Krieg in Nahost: Mehr als 180 Tote nach israelischen Angriffen im Libanon

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Israels Armee setzte ihre Angriffe auch auf Beirut am Abend fort. Libanons Ministerpräsident ruft einen Tag der Trauer aus. Emmanuel Macron versucht, zu vermitteln.

9. April 2026, 2:26 Uhr Quelle: DIE ZEIT, AFP, dpa,

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 Rettungskräfte suchen nach Vermissten in einem zerstörten Gebäude, das bei einem israelischen Luftangriff im Zentrum von Beirut getroffen wurde.
Rettungskräfte suchen nach Vermissten in einem zerstörten Gebäude, das bei einem israelischen Luftangriff im Zentrum von Beirut getroffen wurde. © Marwan Naamani/​dpa

Am ersten Tag nach der Vereinbarung einer Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran hat die israelische Armee ihre Angriffe im Libanon verstärkt. Mindestens 182 Menschen wurden dem libanesischen Gesundheitsministerium zufolge getötet und 890 weitere verletzt. Die Hauptstadt Beirut erlebte die heftigsten Angriffe seit Beginn des Krieges zwischen Israel und der radikalislamischen Hisbollah-Miliz. Die Zahl der Tote könne dem Ministerium zufolge weiter steigen. Libanons Krankenhäuser waren nach dem Großangriff überfüllt. 

Eine kurze Erleichterung unter den Menschen im Libanon nach der Vereinbarung der Waffenruhe war in Panik umgeschlagen, als das israelische Militär seinen nach eigenen Angaben größten koordinierten Angriff im Krieg gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz startete. Innerhalb von zehn Minuten wurden laut Israels Militär mehr als 100 Ziele der schiitischen Hisbollah in Beirut, im Südlibanon und im östlichen Bekaa-Tal angegriffen.

Nach der Serie von gleichzeitigen Angriffen auf Viertel in Beirut am Nachmittag flog die israelische Armee auch am Abend Angriffe, darunter auf ein Gebäude im Gebiet Tallet El-Chajat. Dort stürzte nach Angaben eines AFP-Fotografen ein Wohngebäude teilweise ein. Mehrere Angriffe trafen während der Hauptverkehrszeit das Zentrum von Beirut. Staatlichen libanesischen Medien zufolge griff Israel am Abend auch Beiruts südliche Vororte an.

Tag der Trauer im Libanon

Der libanesische Ministerpräsident Nawaf Salam erklärte den Donnerstag zum Tag der Trauer "für die Märtyrer und Verwundeten der israelischen Angriffe", die sich "gegen Hunderte unschuldiger, wehrloser Zivilisten" gerichtet hätten. Öffentliche Verwaltungen sollten geschlossen und Flaggen auf Halbmast gesetzt werden. Alle politischen und diplomatischen Ressourcen des Libanon würden mobilisiert, "um die israelische Tötungsmaschine zu stoppen".

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hatte zuvor gesagt, die israelischen Streitkräfte hätten landesweit "einen Überraschungsangriff auf Hunderte Hisbollah-Mitglieder ausgeführt". Es sei "der schwerste Schlag, den die Hisbollah seit der Operation 'Beepers' erlitten hat", sagte Katz. Er bezog sich dabei auf Israels Angriffe im September 2024, bei denen Pager und Walkie-Talkies Hunderter Hisbollah-Mitglieder im Libanon explodierten, mehr als 2.700 Menschen wurden damals verletzt und mehr als neun getötet.

Nach mehr als fünf Wochen Krieg hatten sich die USA und der Iran am Dienstag auf eine zweiwöchige Waffenruhe geeinigt. Israel und die USA sind der Ansicht, dass die Waffenruhe nicht, wie von Vermittler Pakistan angekündigt, für den Libanon gilt. Der Iran sieht das anders und macht die Öffnung der Straße von Hormus vom Stopp der Angriffe auf den Libanon abhängig.

Empörung über Tötungen in dicht besiedelten Gebieten

Frankreichs Präsident Macron drängte Trump und den iranischen Präsidenten Massud Peseschkian in Telefonaten dazu, die Waffenruhe auf den Libanon auszuweiten. Dies sei aus seiner Sicht eine "notwendige Voraussetzung" dafür, dass sie "glaubwürdig und dauerhaft" sei, schrieb Macron im Onlinedienst X. Frankreich wolle "seinen vollen Beitrag" zur Schaffung eines "stabilen und dauerhaften Friedens" im Nahen Osten leisten.

Der UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk zeigte sich angesichts der Angriffe im Libanon entsetzt. "Das Ausmaß der Tötungen und der Zerstörung heute im Libanon ist schlichtweg grauenhaft", sagte Türk. "Ein solches Blutbad, nur wenige Stunden nach der Vereinbarung eines Waffenstillstands mit dem Iran, ist kaum zu fassen", fügte er hinzu.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz äußerte sich "empört über den verheerenden Tod und die Zerstörung" in dicht besiedelten Gebieten im Libanon. Der Notfallkoordinator der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen im Libanon, Christopher Stokes, sagte, "diese wahllosen Angriffe auf dicht besiedelte Gebiete sind völlig inakzeptabel". Er forderte, die "unablässigen Angriffe auf Zivilisten" sowie die "wiederholten Vertreibungen von Menschen" müssten aufhören.

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