Vorbereitung auf PISA 2029
Künstliche Intelligenz ist längst Teil des Alltags von Kindern und Jugendlichen. Doch wie gut verstehen sie, womit sie es dabei eigentlich zu tun haben? Und wie bereitet man eine Generation auf Technologien vor, die sich schneller verändern als Lehrpläne? Das AI Literacy Framwork will dafür die Richtung weisen. Es wurde von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gemeinsam mit der Europäischen Kommission und der US-amerikanischen Initiative Code.org entwickelt.
Ausschlaggebend war der Plan der OECD im Jahr 2029 erstmals Medien- und KI-Kompetenz im Rahmen der PISA-Erhebung abzufragen. "Wenn man 2029 KI-Kompetenz abfragen möchte, sollte man sich auch mit der Frage auseinandersetzen, was wir dafür tun können, dass die Ergebnisse möglichst gut sind", erklärt Florian Rampelt vom Stifterverband. Er ist Programmleiter für Future Skills & KI, Geschäftsstellenleiter der Lernplattform KI-Campus und war als Mitglied des internationalen Expertenteams an der Entwicklung beteiligt.
Die Expertengruppe arbeitete über eineinhalb Jahre an dem Rahmenwerk. Zwischendurch wurde ein erster Entwurf veröffentlicht, um Feedback aus der Bildungscommunity einzuholen. In Deutschland organisierte der Stifterverband mit Unterstützung der TÜV SÜD Stiftung eine eigene Arbeitsgruppe. Das Feedback aus offiziellen Konsultationen der EU-Mitgliedsländer sowie von KI-Initiativen, Bildungsakteuren und Lehrkräften floss dann in die Endversion ein. Anders als viele bestehende Konzepte verknüpft das so entstandene AI Literacy Framework Kompetenzanforderungen direkt mit konkreten Lernszenarien für den Unterricht.
Vier Kompetenzbereiche
Das Framework gliedert sich in vier Bereiche: Mit KI bewusst umgehen, KI kreativ anwenden, KI gezielt einsetzen und KI aktiv mitgestalten. Jede Kompetenz wird auf drei Progressionsstufen beschrieben – grundlegend, fortgeschritten und vertieft. "Die Szenarien sind ganz bewusst so gehalten, dass sie in unterschiedlichen Fächern genutzt und integriert werden können", betont Rampelt.
Der Grundlagenbereich behandelt die Frage, wo KI im Alltag bereits eine Rolle spielt. "Die erste Kompetenz ist die Rolle und den Einfluss von KI in verschiedenen Kontexten zu erkennen", erklärt Rampelt. Die Lernenden könnten zum Beispiel mit ihrer Lehrkraft „KI oder nicht“ spielen. „Anhand von Beispielen wie Smart Home-Geräten, sozialen Medien oder Apps können sie jedes Beispiel danach einordnen, ob es KI einsetzt oder nicht."
Weitere Kompetenzen umfassen das Beschreiben von KI-Funktionsweisen sowie das Einordnen des Ressourcenverbrauchs von KI-Systemen. "Es ist wichtig, dass wir eben nicht alle ständig ChatGPT am Handy nutzen, um jede Frage zu beantworten", mahnt Rampelt. Mit jeder Nutzung generativer KI würden Ressourcen verbraucht, was vielen im Alltag nicht bewusst sei.
Materialien für Deutschland
Ethische Fragen ziehen sich durch das gesamte Framework. Auf der Wissensebene geht es etwa um Verzerrungen, sogenannte Biases, und deren gesellschaftliche Konsequenzen. Kritisches Denken wird auf der Kompetenzebene mit ethischen Aspekten verknüpft, während auf der Haltungsebene Verantwortungsbewusstsein als besonders notwendig erachtet wird. Zu einem verantwortungsvollen KI-Design gehörten laut Rampelt Prinzipien wie Fairness, Transparenz und Rechenschaftspflicht.
Für den deutschsprachigen Raum stellt der KI-Campus schon jetzt ergänzende Materialien bereit. "Wir glauben, dass für eine Nutzung auf Länder- und auf regionaler Ebene auch eine Kontextualisierung vor Ort notwendig ist", erklärt Rampelt. Über einen Ideenwettbewerb mit der TÜV SÜD Stiftung entwickeln Hochschulen und Schulen weitere eigene Umsetzungsideen. "Unser Ziel ist, schrittweise für die unterschiedlichen Kompetenzbereiche Online-Kurse und Bildungsmaterialien zur Verfügung zu stellen, die dann auch im Unterricht genutzt werden können", sagt Rampelt.
Empfohlener redaktioneller Inhalt
Mit Ihrer Zustimmung wird hier ein externer Podcast (Podigee GmbH) geladen.
Kurz nach der Veröffentlichung wurde das Framework in die KI-Verordnung der Europäischen Union aufgenommen. Es dient damit offiziell als Orientierungsrahmen für alle Organisationen und Unternehmen in Europa, die KI-Systeme nutzen.
(igr)












English (US) ·