Marineoffizier, Erdnussfarmer, Präsident der USA und Friedensnobelpreisträger: Die Karriere Jimmy Carters ist an Abwechslung so reich wie an Höhepunkten. Obwohl die nur eine Amtsperiode währende Präsidentschaft des 2024 im Alter von hundert Jahren gestorbenen Demokraten und bekennenden Baptisten als gescheitert galt – Tiefpunkt war der Geiselbefreiungsversuch 1980 in Teheran –, wuchs Carters Ansehen nach dem Auszug aus dem Weißen Haus 1981 als Vermittler in internationalen Konflikten und wegen seines Einsatzes für Menschenrechte und Demokratie stetig.
Von Carter 2010 gemaltes Bild der Babtistenkirche, in der er getauft wurde: Schätzpreis 6000 bis 8000 DollarChristie'sNebenbei schrieb Carter einen Roman und mehrere Sachbücher, betätigte sich als Hobbytischler und Kunstmaler. Sein Stil war gegenständlich oder naiv, seine Sujets waren heimatverbunden, persönlich und naturnah. So strahlen seine Bilder einen heimeligen Partiotismus aus und seine Möbel Bodenständigkeit.
Die Onlinegebote haben die Taxe von 500 bis 1000 Dollar längst überschritten: Satz von zwei Beistelltischen aus Walnussholz, die Carter 1985 fertigteChristie'sEine seiner Ölmalereien, „The Hornet’s Nest“ von 2003, zeigt sich dagegen kriegerisch: Zu sehen sind amerikanische Pioniere mit Waffen im Anschlag kurz vor der Auseinandersetzung mit britischen Soldaten. Das Bild diente als Titelentwurf für Carters Roman über den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg – in dem aber betont wird, dass friedliche Lösungen immer die besseren sind. Taxiert auf 8000 bis 12.000 Dollar, kommt das Gemälde am 23. Januar bei Christie’s in New York in der Saalauktion „We, the People“ zum Aufruf.
Sie ruft mit den Eröffnungsworten der Unabhängigkeitserklärung der USA vom 4. Juli 1776 das anstehende Jubiläum 250 Jahre danach auf, für das der aktuelle US-Präsident, der den Friedensnobelpreis bekanntlich nur Second Hand und unautorisiert von dem Vergabekomitee in Oslo bekam, sich den Bau eines Triumphbogens wünscht. Er selbst ist in allem ein Gegenbild Carters.
Auch das dürfte Bieter motivieren, die Verkaufspreise von Gemälden, Möbeln oder Besitztümer Carters weit über die Schätzsummen hinaus zu treiben. In der flankierenden Onlineauktion bei Christie’s, die schon im Gange ist, stand ein Ölbild Carters von seiner Taufkirche bereits knapp eine Woche vor Versteigerungsschluss am 27. Januar bei 130.000 Dollar. Vorab taxiert war es auf 6000 bis 8000 Dollar.
Im Unabhängigkeitskrieg: Carters Gemälde „The Hornet’s Nest“, Taxe 8000 bis 12.000 Dollar bei Christie’sChristie'sEin Paar von Carter gefertigte Beistelltische aus Walnussholz sollten 500 bis 1000 Dollar erlösen, zogen aber binnen kurzer Zeit Gebote von über 5000 Dollar an. Ob zwei Halstücher mit Erdnuss-Muster für ihn und seine Frau oder ein Stetson-Hut des Präsidenten: Sammler reißen sich auch um andere Memorabilia aus der Carter-Sammlung.
Ein Teil der Erlöse aus den Auktionen fließt der Familienstiftungen der Carters zu. Deren kulturelles Leitbild sieht gleichfalls anders aus als das in Washington derzeit erntworfene: respektvolles Miteinander und Inklusivität, die Würdigung verschiedenartiger Herkunft, Einheit in der Vielfalt werden auf der Website der Stiftungen als Ziele beschworen.

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