Husten, Fieber, Magen-Darm So oft sind Kleinkinder im ersten Kitajahr wirklich krank
Es ist nicht nur eine gefühlte Wahrheit: Kaum ist das Kind in der Kita, geht’s los mit den Infekten. Eine britische Studie zeigt, wie das für Eltern zur emotionalen und oft auch finanziellen Belastungsprobe wird.
25.03.2026, 12.06 Uhr
Husten, Schnupfen, Fieber, Magen-Darm, Hautausschlag: Sobald kleine Kinder in die Kita kommen, sind viele gefühlt ständig krank. Berufstätige Eltern verzweifeln. Fünf britische Forscherinnen und Forscher, selbst als Mütter und Väter von dem Problem betroffen, haben herausgefunden, dass Kleinkinder in Kitas im ersten Jahr im Schnitt tatsächlich öfter krank sind als Kinder, die zu Hause betreut werden.
Ein einjähriges Kind, das in die Kindertagesstätte kommt, hat demnach in den ersten zwölf Monaten typischerweise etwa 12 bis 15 Atemwegsinfekte, zwei Magen-Darm-Erkrankungen und ein oder zwei Hautausschlag verursachende Infektionen wie das Dreitagefieber. Dies habe emotionale und teils auch finanzielle Folgen für Familien, heißt es in dem Bericht des Forschungsteams .
Der Grund für die Studie , die jetzt in der Fachzeitschrift »Clinical Microbiology Reviews« veröffentlicht wurde, war ein ganz persönlicher: »Als Eltern waren wir alle überrascht, wie oft unsere insgesamt neun Kinder nach dem Start in der Kindertagesstätte krank wurden«, sagte Co-Autorin Lucy van Dorp vom University College London (UCL). »Also haben wir uns zusammengetan, um zu untersuchen, wie oft ein Kind, das in die Kindertagesstätte kommt, im ersten Jahr krank wird, und was man dagegen tun kann.«
In den ersten Schuljahren sind Kinder, die eine Kita besucht haben, seltener krank
Häufige Erkrankungen nach dem Start in der Kindertagesstätte sind der Analyse zufolge vollkommen normal und sagen in der Regel weder etwas über den Gesundheitszustand des Kindes oder der Eltern noch über die Hygiene der Betreuungseinrichtung aus. »Arbeitgeber müssen anerkennen, dass es normal ist, dass Eltern kleiner Kinder regelmäßig von der Arbeit freinehmen müssen, um ihre Kinder zu betreuen, und sie auch anfälliger dafür sind, selbst krank zu werden«, sagte van Dorp.
Ein Trost: Längerfristig betrachtet gibt es der Analyse zufolge einen positiven Effekt. In den ersten Schuljahren seien Kinder, die eine Kita besucht haben, seltener krank als Kinder, die nicht in Gemeinschaftseinrichtungen betreut wurden, heißt es in der Studie.
Der frühe Kontakt scheine einen gewissen Schutz für die ersten Schuljahre zu bieten, wahrscheinlich aufgrund der erworbenen Immunität gegen häufige Infektionen. Das bedeute auch, dass eine längere Betreuung von Kindern zu Hause in der Summe wahrscheinlich keine Lösung für das Problem darstelle, sondern nur ein Aufschieben.
Zentral ist, dass Eltern ihre Kinder zu Hause behalten, solange sie krank sind
»Neugeborene verfügen dank der von der Mutter übertragenen Antikörper über einen gewissen Schutz vor Infektionen, doch dieser lässt im ersten Lebensjahr nach«, erklärte UCL-Forscher Leo Swadling, einer der Autoren. Dadurch würden Kleinkinder anfälliger für Infektionen. Ihr unerfahrenes Immunsystem sei etlichen Erregern noch nie begegnet – Kitas seien dann eine Art Bootcamp und bauten die Widerstandskraft für die Folgejahre auf.
Zentral sei, dass Eltern ihre Kinder zu Hause behalten, solange sie krank sind – und je nach Art der Infektion auch noch ein oder zwei Tage danach, sagte Mitautorin Charlotte Houldcroft von der Universität Cambridge. »Auch wenn Infektionen in der Kindertagesstätte normal und weitverbreitet sind, ist es wichtig, alles zu tun, um ihre Ausbreitung einzudämmen.«
Die Forscher um van Dorp betonen auch, dass Impfungen nach wie vor der beste Schutz vor Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps, Röteln und Windpocken sind. »Impfungen senken die Krankheitslast und sind derzeit unser bestes Mittel zur Vorbeugung und Linderung von Kinderkrankheiten.«
Die Kinderärztin Karella Easwaran, Autorin des Buches »Das Geheimnis gesunder Kinder: Was Eltern tun und lassen können«, rät Eltern in einem Interview mit dem SPIEGEL, gelassen zu bleiben, »auch wenn es schwerfällt«. Vor den Infekten gebe es keinen Schutz, wir müssten sie einfach akzeptieren. »Ich wünsche mir hier von allen Seiten mehr Einfühlungsvermögen und Solidarität«, so Easwaran.
»Eltern haben gegen Erreger aus Kindergarten und Kita längst keinen ausgeprägten spezifischen Schutz mehr auf ihren Schleimhäuten«: Lesen Sie hier, wie sich Eltern – zumindest rudimentär – vor Kita-Keimen schützen können.

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