Iran-News heute: Lars Klingbeil plädiert für Benzin-Preisobergrenzen

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Anna-Lena Abbott

Überblick: Das ist die aktuelle Lage in Nahost 

  • Reden sie oder reden sie nicht? Donald Trump hat sein Ultimatum gegen Iran verlängert, denn es gebe »gute« Gespräche zwischen Washington und Teheran. Nur: Iran dementiert jegliche Verhandlungen.
  • Israel greift weiter Ziele in Iran und im Libanon an und rechnet damit, dass sich der Krieg noch wochenlang hinzieht. Das Regime in Teheran reagiert mit Gegenangriffen.
  • Nach Recherchen der Agentur Reuters hat der Irankrieg bisher weit über 4000 Tote gefordert.

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Anna-Lena Abbott

Iran meldet neue Angriffe auf Israel 

Die iranischen Streitkräfte haben eine neue Salve von Raketen auf Israel abgefeuert. Die iranischen Raketen hätten "mehrere israelische Flugabwehrsysteme durchdrungen", erklärte der staatliche iranische Fernsehsender Irib. Die israelische Armee erklärte, sie habe anfliegende iranische Raketen geortet und arbeite daran, sie abzufangen.

Anna-Lena Abbott

Börse in Tokio legt nach Trumps Iranwende zu

Die asiatische Leitbörse in Tokio hat nach der Verschiebung angedrohter Angriffe auf iranische Kraftwerke durch US-Präsident Donald Trump etwas an Boden gut gemacht. Rund eine Dreiviertelstunde nach Handelsbeginn notierte der Nikkei-225-Index ein Plus von 66,78 Punkten oder 1,36 Prozent beim Stand von 52.215,27 Punkten.

Trump hatte gedroht, iranische Kraftwerke anzugreifen, falls Teheran die Straße von Hormus nicht freigibt. Dass der US-Präsident davon vorerst absieht und den Ablauf seines Ultimatums um mehrere Tage verschob, ließ die Ölpreise sinken.

Trump hatte auf seiner Plattform Truth Social von produktiven Gesprächen über eine Beilegung der Feindseligkeiten geschrieben. Iran dementiert allerdings Verhandlungen mit den USA (mehr dazu erfahren Sie hier). Das dämpfte die Stimmung am Markt etwas.

Anna-Lena Abbott

Israel greift Ziele im Libanon an

Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben erneut Ziele in südlichen Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut angegriffen. Die Attacken zielten auf Infrastruktur der proiranischen Hisbollah-Miliz, hieß es. Zuvor hatte die Armee die Bewohner südlicher Vororte von Beirut zur Evakuierung aufgerufen.

Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA berichtete von einer Reihe von Angriffen in dem Gebiet. In und um Beirut seien niedrig fliegende israelische Kampfflugzeuge zu hören gewesen. NNA meldete außerdem weitere israelische Angriffe im Südlibanon.

SPIEGEL-Reporter Christoph Reuter war kürzlich in Beirut, seinen Bericht können Sie hier nachlesen: Libanon steht vor einer brutalen Wahl 

Anna-Lena Abbott

Mehrheit der Deutschen skeptisch bei Aufnahme weiterer iranischer Flüchtlinge

Die Eskalation im Irankrieg hat auch eine Diskussion über mögliche Flüchtlingsbewegungen aus der Region ausgelöst. In Deutschland sind 73 Prozent der Menschen der Meinung, dass ihr Land mit der Aufnahme weiterer iranischer Flüchtlinge nicht gut zurechtkommen würde. Das ergab eine Forsa-Umfrage im Auftrag von »Stern« und RTL. 

Demnach sind Anhänger der CDU/CSU mit 80 Prozent überwiegend dieser Meinung, unter den Wählern der AfD sind es 98 Prozent. Aber auch bei Anhängern der SPD (63 Prozent) und der Linken überwiegt die Skepsis. Allein Unterstützer der Grünen sehen den Angaben zufolge mehrheitlich in dieser Frage keine größeren Probleme auf Deutschland zukommen.

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa befragte für die repräsentative Erhebung am 19. und 20. März insgesamt 1000 Deutsche. Die mögliche Fehlerquote liegt bei plus oder minus drei Prozentpunkten. 

Anna-Lena Abbott

Selenskyj: Russland hilft Iran mit Geheimdienstinformationen

Der ukrainische Präsident wirft Russland vor, den Irankrieg durch die Weitergabe von Geheimdienstinformationen zu verlängern. Es gebe weitere Belege dafür, dass Russland der iranischen Führung weiterhin mit Geheimdienstinformationen helfe, sagte Wolodymyr Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft, er berief sich dabei auf den ukrainischen Militärgeheimdienst HUR. Weitere Details nannte er nicht.

Anna-Lena Abbott

Leseempfehlung: Ein Sprücheklopfer als Kriegsherr

Haben die USA mit Iran verhandelt, wie Donald Trump behauptet? Die Börsen atmen auf, der Ölpreis stürzt ab, Teheran dementiert. Doch Experten halten einen Deal für denkbar – mit einem neuen Machthaber in Teheran. Hier geht’s zur Analyse von SPIEGEL-Korrespondent Claus Hecking.

Netanyahu redet über Abkommen mit Iran – und will weiter angreifen

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat in einer Videobotschaft die von den USA verkündeten Gespräche mit Iran kommentiert. »Präsident Trump ist überzeugt, dass es eine Chance gibt, die enormen Erfolge, die wir mit dem US-Militär erzielt haben, zu nutzen, um die Kriegsziele durch ein Abkommen zu verwirklichen – ein Abkommen, das unsere vitalen Interessen schützt«, sagte Netanyahu. 

‎Benjamin Netanyahu - בנימין נתניהו‎ on Instagram‎: "מוקדם יותר היום שוחחתי עם ידידנו הנשיא טראמפ. הנשיא טראמפ מאמין שיש סיכוי למנף את ההישגים הכבירים שהשגנו עם צבא ארה”ב, כדי לממש את יעדי המלחמה בהסכם - הסכם שישמור על האינטרסים החיוניים שלנו. במקביל, אנחנו ממשיכים לתקוף גם באיראן וגם בלבנון. אנחנו כותשים את תוכנית הטילים ותוכנית הגרעין, וממשיכים לפגוע קשות בחיזבאללה. רק לפני ימים אחדים חיסלנו עוד שני מדעני גרעין - והיד עוד נטויה. אנחנו נשמור על האינטרסים החיוניים שלנו בכל מצב."‎

9,427 likes, 1,619 comments - b.netanyahu on March 23, 2026‎: "מוקדם יותר היום שוחחתי עם ידידנו הנשיא טראמפ. הנשיא טראמפ מאמין שיש סיכוי למנף את ההישגים הכבירים שהשגנו עם צבא ארה”ב, כדי לממש את יעדי המלחמה בהסכם - הסכם שישמור על האינטרסים החיוניים שלנו. במקביל, אנחנו ממשיכים לתקוף גם באיראן וגם בלבנון. אנחנו כותשים את תוכנית הטילים ותוכנית הגרעין, וממשיכים לפגוע קשות בחיזבאללה. רק לפני ימים אחדים חיסלנו עוד שני מדעני גרעין - והיד עוד נטויה. אנחנו נשמור על האינטרסים החיוניים שלנו בכל מצב.". ‎

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Israels Regierungschef sagte zugleich, dass die Angriffe auf Iran fortgesetzt würden: »Wir zerschlagen das Raketenprogramm und das Atomprogramm.« Israel werde außerdem weiterhin die Hisbollah-Miliz im Libanon bekämpfen. Trump hatte zuvor von »detaillierten und konstruktiven Gesprächen« mit der Islamischen Republik gesprochen – Iran dagegen dementierte jegliche Verhandlungen zwischen beiden Seiten. 

Klingbeil plädiert für Preisobergrenzen beim Benzin

SPD-Chef Lars Klingbeil will sich angesichts stark gestiegener Spritpreise infolge des Irankriegs an Maßnahmen in Luxemburg orientieren. »Wir sollten gerade mal genau gucken, was Luxemburg dort macht, die Preisgrenzen festlegen«, sagte Klingbeil in der ntv-Sendung »Pinar Atalay«.

In Luxemburg bestimmt das Wirtschaftsministerium Höchstpreise für Benzin, Diesel und Heizöl. Normalerweise werden die Preise etwa zweimal monatlich verändert – allerdings sind bei besonderen Marktschwankungen häufigere Neufestsetzungen üblich. 

Mit Blick auf die besonders starken Preissprünge an deutschen Tankstellen im Vergleich zum europäischen Ausland sprach Klingbeil von einer »wahnsinnigen Abzocke«. Es werde immer offensichtlicher, dass die Mineralölkonzerne versuchten, jetzt mit dieser Kriegssituation Profit zu machen. »Und deswegen sind wir schon in der Pflicht, da politisch mit umzugehen.« 

Leseempfehlung: Trump sucht nach einem Ausweg. Aber zu welchem Preis?

Mit jedem weiteren Kriegstag wird klarer: Trump hat sich in Iran verrannt. Und wird früher oder später mit einem Regime verhandeln müssen, das radikaler und selbstbewusster ist denn je. Lesen Sie hier den Kommentar unseres Kollegen Maximilian Popp

Tausende Tote seit Kriegsbeginn

Weit über 4000 Menschen haben seit Beginn des Irankriegs am 28. Februar ihr Leben verloren. Die Nachrichtenagentur Reuters hat die aktuell bekannten Todeszahlen aus allen am Krieg beteiligten Staaten recherchiert:

  • In Iran sind nach einer Zählung der in den USA ansässigen Menschenrechtsgruppe HRANA bisher 3231 Menschen gestorben, darunter zahlreiche Zivilisten und Kinder. Die iranischen Behörden dagegen veröffentlichten bisher deutlich niedrigere Zahlen.
  • Im Libanon sind durch israelische Angriffe bisher 1039 Menschen ums Leben gekommen, so die libanesischen Behörden.
  • Mindestens 60 Tote meldet der Irak.
  • Israel beklagt nach Angaben israelischer Rettungskräfte bisher 16 Tote durch iranischen Raketenbeschuss. Außerdem kamen vier palästinensische Frauen im Westjordanland bei einem Raketeneinschlag ums Leben. Zwei israelische Soldaten starben im Libanon, ein israelischer Landwirt im Norden des Landes wurde von fehlgeleiteter israelischer Artillerie getötet.

Lufthansa-Airlines fliegen teilweise bis Herbst nicht nach Nahost 

Die Airlines des Lufthansa-Konzerns meiden wegen des Irankriegs viele Ziele in Nahost noch für längere Zeit. Einzelne Flughäfen wie Abu Dhabi, Amman, Beirut, Dammam, Riad, Erbil, Maskat und Teheran sollen bis zum 24. Oktober nicht mehr angeflogen werden, wie das Unternehmen in Frankfurt mitteilt. Es führt dafür Sicherheitsrisiken und betriebliche Gründe an. 

Eine kürzere Frist wählt in dieser Flughafen-Gruppe nur die Direktflugtochter Eurowings, die Beirut und Erbil zunächst nur bis zum 30. April ausgesetzt hat. Die genannten Fristen gelten demnach für die Airlines Lufthansa, Swiss, Austrian Airlines, Brussels Airlines, ITA Airways, Edelweiss und Lufthansa Cargo. Die Flughäfen in Dubai und Tel Aviv sollen sie bis zum 31. Mai nicht anfliegen. Frachtflüge der Lufthansa Cargo und Eurowings-Passagierflüge in Israels Metropole pausieren zunächst bis zum 30. April. 

Anna-Lena Abbott

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auch in den kommenden Stunden halten wir Sie über alle Entwicklungen rund um die Lage im Nahen Osten auf dem Laufenden. Die wichtigsten Ereignisse vom Montag können Sie hier nachlesen.

Mit Material der Agenturen

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