Lateinamerika und der Handelskrieg: Gemischte Gefühle südlich der US-Grenze

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Etwas Häme konnte man sich in Argentinien nicht verkneifen. In dem südamerikanischen Land war am Mittwoch Feiertag. Man gedachte der Veteranen und der Gefallenen des Krieges um die Falklandinseln, auch Malwinen oder islas malvinas genannt: 12 000 Quadratkilometer Felsen und fast baumlose Hügel, umspült von den kalten Wassern des Südatlantik.

Die Falklandinseln sind ein britisches Überseegebiet, geografisch aber gehören sie zu Südamerika. Argentinien beansprucht sie seit gut 200 Jahren für sich. 1982 brach ein kurzer Krieg aus, das Vereinigte Königreich gewann, Argentinien verlor. Eine Schmach, bis heute. Umso größer war darum die Schadenfreude, als Donald Trump am Mittwochabend seine Zolltabelle präsentierte: 41 Prozent für die Falklandinseln, warum auch immer. Und nur zehn Prozent für Argentinien.

Ein bisschen Enttäuschung war aber dennoch mit dabei. Argentiniens Staatschef Javier Milei ist ein großer Fan von Donald Trump, weshalb dieser ihn auch mag: „I love him because he loves me!“, verkündete der US-Präsident vergangenes Jahr. Um Zölle abzuwehren, war das aber wohl nicht genug. Und nicht mal eine Vorzugsbehandlung bekam Argentinien. Denn abgesehen von einigen Ausnahmen wie Nicaragua oder Venezuela, deren Produkte in den USA zukünftig mit 18, beziehungsweise 15 zusätzlichen Prozent besteuert werden, wurden ansonsten so gut wie alle anderen Länder Lateinamerikas und der Karibik mit der immer gleichen Sonderabgabe belegt. Zehn Prozent, egal, ob es sich um kolumbianischen Kaffee handelt, Bananen aus Ecuador oder Wein aus Argentinien.

Nicht einmal das von Krisen und Naturkatastrophen geplagte Haiti wurde verschont

Für manche Länder der Region ist das ein herber Schlag: Selbst das von Krisen, Naturkatastrophen und Kriminalität geplagte Haiti wurde nicht verschont. Die Folgen für die ohnehin schwer angeschlagene Wirtschaft im Land könnten verheerend sein.

Im internationalen Vergleich aber ist Lateinamerika noch halbwegs glimpflich davongekommen. Waren aus einigen Ländern in Afrika oder Asien werden in Zukunft in den USA mit doppelt oder dreimal so hohen Strafabgaben besteuert, ebenso wie Importe aus China oder der Europäischen Union.

Manche Länder aus Lateinamerika fehlten dazu am Mittwochabend sogar ganz auf Trumps Liste: Kuba zum Beispiel, was aber daran liegt, dass für die Karibikinsel ohnehin schon seit Jahrzehnten ein Embargo gilt, das „jeden sinnvollen Handel ausschließt“, so das Weiße Haus. Aber auch Mexiko wurde am Mittwoch nicht mit Zöllen belegt. Ganz einfach deshalb, weil Trump schon vergangenen Monat Sonderabgaben von 25 Prozent verhängt hatte. Washington wollte Mexiko so angeblich dazu zwingen, mehr zu tun im Kampf gegen Drogenhandel und Migration.

Brasilien könnte davon profitieren, dass China sich von den USA abwendet

Allerdings ist das Handelsabkommen, das die USA 2019 mit seinen Nachbarländern Mexiko und Kanada geschlossen hat, weiterhin in Kraft. Waren, die unter die darin getroffenen Bestimmungen fallen, können darum vorerst weiterhin zollfrei in die Vereinigten Staaten exportiert werden, darunter Agrarprodukte, aber auch Kleidung. Für Mexiko könnte das, ebenso wie für Kanada, in Zukunft ein Standortvorteil sein.

Und noch einen potenziellen Gewinner gibt es bei Trumps-Zolltirade: Brasilien ist das größte und bevölkerungsreichste Land in Südamerika, es hat die mit Abstand stärkste Wirtschaft. Lange waren die USA der größte Handelspartner, sie kauften Leder, Kaffee, Öl, Metalle und Maschinen. Zehn Prozent Sonderzölle, wie sie US-Präsident Donald Trump nun verhängt hat, hätten Brasilien früher also hart getroffen.

Aber die Zeiten haben sich geändert. Man macht zwar weiterhin Geschäfte mit den Vereinigten Staaten, dazu aber vor allem auch mit China – so wie auch sonst fast überall in Südamerika. Brasilien verkauft heute Öl und Eisen in die Volksrepublik, Zucker und Fleisch, dazu Baumwolle, Fruchtsäfte und bergeweise Soja.

Wenn in Zukunft nun vergleichbare Produkte aus den USA aufgrund von möglichen Gegenzöllen in China teurer werden, dann könnten Importe aus Südamerika für die Volksrepublik noch attraktiver werden. Das sind gute Aussichten für Brasilien, Trump sei Dank.

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