KI-Update kompakt: OpenAI, Software-Nutzung, Apple, Teslas FSD

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OpenAI nimmt seinen Videogenerator Sora vom Markt. Die App und die Programmierschnittstelle werden abgeschaltet, einen genauen Zeitplan will das Unternehmen noch veröffentlichen. Sora war ein teurer Dienst: Jedes generierte Video kostete OpenAI Geld, ohne dass die Einnahmen dies rechtfertigten. Der Strategiewechsel dürfte auch mit dem geplanten Börsengang zusammenhängen.

OpenAI richtet seinen Fokus stärker auf Entwickler und Unternehmen. Privatnutzer zahlen zu wenig für KI-Chatbots, während Firmenkunden eher bereit sind, für spezialisierte Dienste Geld auszugeben. Einmal tief in Unternehmenssysteme integriert, lässt sich KI-Software kaum noch ersetzen. Auf der Strecke bleiben Nutzer, die auf Sora gesetzt hatten. Auch ein Milliarden-Deal mit Disney, der die Lizenzierung von Charakteren für Freizeitparks vorsah, soll gescheitert sein, ohne dass je Geld floss.

Google Cloud hat auf der Sicherheitskonferenz RSA in San Francisco einen KI-Agenten vorgestellt, der Sicherheitswarnungen in Unternehmen selbstständig prüft. Er sammelt Daten und bewertet, ob eine echte Bedrohung oder ein Fehlalarm vorliegt. Hinzu kommt eine KI-gestützte Analyse des sogenannten Dark Web, die Aktivitäten in versteckten Foren automatisch auswertet, etwa den Handel mit gestohlenen Daten. Laut Google filtert das System Millionen solcher Aktivitäten pro Tag mit 98 Prozent Genauigkeit.

Googles Cybersicherheitstochter Mandiant berichtet, dass Cyberkriminelle zunehmend professionell und arbeitsteilig vorgehen. Sie zerstören gezielt die Wiederherstellungsfähigkeit ihrer Opfer, um den Erpressungsdruck zu maximieren. Angreifer setzen auch KI-Tools ein, die sich während eines Angriffs selbst anpassen, um Sicherheitssysteme zu umgehen. Das Zeitfenster zwischen erstem Eindringen und Angriff sei auf nur 22 Sekunden geschrumpft.

Anthropic macht seine Computer-Use-Funktion nun auch in den Modi Cowork und Code verfügbar. Der KI-Chatbot Claude kann damit einen Computer bedienen, wie es ein Mensch tun würde. Bevor Claude auf Computer Use zugreift, versucht er zunächst sogenannte Connectors zu nutzen, also direkte Verbindungen zu Diensten wie Gmail, Google Drive oder Slack. Erst wenn kein passender Connector existiert, öffnet Claude den Chrome-Browser und navigiert per Screenshots.

Anthropic warnt allerdings vor Risiken. Cowork verfügt über ein Gedächtnis: Was dem Chatbot einmal mitgeteilt wurde, bleibt gespeichert. Alle auf dem Bildschirm sichtbaren Informationen können erfasst werden. Claude ist zwar darauf trainiert, riskante Aufgaben zu erkennen, absolute Sicherheit kann jedoch keine KI bieten.

Jensen Huang, Chef von Nvidia, hat im Podcast von Lex Fridman der These widersprochen, KI werde bald alle bestehende Software überflüssig machen. Er veranschaulicht das mit einem Gedankenexperiment: Selbst der beste KI-Agent der nächsten zehn Jahre werde einfach die vorhandene Mikrowelle benutzen, statt Mikrowellen aus seinen Fingern zu strahlen. Übertragen auf die digitale Welt heißt das: Ein KI-Agent öffnet Excel, um eine Tabelle zu analysieren, oder PowerPoint, um eine Präsentation zu erstellen. Genau dieses Prinzip stecke hinter dem OpenClaw-Framework, das KI-Agenten befähige, bestehende Werkzeuge eigenständig zu erkennen und zu bedienen. Huang nennt es das „iPhone der Tokens“.

Bestehende Software stirbt also nicht, sie bekommt neue Nutzer. Doch die Folgen für die Branche sind real: Programme, deren Hauptwert in einer besonders einfachen Oberfläche liegt, könnten an Bedeutung verlieren, wenn Agenten jedes Tool sofort beherrschen. Auch Vermittler-Software zwischen verschiedenen Systemen könnte überflüssig werden. Hinter Huangs Argumentation steht zudem ein ökonomisches Interesse. Tokens würden zur handelbaren Ware, Rechenzentren zu Fabriken für deren Produktion. Nvidias neue Vera-Rubin-Plattform besteht aus fünf spezialisierten Rack-Typen, die zusammen KI-Agenten beschleunigen sollen, mit eigenen CPU-Racks, Speicherracks und einem Rack für besonders schnelle Antwortzeiten.

Microsoft hat mehrere führende KI-Forscher vom Allen Institute for AI, einer 2014 vom verstorbenen Microsoft-Mitgründer Paul Allen gegründeten Forschungseinrichtung, und der University of Washington abgeworben. Darunter sind der ehemalige Institutsleiter Ali Farhadi und die Sprachmodell-Forscherin Hanna Hajishirzi. Alle wechseln in das Superintelligenz-Team von Mustafa Suleyman, dem Chef von Microsoft AI. Der Konzern will damit seine Abhängigkeit von OpenAI bei eigenen KI-Modellen verringern.

Für das Allen Institute sind die Abgänge ein schwerer Verlust. Hajishirzi leitete dort unter anderem das Open-Source-Sprachmodell OLMo. Der neue Hauptgeldgeber des Instituts bevorzugt allerdings, dass künftige Mittel eher in reale Anwendungen fließen als in teure Grundlagenforschung und Open-Source-Modelle. Das dürfte den Wechsel begünstigt haben.

Eine Studie der Krankenkasse DAK-Gesundheit und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf belegt, dass KI-Chatbots zum Alltag vieler Kinder gehören. Fast 21 Prozent der befragten 10- bis 17-Jährigen nutzen Apps wie ChatGPT oder Gemini mehrmals pro Woche, 6,4 Prozent täglich. Die Chatbots dienen meist als Lern- und Informationswerkzeug, erfüllen aber auch soziale Funktionen: Einzelne Kinder gaben an, Chatbots Dinge anzuvertrauen, die sie sonst keinem oder nur engen Freunden erzählen.

Studienleiterin Kerstin Paschke warnt vor den oft bestätigenden Reaktionen der Programme. Junge Menschen könnten eine emotionale Bindung zu einem Chatbot entwickeln, die mit psychischen Belastungen einhergehe und problematische Nutzungsmuster begünstige. Die Studie basiert auf Befragungen von rund tausend Kindern.

Apple gilt bei KI-Software als Nachzügler, verdient aber trotzdem kräftig an Chatbots und Sprachmodellen. Laut dem App-Marktforscher AppMagic flossen allein 2025 rund 900 Millionen Dollar an Provisionen für KI-Apps an Apple, als Anteil an den Abo-Gebühren im App Store. 2026 soll die Milliarden-Marke fallen. In einzelnen Monaten wurden bereits 100 Millionen überschritten.

Apples eigene KI-Ambitionen kommen dagegen kaum voran. Die lange erwartete kontextsensitive Siri fürs iPhone ist weiterhin nicht verfügbar, einen eigenen Chatbot soll es frühestens im Herbst geben. Für Anfang Juni hat Apple seine Entwicklerkonferenz WWDC angekündigt, bei der laut Konzern auch KI im Fokus stehen soll.

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Google DeepMind und Agile Robots, ein 2018 in München gegründetes Robotikunternehmen mit über 2.500 Beschäftigten, haben eine Forschungspartnerschaft geschlossen. Ziel ist es, Googles Gemini-Robotics-Modelle in die Hardware von Agile Robots zu integrieren und anpassungsfähige Roboter für industrielle Umgebungen zu schaffen.

Google DeepMind hatte zuletzt zwei neue KI-Modelle vorgestellt, die Roboter befähigen sollen, komplexe Aufgaben in der realen Welt eigenständig zu planen und auszuführen. Daten aus dem realen Betrieb sollen die Modelle laufend verbessern. Agile Robots hat nach eigenen Angaben weltweit über 20.000 Robotiklösungen installiert.

Tesla hat den 10. April als neuen Termin für die Zulassung von Full Self-Driving (FSD) in den Niederlanden angekündigt. Die zuständige niederländische Behörde RDW bestätigte, dass sich das Verfahren in der finalen Phase befinde. Normalerweise äußert sich die Behörde nicht zu laufenden Verfahren, machte wegen des hohen öffentlichen Interesses aber eine Ausnahme. Es ist bereits der dritte Termin, den Tesla ins Spiel bringt. Die beiden vorherigen, Ende Februar und 20. März, verstrichen ohne Ergebnis. Einmal forderte der RDW Tesla öffentlich auf, erst die Anforderungen zu erfüllen, bevor man Dankbarkeit erwarte.

Technisch handelt es sich bei FSD SuperWise um Automatisierung der Stufe 2: Der Fahrer muss das System jederzeit überwachen und bei Bedarf eingreifen. Tesla will die Zulassung über eine UN-Regulierung plus spezielle Ausnahmegenehmigungen erreichen, auch für Fahrten abseits der Autobahn. Gelingt die Zulassung in den Niederlanden, könnten andere EU-Staaten wie Deutschland sie übernehmen. Tesla hofft auf eine EU-weite Genehmigung noch im Sommer.

Erstmals in der Geschichte des Europäischen Patentamts (EPA) hat die Zahl der jährlichen Anmeldungen die Marke von 200.000 überschritten, ein Zuwachs von 1,4 Prozent. Die USA behaupteten ihre Spitzenposition als Herkunftsland, doch China verdrängte Japan erstmals vom dritten Platz. Computertechnik bleibt das führende Feld, vor allem getrieben durch KI-Innovationen, die um 9,5 Prozent zunahmen.

Deutschland liegt weltweit auf Rang zwei und sticht in der Computertechnik hervor: Dort wuchsen die deutschen Anmeldungen mit 10,3 Prozent sogar stärker als die der Konkurrenz aus den USA und China.

KI-generierte pornografische Deepfakes lassen sich immer leichter erstellen. In Deutschland ist die Debatte über eine mögliche Strafbarkeitslücke neu entfacht, nachdem die Schauspielerin Collien Fernandes Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen öffentlich machte. Die Social-Media-Expertin Ingrid Brodnig beschreibt in ihrem Buch „Feindbild Frau“, wie Frauen im Internet bedroht und beleidigt werden. Svea Eckert und Eva Wolfangel sprechen in der aktuellen Episode ihres c't-Podcasts „They Talk Tech“ mit Brodnig auch darüber, wie KI-generierte Bilder diesen Effekt noch verstärken können.

Brodnig identifiziert zehn Typen wiederkehrender Beleidigungen gegen Frauen in der Öffentlichkeit, darunter die bildbasierte Erniedrigung. Werkzeuge wie Elon Musks KI Grok ermöglichten es zeitweise, Frauen per Knopfdruck in erniedrigende Darstellungen zu verwandeln. Die Folge: Jede öffentlich sichtbare Frau muss fürchten, zum Ziel zu werden. Das könne dazu führen, dass sich Frauen aus der Öffentlichkeit zurückziehen, warnt Brodnig.

Das Tübingen AI Center hat die nächste Runde des Bundeswettbewerbs KI 2026 eröffnet. Teilnehmen dürfen Schülerinnen und Schüler weiterführender Schulen sowie Absolventen des vergangenen Schuljahres in Teams mit bis zu vier Personen. Ein festes Thema gibt es nicht: Erlaubt ist alles, was die Teilnehmenden interessiert und der Gesellschaft in irgendeiner Form dient.

Die Bandbreite vergangener Projekte reicht von Grundlagenforschung bis zum cleveren Einsatz klassischer Mustererkennung. Projektideen können bis zum 28. Juni 2026 eingereicht werden. Weitere Informationen finden sich unter bw-ki.de.

(igr)

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