Irankrieg: Handwerk sieht Nachschub für wichtige Produkte in Gefahr

vor 8 Stunden 1

In vielen Branchen herrscht Angst vor Jobverlust durch KI-Anwendungen. Das Handwerk gilt in dieser Hinsicht als vergleichsweise sichere Bank. Doch dort werden die konjunkturellen Aussichten zunehmend schlechter.

»Sinkende Umsätze, schrumpfende Auftragspolster und fallende Auslastung zeigen, dass die Nachfrage wegbricht«, sagte Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), der Nachrichtenagentur dpa.

Im neuen Konjunkturbericht heißt es, der Irankrieg habe zu explodierenden Energiepreisen an den Rohstoffmärkten und angespannten Lieferketten geführt. »Hinter der Verfügbarkeit vieler Erzeugnisse und Materialien steht zumindest in den nächsten Monaten ein großes Fragezeichen.«

Der Branchenverband ZDA teilte dazu mit, durch die unklare Lage am Persischen Golf sowie die noch nicht absehbare Dauer dieses Konflikts könne es zu Engpässen bei der Verfügbarkeit von Produkten aus dieser Region kommen. Darunter auch solche, die für die handwerkliche Leistungserbringung in Deutschland entscheidend seien.

»In solchen Fällen ist mit Preisanpassungen, Verzögerungen bei der Ausführung und Wartezeiten bis zur Verfügbarkeit nicht anderweitig ersetzbarer Güter zu rechnen«, heißt es. In welchem Umfang dieses alles eintreten werde, lasse sich gegenwärtig noch nicht sagen oder abschätzen.

Die Handwerksbetriebe beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage spürbar schlechter als vor einem Jahr, wie aus dem Branchenbericht hervorgeht. Auch die Erwartungen trüben sich demnach ein. Die Umsätze im Gesamthandwerk seien rückläufig, die Auftragspolster im Gesamthandwerk gingen erneut zurück.

Weiter heißt es: »Die im Winter ohnehin schwächere Nachfrage nach Beschäftigten im Handwerk wird weiter durch die anhaltende Konjunkturflaute verstärkt.« Hinzu komme eine demografische Entwicklung, die dazu führe, dass für viele offenen Stellen keine entsprechend qualifizierten Arbeitskräfte verfügbar seien.

Handwerk warnt vor »Erosion der betrieblichen Substanz«

»Die deutliche Eintrübung von Geschäftslage und Erwartungen ist mehr als ein Stimmungsbild, sie muss als Warnung verstanden werden«, sagte Schwannecke. »Wenn Betriebe den Glauben an eine Verbesserung verlieren, wird aus Unsicherheit Investitions- und Einstellungszurückhaltung.«

Das könnte innerhalb der schwarz-roten Koalition noch zu Konflikten führen – wie auch die Gegenfinanzierung von Steuerentlastungen für kleine und mittlere Einkommen. Wirtschaftsverbände beklagen seit langem eine im internationalen Vergleich hohe Steuer- und Abgabenlast, hohe Energiepreise sowie zu viel Bürokratie.

»Externe Schocks legen schonungslos offen, wie verwundbar der Standort Deutschland geworden ist«, so Schwannecke. »Ohne konsequenten Bürokratieabbau und spürbare Entlastungen bei Steuern und Abgaben droht eine Erosion der betrieblichen Substanz.« Es brauche wachstumsfördernde Impulse durch steuerliche Entlastungen, durch geringere Sozialabgaben, durch Investitionsanreize und eine Politik, die Nachfrage nicht weiter ausbremse.

Gesamten Artikel lesen