Krieg in der Ukraine: Putin kündigt Waffenruhe zum orthodoxen Osterfest an

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Viele Angaben über den Kriegsverlauf wie Opferzahlen oder Details zu Kämpfen stammen von ukrainischen oder russischen Behörden und lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg.

Wichtige Updates

Tote in der Ukraine bei russischen Drohnenangriffen 

Kamerun: Russland bestätigt Tod von 16 Kamerunern im Ukraine-Krieg

Deutsch-Russische Auslandshandelskammer: Russland gewinnt Milliarden durch Hormus-Blockade

Tote bei Angriff auf Stadtbus in der Ukraine – auch Russland meldet Opfer

Selenskij schlägt Waffenruhe für Angriffe auf Kraftwerke vor

Katja Guttmann

Kreml: Putin verkündet Oster-Waffenruhe

Der russische Präsident Wladimir Putin hat nach Kremlangaben anlässlich des orthodoxen Osterfests eine Waffenruhe im Krieg gegen die Ukraine verkündet. Sie soll demnach am Samstag um 16.00 Uhr (15.00 Uhr MESZ) beginnen und den gesamten Sonntag andauern. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij hatte zuletzt mehrfach eine Waffenruhe über die Osterfeiertage gefordert. 

Julia Daniel

Russland und Ukraine hoffen nach Waffenstillstand im Iran-Krieg auf Fortschritte bei eigenen Friedensverhandlungen

Russland begrüßt die Feuerpause zwischen den USA und Iran und setzt nun darauf, dass die Friedensgespräche zur Ukraine wieder ​aufgenommen werden können. Russland hoffe, dass die USA nun die Zeit und den Spielraum hätten, die Verhandlungen wieder aufzunehmen, sagt Kremlsprecher Dmitrij Peskow in einem Telefonat mit Journalisten.

Vor dem Hintergrund der vereinbarten, zweiwöchigen Waffenruhe im Iran-Krieg hat der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij sein Angebot für eine Feuerpause an Russland erneuert. „Wir sind bereit, spiegelbildlich zu antworten, wenn die Russen ihre Angriffe einstellen“, schrieb er auf sozialen Netzwerken. Eine Waffenruhe könne die Voraussetzungen für eine Übereinkunft über ein Ende des Krieges schaffen. Gleichzeitig sprach er seine Unterstützung für die Waffenruhe im Iran-Krieg aus.

Julia Daniel

Moskau und Kiew tauschen Soldatenleichen aus

Russland und die Ukraine haben in ihrem Krieg erstmals seit Februar wieder Leichen von Soldaten ausgetauscht. Die ukrainische Seite habe 1000 getötete Soldaten erhalten, Russland dagegen 41 Leichen, sagte der Parlamentsabgeordnete Schamsail Saralijew dem russischen Nachrichtenportal rbc.ru. Der Politiker ist in der Duma für Fragen der „militärischen Spezialoperation“, wie der Krieg in Moskau offiziell genannt wird, zuständig.

Der Koordinationsstab für Kriegsgefangenenbelange in Kiew bestätigte auf Telegram, dass die Ukraine 1000 Leichname erhalten habe, die nach russischen Angaben ukrainischen Verteidigern gehören können. Die Behörde dankte dem Internationalen Roten Kreuz für Unterstützung.

Gerichtsmediziner würden die Toten nun untersuchen, hieß es. So soll etwa ausgeschlossen werden, dass fälschlicherweise Leichen von russischen Soldaten übergeben wurden. „Nach der Identifizierung der Verstorbenen werden die Leichen den Familien zur würdigen Bestattung übergeben“, teilte der Stab weiter mit.

Russland und die Ukraine tauschen immer wieder Soldatenleichen aus. Allein im vergangenen Jahr erhielt Kiew nach offiziellen Angaben mehr als 15 000 Leichname gefallener Soldaten zurück. Moskau bekam nur einen Bruchteil dessen. Aufgrund des langsamen, aber stetigen Vormarsches der russischen Truppen kann die ukrainische Armee gefallene eigene Soldaten nicht immer bergen.

Ein Toter und acht Verletzte bei russischen Angriffen 

Bei russischen Angriffen auf die Ukraine ist nach ukrainischen Angaben ein Mensch getötet und mindestens acht weitere verletzt worden. In der südlichen Region Odessa wurde Behörden zufolge zudem ein Umspannwerk durch russische Drohnen beschädigt. In der südöstlichen Region Saporischschja kam ein Mann bei einem Angriff mit Gleitbomben ums Leben. Weitere Verletzte wurden aus mehreren Regionen im Osten und Süden des Landes gemeldet. Eine russische Stellungnahme liegt nicht vor. 

Julia Daniel

Tote in der Ukraine bei russischen Drohnenangriffen 

Bei russischen Angriffen auf die Ukraine sind mindestens zwei Menschen getötet worden. Im nordostukrainischen Gebiet Sumy kam Militärgouverneur Oleh Hryhorow zufolge ein 42-Jähriger in der Gemeinde Romny ums Leben. Russlands Militär habe ein Wohnhaus getroffen, vermutlich mit einer Drohne, schrieb Hryhorow bei Telegram. Die Familie des Mannes sei verletzt worden.

Im Kreis Saporischschja im Südosten des Landes griff Russlands Armee laut Gouverneur Iwan Fedorow mit Gleitbomben an. Mehrere Wohnhäuser und andere Gebäude sind demnach im Dorf Balabyne zerstört worden. Unter den Trümmern eines der Häuser sei die Leiche einer Person gefunden worden, schrieb Fedorow. Eine 47-Jährige sei bei einem Angriff auf die Stadt Saporischschja verletzt worden.

Juri Auel

Selenskij: Kiewer Militär redet bei Straße von Hormus mit 

Ukrainische Soldaten sind nach Angaben von Präsident Wolodimir Selenskij an Beratungen über die Wiederherstellung einer freien Schifffahrt in der Straße von Hormus beteiligt. „Sichere Seeschifffahrt ist ein globales Gut – das wissen wir aus unserer Erfahrung mit der Verteidigung des Schwarzen Meeres“, sagte Selenskij in seiner abendlichen Videobotschaft aus Kiew.

Er äußerte sich nicht dazu, wo und in welchem Format ukrainische Militärs beteiligt sind, um die vom Iran blockierte Ölexportroute am Persischen Golf wieder freizubekommen. US-Präsident Donald Trump droht Teheran mit Angriffen auf Kraftwerke und Brücken, sollte die Straße von Hormus nicht freigegeben werden.

Selenskij verwies auf die rasche Hilfe der Ukraine mit ihrer erfahrenen Drohnenabwehr für die Golfstaaten, die vom Iran beschossen worden sind. „Die Ukraine exportiert Sicherheit und erhält das, was für ihre innere Stabilität und sichere Energieversorgung notwendig ist“, sagte er. Der Kiewer Präsident hat in den vergangenen Tagen mit Saudi-Arabien und anderen arabischen Staaten Verteidigungskooperationen vereinbart; die Ukraine bekommt auch Treibstoff. 

Juri Auel

Viertgrößte russische Ölraffinerie offenbar außer Betrieb 

Nach einem ukrainischen Drohnenangriff am Sonntag hat die ​viertgrößte russische Ölraffinerie laut Brancheninsidern ihren Betrieb eingestellt. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Norsi in der westlichen Nischni-Nowgorod-Region ⁠fing nach Angaben der russischen Behörden infolge des Angriffs Feuer. Den Insidern zufolge könnte der Lieferstopp bis Ende ​des ​Monats anhalten. Die Raffinerie liegt etwa 450 ‌Kilometer östlich von Moskau. Norsi ist auch ‌Russlands zweitgrößter Benzinproduzent und kann pro Jahr 16 Millionen Tonnen Öl oder rund 320 000 Barrel pro ​Tag verarbeiten. 

Deutsch-Russische Auslandshandelskammer: Russland gewinnt Milliarden durch Hormus-Blockade

Russland erzielt nach Berechnungen der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer durch die faktische Sperrung der Straße von Hormus mit seinen Rohstoffexporten hohe zusätzliche Milliardeneinnahmen. Die Gewinne Russlands beim Export von Öl, Gas und Dünger beliefen sich auf monatlich mehr als zehn Milliarden Euro, teilte die Kammer mit. „Russland ist damit der große Gewinner des neuen Krieges im Nahen Osten“, sagt Matthias Schepp, der Vorstandsvorsitzende der Kammer, der Nachrichtenagentur dpa. Kremlchef Wladimir Putin finanziert aus den Einnahmen aus dem Rohstoffverkauf auch seinen Krieg gegen die Ukraine.

Russland profitiert von den gestiegenen Preisen für Rohstoffe auf dem Weltmarkt, weil es andere Exportrouten nutzt. Das alles könnte „Russland einen unverhofften Geldsegen in historischem Ausmaß bescheren“, so Schepp. Allein bei einem anhaltenden Ölpreis von etwa 100 US-Dollar kann Russland demnach mit einem Plus gegenüber dem Haushaltsplan von 71,8 Milliarden US-Dollar (62,1 Milliarden Euro) jährlich rechnen.

Der russische Haushalt ist zu großen Teilen vom Verkauf von Öl und Gas abhängig, aktuell sind 59 Dollar je Barrel im Etat zugrunde gelegt. Vor dem Iran-Krieg wies er wegen eines Ölpreises unter dem Planwert ein Defizit aus. „Beim aktuellen Preisniveau kann Moskau allein aus Öl und Gas rund 50 Milliarden Dollar Mehreinnahmen pro Jahr generieren“, teilte die Kammer weiter mit.

Die Auslandshandelskammer ist mit 750 Mitgliedern nach eigenen Angaben der größte ausländische Wirtschaftsverband in Russland.

Tote bei Angriff auf Stadtbus in der Ukraine – auch Russland meldet Opfer

Bei russischen Drohnenangriffen im Südosten der Ukraine sind laut Behörden mehrere Menschen getötet worden. Drei Personen kamen laut Gouverneur Oleksandr Hanscha bei einer Attacke auf einen Bus in Nikopol ums Leben. Zwölf weitere seien verletzt worden. Im Kreis Synelnykowe sei ein Elfjähriger getötet worden, zwei Frauen im Alter von 31 und 61 Jahren sowie ein 33-Jähriger wurden demnach verletzt.

Zwei weitere Verletzte und Schäden an einem Verwaltungsgebäude und Stromleitungen gab es nach Angaben des Gouverneurs infolge von Angriffen auf die Stadt Pawlohrad und ihr Umland. Nikopol und Pawlohrad liegen im Bezirk Dnipropetrowsk.

Zum Angriff auf den Stadtbus in Nikopol ‌erklärte der ukrainische Innenminister Ihor ⁠Klymenko ‌auf Telegram: „Das ‌ist ‌ein verheerender Schlag ​für den öffentlichen Nahverkehr. Es ​geschah zur Hauptverkehrszeit, ‌gerade als die Menschen auf dem Weg zur Arbeit waren.“

Russland meldete am Morgen ebenfalls einige Opfer. In der russischen Region Wladimir (etwa 100 Kilometer nordöstlich von Moskau) gab es infolge eines ukrainischen Drohnenangriffs nach offiziellen Angaben drei Tote, darunter ein Kind. Ein weiteres Kind soll zudem verletzt worden sein. 

Tote und Verletzte durch Sprengkörper und russischen Beschuss

Im nordukrainischen Gebiet Sumy sind mindestens zwei Zivilisten durch explosive Gegenstände getötet worden. Laut einer Mitteilung des Militärgouverneurs Oleh Hryhorow auf Telegram wurden ein Mann und eine Frau in der Gemeinde Swessa beim Löschen von brennendem Gras durch die Explosion eines Sprengkörpers tödlich verletzt.

Ebenso in Swessa seien zwei weitere Männer bei der Fahrt mit einem Traktor auf einen explodierenden Sprengkörper geraten. Beide mussten demnach mit Splitterverletzungen in ein Krankenhaus gebracht werden. Hryhorow warnte vor Sprengkörpern, die von russischen Drohnen abgeworfen werden. Die Gemeinde Swessa liegt nur etwa zehn Kilometer von der russischen Grenze entfernt.

Zuvor wurde in der ostukrainischen Stadt Slowjansk mindestens ein Mensch durch russischen Raketenwerferbeschuss getötet. Fünf weitere wurden nach Angaben des Militärgouverneurs der Region Donezk, Wadym Filaschkin, verletzt. Russische Truppen sind nur noch gut 20 Kilometer von der Stadt entfernt. Von der Vorkriegsbevölkerung von über 100 000 Menschen harren nur noch rund 40 Prozent in Slowjansk aus.

Philipp Saul

Selenskij schlägt Waffenruhe für Angriffe auf Kraftwerke vor

Die Ukraine hat Russland eine Teilwaffenruhe für Angriffe auf Energieanlagen angeboten. „Wenn Russland bereit ist, die Angriffe auf unsere Energieanlagen einzustellen, sind wir bereit, spiegelbildlich zu antworten“, sagte der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij in einer Videobotschaft. Dieser Vorschlag sei bereits über die US-amerikanischen Vermittler an Moskau übermittelt worden. Zuvor hatte Selenskij demnach neue Angriffe auf Objekte im russischen Hinterland mit dem Oberkommando besprochen. 

Russland greift seit Jahren regelmäßig ukrainische Kraftwerke und Umspannwerke mit Raketen und Kampfdrohnen an, um die Stromversorgung zu stören. Das ukrainische Militär attackierte im Gegenzug vor allem mit Drohnen immer erfolgreicher russische Raffinerien und Hafenanlagen. Die russischen Exportkapazitäten für Erdöl wurden dadurch Medienberichten zufolge bereits empfindlich geschädigt.

Juri Auel

Russland: Ukrainischer Angriff setzt Öl-Anlagen in Noworossijsk in Brand 

Die Ukraine hat russischen Medienberichten zufolge in der Nacht Anlagen im Hafen von Noworossijsk angegriffen. Dabei seien ein Liegeplatz des Kaspischen Pipeline-Konsortiums beschädigt und vier Öl-Tanks in Brand gesetzt worden, teilt das Verteidigungsministerium in Moskau mit. ​Das Konsortium ist für den Transport des Großteils der kasachischen Ölexporte zuständig. Diese sind nach Angaben Kasachstans jedoch nicht beeinträchtigt. 

Bericht: Ölverladung im russischen Ostseehafen Ust-Luga läuft wieder

Der wichtige russische Ostseehafen Ust-Luga nimmt einem Medienbericht zufolge nach tagelangen Unterbrechungen durch ukrainische Drohnenangriffe die Rohölverladung wieder auf. Das Schiff The Jewel habe mit der Verladung begonnen, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Schifffahrtsdaten. Eine Stellungnahme des russischen Pipeline-Betreibers Transneft lag zunächst nicht vor. Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters sind mindestens 40 Prozent der russischen Ölexportkapazitäten durch Drohnenangriffe und andere Zwischenfälle gestört.

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