War es das mit der Ära Keir Starmer? Der britische Premierminister steht enorm unter Druck, nachdem sein innerparteilicher Rivale Andy Burnham ins Parlament eingezogen ist. Berichten zufolge könnte Starmer sich diesem Druck schon bald beugen.
Die Zeitung »The Guardian« schrieb am Sonntag, Starmer würde schon am Montag seinen Rücktritt bekannt geben. Die Zeitung »The Observer« berichtete bereits am Samstag unter Berufung auf Quellen innerhalb der Labour-Partei, dass Starmer am Montag zurücktreten und einen Zeitplan für seinen Abgang vorlegen werde.
Aus der Downing Street hieß es der BBC zufolge hingegen am Samstagabend, dass sich an der Position des Premiers seit Freitag nichts geändert habe. Nach dem Wahlerfolg von Burnham bekräftigte Starmer am Freitag, weiter im Amt bleiben und sich einer möglichen Wahl um den Parteivorsitz stellen zu wollen.
Beratungen auf dem Familienlandsitz
Der britische Wirtschaftsminister Peter Kyle hat Berichte über einen bevorstehenden Rücktritt Starmers ebenfalls zurückgewiesen. Er habe keinen Grund zu der Annahme, dass diese wahr seien, sagte Kyle am Sonntag dem Sender Sky News. Er habe am Freitag ein langes und offenes Gespräch mit dem Regierungschef geführt.
Dabei sei es nicht ein einziges Mal um Eigeninteressen gegangen, sondern immer um das Land. Zugleich versuche Starmer, Raum zum Nachdenken zu finden, so Kyle – über die politischen Realitäten und Herausforderungen, aber auch über die Möglichkeiten. Weitere Details des Gesprächs nannte Kyle nicht.
Zuvor war die Berichterstattung des »Observer« von Regierungskreisen zurückgewiesen worden. Starmer konzentriere sich weiter auf seine Regierungsarbeit, hieß es. Die Zeitung hatte berichtet, Starmer berate auf seinem Landsitz Chequers mit seiner Frau über die Angelegenheit. Führende Vertreter der Labour-Partei rechneten demnach am Montag mit einer klaren Erklärung.
Protest gegen Starmers Führungsstil
Ob Rücktritt am Montag oder nicht: Im Vereinigten Königreich ist man sich einig, dass sich der britische Premier nicht mehr lange halten kann.
Starmer kämpft zwei Jahre nach seinem Wahlsieg mit historisch schlechten Umfragewerten. Bei den Kommunalwahlen im Mai hatte die Partei schwere Verluste hinnehmen müssen. Führende Kabinettsmitglieder waren aus Protest gegen Starmers Führungsstil zurückgetreten. Mehr als 100 Abgeordnete seiner Labour-Partei – rund ein Viertel der Fraktion im Unterhaus – haben ihn öffentlich zum Rücktritt oder zur Festlegung eines Zeitplans für seinen Abgang aufgefordert.
Berichten zufolge legten ihm allein seit Freitag zahlreiche Abgeordnete und Kabinettsmitglieder einen Abgang nahe – darunter nach Informationen des Senders Sky auch hochrangige Figuren wie Außenministerin Yvette Cooper.
Manchesters Ex-Bürgermeister Andy Burnham hatte am Donnerstag die Nachwahl im Bezirk Makerfield gewonnen. Schon vor der Wahl galt es als gesichert, dass er den glücklosen Starmer im Falle eines Erfolgs herausfordern wird.
Sollte Starmer nicht zurücktreten, dürfte Burnham zeitnah den Prozess für eine Führungswahl auslösen, möglich wird ihm das durch den gewonnenen Parlamentssitz. Würde er gewinnen, könnte er Starmer als Premierminister ablösen. Als weiterer möglicher Kandidat für eine Führungswahl gilt der frühere Gesundheitsminister Wes Streeting.
Dass der Druck auf ihn in den vergangenen 48 Stunden massiv gewachsen ist, ließ sich Starmer zumindest in sozialen Medien nicht anmerken. In einem X-Beitrag äußerte er sich lediglich zum heutigen britischen Vatertag. »Vater zu sein, ist meine größte Freude«, schrieb er.

vor 1 Stunde
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