanik
Auch die Tastatur, Apple nennt sie »Magic Keyboard«, sowie das Apple-Trackpad zählen laut Boger zu den essenziellen Zutaten eines MacBooks. Tatsächlich steckt im MacBook Neo eine Tastatur mit derselben Technik wie in anderen MacBooks.
Dieser Text ist komplett darauf getippt worden. Im Vergleich zur Tastatur eines wenige Jahre alten MacBook Pro war kein deutlicher Unterschied spürbar. Was anders ist: Die Tasten des Neo sind nicht beleuchtet. Auf einem Nachtflug oder in einem düsteren Café kann das lästig sein, ansonsten ist es eine lässliche Einsparung.
Neo-Tastatur: Zart im Farbton des Gehäuses eingefärbt
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGELDas Trackpad ist kleiner als beim MacBook Pro. Das Modell im Neo sei zwar »nicht genau dieselbe Technologie« wie in anderen MacBooks, aber auch »keine halbe Sache«, betont Boger. Es habe die wichtigsten Funktionen, »das Klicken an beliebiger Stelle und die Gesten«.
Der große Unterschied: Andere Apple-Trackpads arbeiten rein elektronisch, dieses hat noch eine Mechanik, sinkt leicht ins Gehäuse ein, wenn man daraufdrückt. Im Alltag kam ich damit gut klar. Die Systemeinstellung »Klick durch Tippen« lässt mich den Mausersatz genauso nutzen, wie ich es vom MacBook Pro gewohnt bin.
MacBook Pro (oben) und MacBook Neo: Das Trackpad ist etwas kleiner und viel mechanischer
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGELNicht mehr im Zentrum stehen
Für die integrierte Webcam, die »FaceTime HD«-Kamera, gilt das nicht. Die Bildqualität, die sie liefert, ist zwar sehr gut, zumal sie Bilder in Full-HD-Auflösung liefert. Doch ich bin an »Center Stage« gewöhnt, eine Funktion, die etwa im iPad Pro und MacBook Air steckt. Sie sorgt dafür, dass man immer im Fokus bleibt, auch wenn man sich im Raum bewegt. Das Neo kann das nicht. Abgesehen von verwöhnten Apple-Nutzern wie mir wird das aber niemanden stören, in unseren täglichen Teams-Videokonferenzen hat sich niemand beklagt.
Was man indes vermissen kann, ist ein Ladegerät. Anders als im Rest der Welt liefert Apple innerhalb der EU kein Netzteil mit, regulatorische Vorgaben wollen es so. Im Grunde genügt das 20 Watt starke iPhone-Netzteil, das Apple für 25 Euro anbietet. Alternativ kann man aber beispielsweise auch ein Nano-Ladegerät von Anker kaufen, das dieselbe Leistung liefert, aktuell aber schon für knapp zehn Euro angeboten wird.
Während des Tests habe ich das MacBook Neo ohnehin nicht häufig laden müssen. Obwohl der Akku mit einer Kapazität von 36,5 Wattstunden (Wh) deutlich kleiner als der des MacBook Air (53,8 Wh) gibt Apple eine Laufzeit von bis zu 16 Stunden beim Videostreaming für das Neo an, beim MacBook Air liegt die Angabe nur zwei Stunden höher. Der geringere Energiebedarf des A18 Pro gegenüber den M-Chips macht es möglich.
Im Test habe ich in der Regel acht Stunden benötigt, um den Akku zu leeren. Dabei kam ein Mix aus Videostreams und Videospielen sowie ein mit Dutzenden Tabs überfüllter Chrome-Browser zum Einsatz. Im Alltag kann ich mir vorstellen, dass man mit E-Mails, ein wenig Textarbeit, Webrecherchen und YouTube damit über den Tag kommt.
Die Sperrtaste ist eine Spartaste: Das Grundmodell hat keinen Fingerabdrucksensor. Den gibt es nur beim hundert Euro teureren Modell mit 512 GB Speicherplatz
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGELReicht dem MacBook ein iPhone-Chip?
Eine Sorge, die viele umtreibt, ist, ob der Chip genug Leistung bietet. Immerhin hat Apple dem günstigen Notebook einen iPhone-Chip eingepflanzt, der bereits 2024 sein Debüt im iPhone 16 Pro hatte. Im Test zeigt sich, wie sehr man Apple-Smartphone-Chips unterschätzen kann; im iPhone dürfte sich der A18 Pro ausgesprochen oft langweilen.
Im Neo habe ich ihn mit allem malträtiert, was Prozessoren ins Schwitzen bringen kann: Alltags-Apps, Profi-Apps, alte Apps. Das Ergebnis: Solange man im Apple-Universum bleibt, kann dem Neo kaum etwas Angst machen. Textverarbeitung in Pages, Tabellenkalkulation in Numbers, Bildbearbeitung mit Pixelmator Pro und sogar professionelle Musikproduktion mit Logic Pro X erledigte Apples Notebook ohne Murren. Zumindest, solange man sich innerhalb gewisser Grenzen bewegt. Bei einer High-End-Musikproduktion mit Hunderten Audiospuren und ebenso vielen Plug-ins dürfte es dann doch brenzlig für ihn werden.
Das bei der Präsentation gezeigte Apple-Arcade-Spiel »Oceanhorn 3« lief flüssig über den Bildschirm. Alles andere hätte auch enttäuscht, schließlich hat der Konzern das Game selbst produziert. Erstaunlich: Sogar das elf Jahre alte Simulationsspiel »Cities: Skylines« lief auf dem Neo noch recht gut. Dabei bringt es mit umfangreichen Simulationen sogar ein MacBook Pro mit M3 Max mächtig in Stress.
»Oceanhorn 3«: Läuft flüssig, alles andere wäre auch peinlich
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGELBei den USB-Buchsen kann es eng werden
Wo manchmal Ruckler zu erkennen waren, sind Apps wie Microsoft Teams und der oben erwähnte, mit Tabs überladene Chrome-Browser. Auch in Apples Desktop-Benutzeroberfläche meine ich gelegentlich leichte Verzögerungen wahrgenommen zu haben, wenn viele Apps gleichzeitig geöffnet waren. Acht Gigabyte Arbeitsspeicher können offenbar trotz Apples extrem effizientem Umgang mit Speicherplatz eng werden.
Eng wird es zwangsläufig auch, wenn man große Datenmengen auf das Gerät oder von ihm herunter kopieren möchte. Statt Thunderbolt-Anschlüssen gibt es nur USB-C-Buchsen, eine davon mit lahmer USB-2.0-Geschwindigkeit (480 Mbit/s), die andere mit USB 3 (10 Gbit/s). Tom Boger sagt dazu: »Wir glauben, dass der zweite Anschluss in erster Linie zum Aufladen benutzt werden wird.«
USB-Buchsen am Neo: Sehen identisch aus, sind es aber nicht
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGELImmerhin: An der USB-C-3.0-Buchse lässt sich problemlos Apples Studio-Display mit einer Auflösung von 3840 x 2160 Pixeln betreiben. Im Alltag wäre es natürlich absurd, das Neo mit einem solchen Bildschirm zu benutzen, der mehr als doppelt so teuer ist wie das Notebook selbst. Im Handel gibt es aber viele günstigere Bildschirme, die sich als Alternative anbieten.
MacBook Neo am Studio Display: Der Bildschirm kostet zweieinhalb mal so viel wie das Notebook
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGELWo man keine Abstriche machen muss: Die Kopfhörerbuchse funktioniert so wie bei anderen aktuellen MacBooks und Macs. Er kommt auch mit sogenannten hochohmigen Kopfhörern klar, wie sie im Hi-Fi- und Studiobereich üblich sind. Im Test haben wir daran einen Sennheiser HD 550 angeschlossen, der mit einer Impedanz von 150 Ohm zum hochohmigen Bereich zählt.
Die Zielgruppe? Jeder mit einem iPhone
Ersteinrichtung mit einem iPhone als Starthilfe: Apple macht es leicht, bei Apple zu bleiben
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGELDoch Studioprofis und Hi-Fi-Enthusiasten hat Apple mit dem Neo nicht im Blick. Die Zielgruppe sind vor allem Menschen, die noch keinen Computer, aber ein iPhone haben. »Wenn man ein iPhone hat, ist es total sinnvoll, als Notebook einen Mac zu haben«, sagt Boger und ergänzt, dass es »Hunderte Millionen Menschen« gebe, auf die das zutrifft. Zudem hätten Macs und iPhones durch das Liquid-Glass-Design inzwischen sehr ähnliche Benutzeroberflächen. »Das macht es leichter, sich an einen Mac zu gewöhnen«, so Boger. »Wir sind sicher, dass es Millionen neue Mac-Nutzer geben wird.«
So ergibt der niedrige Preis Sinn: Nachdem Apple zahlungskräftige iPhone-Besitzerinnen und -Besitzer zunächst mit Gadgets wie den iPads und der Apple Watch enger an sich gebunden hat, gilt es jetzt, mehr Menschen ins Mac-Universum zu ziehen. Die Strategie ist klar: für jeden Kunden zu jedem Preispunkt das passende Gadget anzubieten.
Fazit
Für Apple könnte es damit der wichtigste Mac seit dem iMac sein. Für mich ist das MacBook Neo jedoch der falsche Computer. Aber als Heavy-User bin ich auch nicht die Zielgruppe. Das Neo ist der richtige Rechner, wenn man zwar einen Computer haben möchte oder muss, dafür aber nur wenig Geld ausgeben will oder kann. Es ist ein Notebook für Schüler und Studenten, für alle, die noch keinen Computer haben. Und für jene, die immer noch den alten Windows-Laptop benutzen, der schon lange keine Updates mehr bekommt und mit jedem Tag langsamer und angreifbarer wird .
Mit Preisen ab 699 Euro respektive 599 Euro im Bildungsbereich lässt es viele ähnlich günstige Laptops alt und grau aussehen.

vor 1 Stunde
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