Krieg im Nahen Osten: Warum die Golfstaaten ein zu schnelles Ende des Krieges fürchten

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 2000 Drohnen und Raketen auf die Vereinigten Arabischen Emirate
 2000 Drohnen und Raketen auf die Vereinigten Arabischen Emirate

Besucher inspizieren eine Drohne vom Typ Falcon Shadow 25 auf der Waffenmesse IDEX in Abu Dhabi, 2023: 2000 Drohnen und Raketen auf die Vereinigten Arabischen Emirate

Foto: Ryan Lim / AFP

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Das »Iranian Hospital«, ein heller Klinkerbau mit persischen Fassaden-Ornamenten, ist seit Jahrzehnten eine Institution in Dubai. Auch der »Iranian Club« am Dubai Creek gehört zu den festen Adressen in der Stadt. Hier trifft sich die große iranische Gemeinde im Emirat, um Hochzeiten und andere Feste zu feiern. Das Buffet zum Fastenbrechen im Ramadan ist legendär.

Seit ein paar Tagen allerdings flattern die Fahnen der Islamischen Republik dort über leerstehenden Gebäuden. Die Telefonanschlüsse und die Website  der Klinik sind abgeschaltet, und wer im Club anruft, wartet vergeblich auf Antwort.

Die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) hat das Krankenhaus und den Club geschlossen. »Bestimmte Einrichtungen, die in direktem Zusammenhang mit dem iranischen Regime stehen«, hätten Ziele vorangetrieben, »die nicht im Interesse des iranischen Volkes liegen, und gegen das Recht der Vereinigten Arabischen Emirate verstoßen«.

»Ein einfacher Waffenstillstand reicht nicht«

Yousef Al Otaiba, Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate in Washington

Wie es aussieht, will es die Regierung der VAE nicht bei solchen Nadelstichen belassen. Seit Tagen mehren sich die Zeichen, dass die Emirate und andere arabische Golfstaaten deutlich ernstere Maßnahmen gegen Iran erwägen, womöglich sogar militärische.

Zunächst war über diesen Sinneswandel nur unter Berufung auf anonyme Quellen berichtet worden – mit besonderem Nachdruck von israelischen Bloggern und Kommentatoren. Am Mittwoch aber veröffentlichte Yousef Al Otaiba, der Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate in den USA, einen Kommentar , der am Kurswechsel seines Landes keinen Zweifel mehr lässt.

 »Ziele, die gegen das Recht der Vereinigten Arabischen Emirate verstoßen«

Iranisches Krankenhaus in Dubai (Archivbild): »Ziele, die gegen das Recht der Vereinigten Arabischen Emirate verstoßen«

Foto: Aleksandra Tokarz / Pond5 Images / IMAGO

Irans revolutionäres Regime habe sich als »eine Bedrohung für die globale Sicherheit und wirtschaftliche Stabilität« erwiesen, so der Botschafter. »Wir können nicht zulassen, dass Iran die USA, die Vereinigten Arabischen Emirate und die Weltwirtschaft als Geiseln nimmt.« Ein »einfacher Waffenstillstand« reiche nicht aus, um den Irankrieg zu stoppen. »Wir brauchen ein endgültiges Ergebnis, das alle Bedrohungen durch Iran adressiert: nukleare Fähigkeiten, Raketen, Drohnen, terroristische Stellvertreter und die Blockaden internationaler Seewege.«

Die Golfstaaten mögen frustriert sein über Donald Trump. Aber sie sind verbittert über das Regime in Iran

Die Motive für diese Haltung liegen auf der Hand: Rund 2000 Drohnen und Raketen hat Iran seit Kriegsbeginn Richtung VAE losgeschickt und abgeschossen, mehr als auf jeden anderen Golfstaat. Die meisten davon konnten die Emirate abwehren, aber manche von ihnen trafen empfindliche Ziele – das US-Konsulat mitten in Dubai zum Beispiel oder den Ölhafen im Emirat Fujairah. Nach wie vor schrillen die Handys, um vor weiteren Angriffen zu warnen.

Die Golfstaaten mögen frustriert sein über Donald Trump, den sie vergeblich davon abzuhalten versucht hatten, diesen Krieg überhaupt anzufangen. Auf Israel hatten sie damit ohnehin kaum Einfluss. Aber sie sind verbittert über das Regime in Iran, dem sie jahrzehntelang erlaubt hatten, am Golf Geschäfte zu machen – und das sie nun beschießt und ihnen mit der Straße von Hormus den Zugang zum Weltmarkt abgeschnitten hat.

Drohungen in feinstem Diplomaten-Persisch

Besonders beunruhigend für die Golfstaaten: Teheran plant offenbar, die Straße von Hormus künftig so ähnlich zu behandeln wie Ägypten den Suez-Kanal. Iran beanspruche Souveränität über die Meerenge, so Außenminister Abbas Araghchi, »auch wenn andere sie als ein internationales Gewässer betrachten möchten«. Man werde »künftig neue Arrangements für eine sichere Passage« von Schiffen suchen, so Araghchi in feinstem Diplomaten-Persisch.

Saudi-Arabien hatte US-Medien zufolge  schon Ende Januar vor einem Erstarken Irans gewarnt. Nun, da der Krieg begonnen hat, spielt die Führung in Riad laut einem Bericht  des »Wall Street Journal« mit dem Gedanken, die USA militärisch zu unterstützen. »Saudi-Arabiens Geduld gegenüber iranischen Angriffen ist nicht grenzenlos«, warnte Außenminister Faisal bin Farhan letzte Woche, nachdem Ölanlagen im Königreich getroffen worden waren. »Zu glauben, die Golfstaaten seien nicht in der Lage zu reagieren, ist ein Fehlschluss.«

 Warnungen vor Iran

Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman, US-Präsident Trump im Weißen Haus, 2025: Warnungen vor Iran

Foto: Win Mcnamee / Getty Images / AFP

So klar die Motive der Golfstaaten sind, einen härteren Kurs gegen Iran einzuschlagen, so offensichtlich sind allerdings auch die Risiken.

Das größte davon ist das militärische. Eine gewaltsame Öffnung der Straße von Hormus oder die Einnahme der iranischen Ölverladeinsel Kharg wäre selbst für erfahrene US-Marines und Fallschirmtruppen eine hochgefährlich Operation. Die Streitkräfte Saudi-Arabiens und der VAE haben zwar Kampferfahrung, nicht zuletzt aus dem unglückseligen Jemenkrieg der 2015 begann. Ob sie einem Einsatz auf Kharg oder an der Straße von Hormus gewachsen wären, ist aber zweifelhaft.

Omans Führung hat dem Regime sogar zur Ernennung von Mojtaba Khamenei zum neuen Obersten Führer gratuliert

Vielleicht auch deshalb zielen die Vereinigten Arabischen Emirate eher auf »die Bildung einer möglichst breit aufgestellten internationalen Allianz«, wie die »Financial Times« am Freitag einen Insider zitierte . Dieser Plan könnte auch die Streitkräfte europäischer Staaten einbeziehen, die schließlich auch ein Interesse an einer Sicherung der Straße von Hormus haben. Offenbar arbeiten die VAE und Bahrain bereits am Entwurf einer Uno-Resolution, die den Einsatz einer solchen Allianz legitimieren könnte.

 Unterschiedliche Interessen

Leerer Strand in Dubai am 11. März: Unterschiedliche Interessen

Foto: AFP

Aber selbst dieser diplomatische Weg birgt ein Risiko. Die Golfstaaten haben durchaus unterschiedliche Interessen, gerade im Umgang mit Teheran. Während sich das große Saudi-Arabien als ebenbürtiger Rivale der schiitischen Führungsmacht Iran versteht und das mehrheitlich schiitische Bahrain deren Einfluss fürchtet, pflegten Katar und Oman lange sehr enge Beziehungen zu Iran. Omans Führung hat dem Regime sogar zur Ernennung von Mojtaba Khamenei zum neuen Obersten Führer gratuliert. Auch wenn sich derzeit alle diese Staaten von Iran herausgefordert fühlen, ist nicht auszuschließen, dass sie sich am Ende über ihre Haltung in diesem Krieg zerstreiten.

Ein drittes Risiko schließlich bliebe selbst dann bestehen, wenn sich die Golfstaaten darauf einigen, »einer internationalen Initiative beizutreten, um die Straße von Hormus wieder zu öffnen und offen zu halten«, wie der VAE-Botschafter Otaibi schrieb: Iran wird auch künftig den mit Abstand größten Teil der Golfküste dominieren.

Vielleicht zerbricht die Islamische Republik an dem Unglück, das sie ihrem eigenen Volk und ihren Nachbarn bereitet. Regime wie dieses kommen und gehen eines Tages wieder. Iran wird nicht verschwinden. Amerika ist mehr als einen Ozean weit entfernt, selbst Israel trennen zwei große Länder von Iran. Der Persische Golf aber trägt seinen Namen nicht umsonst, und er misst selbst an seiner breitesten Stelle nur 150 Kilometer.

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