Iran-News heute: Joe Kent packt aus - Zweifel an Krieg wurden von Donald Trump ferngehalten

vor 2 Tage 3

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Überblick: Das ist die aktuelle Lage in Nahost

  • Die Angriffe auf Iran durch Israel und die USA gehen weiter, ebenso die Gegenschläge Irans
  • Israel hat iranische Gasanlagen in »South Pars« angegriffen, dem weltweit größten Erdgasfeld, das sich Iran mit Katar teilt. Iran reagierte mit Attacken auf Anlagen in Saudi-Arabien und Katar
  • US-Präsident Trump versprach, Israel werde »South Pars« nicht mehr attackieren. Zugleich drohte er Iran, die USA würden »South Pars« massiv bombardieren, sollte Iran seine Angriffe auf Katars Gasindustrie fortsetzen.
  • Die gegenseitigen Angriffe auf Energieanlagen trieben die Rohölpreise in die Höhe. Ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Referenzsorte Brent kostete in der Nacht zum Donnerstag rund 110 US-Dollar – etwa sieben Dollar mehr als am Dienstag.
  • Der kürzlich zurückgetretene Chef der US-Terrorabwehr Joe Kent wirft der US-Regierung vor, interne Zweifel an den Luftangriffen gegen Iran nicht bis zu Präsident Donald Trump durchgelassen zu haben.

Francesco Collini

Auslandsressort

Francesco Collini

Zurückgetretener Terrorabwehr-Chef packt über Trumps Kriegsplanung aus

Der kürzlich zurückgetretene Chef der US-Terrorabwehr Joe Kent wirft der US-Regierung vor, interne Zweifel an den Luftangriffen gegen Iran nicht bis zu Präsident Donald Trump durchgelassen zu haben. Kent, der nach eigenen Angaben aus Sorge über den Irankrieg in dieser Woche zurückgetreten war, sagte im Interview mit dem rechten Podcaster Tucker Carlson, ihm und anderen ranghohen Beamten sei »nicht erlaubt« worden, ihre Bedenken direkt beim Präsidenten vorzutragen. Trump habe sich auf einen kleinen Kreis von Beratern gestützt.

Kent behauptete, Israel habe Trumps Entscheidung maßgeblich beeinflusst – obwohl es seiner Darstellung nach keine Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende Bedrohung der USA durch Iran gegeben habe. Israel habe die USA unter Druck gesetzt, indem es mit einem eigenen Vorgehen gedroht und so US-Interessen in der Region gefährdet habe. Kent deutete Aussagen von Außenminister Marco Rubio und dem republikanischen Vorsitzenden des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, als Hinweise in diese Richtung. Wer konkret seinen Zugang zu Trump blockiert habe, ließ er allerdings offen. 

Kents Aussagen über eine »israelische Lobby« in den USA haben Vorwürfe von Antisemitismus nach sich gezogen, lesen Sie hier mehr dazu. Einem US-Medienbericht zufolge steht Kent unter FBI-Ermittlungen. Ihm werde vorgeworfen, geheime Informationen ⁠weitergegeben ⁠zu haben, berichtet das Onlineportal »Semafor« unter Berufung auf drei Insider. 

Die Äußerungen des Ex-Terrorabwehr-Chefs geben einen Einblick in mögliche Spannungen innerhalb der US-Regierung. Trumps Geheimdienstkoordinatorin Tulsi Gabbard erklärte am Mittwoch, die Entscheidung, ob Iran eine Bedrohung darstelle, liege allein beim Präsidenten. Eine Bewertung der aktuellen Angriffe äußerte sie nicht. 

Katar weist Irans Militärattaché aus

Der Golfstaat Katar hat die Militär- und Sicherheitsattachés der iranischen Botschaft sowie deren Mitarbeiter zu unerwünschten Personen erklärt und des Landes verwiesen. Sie seien aufgefordert, Katar innerhalb von 24 Stunden zu verlassen, teilt das Außenministerium mit. Es verwies auf wiederholte »Aggressionen» Irans gegen Katar. 

Das Außenministerium in Doha warnte in seiner Mitteilung, dass andauernde Feindseligkeiten seitens Irans mit »weiteren Maßnahmen zum Schutz der Souveränität, der Sicherheit und der nationalen Interessen des Landes« beantwortet würden. Zuvor hatte Iran Gasanlagen in Katar angegriffen.

Abu Dhabi schließt Öl- und Gasanlage nach Angriff 

Die Behörden in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) haben eine Öl- und Gasanlage im Emirat Abu Dhabi nach einem Raketenangriff geschlossen. Herabstürzende Trümmerteile infolge eines Abwehreinsatzes der Flugabwehr hätten zu Schäden geführt, teilte die Regierung in Abu Dhabi mit.

Betroffen sind demnach die Gasanlage Habshan und ein Ölfeld namens Bab. Es gebe keine Verletzten. Die Behörden nannten zunächst keine weiteren Einzelheiten zur Art und Schwere der Schäden. Es blieb auch unklar, für wie lange die Anlagen geschlossen bleiben sollen.

In einer Mitteilung bezeichnete das Außenministerium der Vereinigten Arabischen Emirate den Angriff als »Terroranschlag«. Solche Angriffe stellen  eine gefährliche Eskalation und einen Verstoß gegen das Völkerrecht dar, hieß es weiter. In der Mitteilung wurde nicht genannt, wer für den Angriff verantwortlich war.

Unbekannte Drohnen über Ministerresidenzen auf Militärbasis in den USA

Über der Militärbasis Fort McNair in Washington sind einem ‌Medienbericht zufolge unbekannte Drohnen gesichtet worden. Auf dem Stützpunkt wohnen US-Außenminister Marco Rubio und Verteidigungsminister Pete Hegseth, berichtet die »Washington Post« unter Berufung auf drei mit der Situation vertraute Personen. Die Herkunft der Drohnen ist den Angaben ​zufolge unklar. 

Die Vorfälle lösen Überlegungen aus, die beiden Minister zu verlegen – dies geschieht ⁠jedoch ⁠bisher nicht. Das US-Militär beobachtet nach Angaben der Zeitung potenzielle Bedrohungen derzeit besonders aufmerksam, das ​Pentagon lehnt ‌eine Stellungnahme aus Sicherheitsgründen ab. 

Holger Dambeck

US-Demokraten warnen vor Atomabkommen mit Saudi-Arabien

Zwölf demokratische US-Abgeordnete haben Außenminister Marco Rubio ​am Mittwoch aufgefordert, bei einem geplanten Atomabkommen ‌mit Saudi-Arabien auf strenge Sicherheitsvorkehrungen zu bestehen. In einem Brief verlangten die Kongressmitglieder, darunter die Senatoren Ed Markey und Jeff ​Merkley, den sogenannten Goldstandard bei der Nichtverbreitung von ⁠Atomwaffen ⁠einzuhalten. 

Die Regierung von Präsident Donald Trump hatte dem Kongress im November mitgeteilt, ein ‌ziviles Nuklearabkommen mit ​Saudi-Arabien anzustreben. Der ‌Entwurf des sogenannten 123-Abkommens öffnet nach Angaben der Kritiker jedoch den Weg für eine Urananreicherung durch ‌das Königreich – ein möglicher Schritt zu Atomwaffen. Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin ‌Salman hatte erklärt, sein ​Land ‌werde Atomwaffen entwickeln, ‌sollte der regionale ​Rivale Iran dies tun.

Holger Dambeck

Saudischer Außenminister fordert Stopp iranischer Angriffe

Saudi-Arabien hat Iran zur Einstellung der Angriffe auf die benachbarten Golfstaaten aufgefordert. Die Angriffe Irans auf seine Nachbarn würden Konsequenzen haben, sagte Saudi-Arabiens Außenminister Faisal bin Farhan laut dem arabischen Sender Al Jazeera nach Beratungen mit den Außenministern arabischer und islamischer Staaten in der Hauptstadt Riad. Mit seinem Verhalten isoliere sich Iran nur weiter. »Ich hoffe, dass sie die Botschaft des heutigen Treffens verstehen, ihre Strategie rasch überdenken und aufhören, ihre Nachbarn anzugreifen«, wurde der saudische Minister zitiert.

Iran greift Saudi-Arabien und die übrigen Staaten am Persischen Golf seit Beginn des von den USA und Israel begonnenen Irankriegs immer wieder mit Raketen und Drohnen an. Irans Begründung, die Angriffe stünden im Zusammenhang mit der Präsenz von US-Militärstützpunkten, sei »nicht überzeugend«, wurde Faisal bin Farhan zitiert. »Die Angriffe Irans auf Nachbarländer waren vorsätzlich, und was wir derzeit beobachten, bestätigt dies.« Man werde »alle uns zur Verfügung stehenden Mittel nutzen – politische, wirtschaftliche, diplomatische –, um diese Angriffe zu stoppen«, sagte er. 

Saudi-Arabien hatte zu dem Außenministertreffen geladen, um sich gemeinsam um die Förderung von Sicherheit und Stabilität in der Region zu bemühen, wie es im Vorfeld hieß. Nach dem Treffen wurde Saudi-Arabien laut Verteidigungsministerium erneut von Drohnen angegriffen. Es seien drei Drohnen im Osten abgefangen und zerstört worden, hieß es in der Nacht auf X. 

Zuvor waren in der Hauptstadt Riad vier Menschen durch herabstürzende Trümmer einer ballistischen Rakete verletzt worden, wie die staatliche Nachrichtenagentur Spa unter Berufung auf einen Sprecher des Zivilschutzes berichtete. Die Trümmer seien auf ein Wohngebiet gefallen. Versuche, zivile Ziele anzugreifen, seien ein klarer Verstoß gegen das Völkerrecht, hieß es.

Holger Dambeck

Trump: Israel greift Irans größtes Gasfeld vorerst nicht mehr an 

Israel wird Irans wichtiges Gasfeld »South Pars« nach Angaben von US-Präsident Donald Trump nicht erneut angreifen. Das schreibt der US-Präsident Trump in einem Post auf der Plattform Truth Social. Bei dem israelischen Angriff sei nur ein relativ kleiner Teil der Anlage in Iran getroffen worden. 

Trump drohte Iran zugleich mit einer massiven Bombardierung des Gasfelds »South Pars«, sollte das Land seine Angriffe auf Katars Gasindustrie fortsetzen. Es werde einen Angriff geben »mit einer Stärke und Schlagkraft, wie Iran es noch nie zuvor gesehen hat«. 

Holger Dambeck

Neuer Angriff auf Schiff im Golf von Oman

Südlich der Straße von Hormus ist ein Schiff im Golf von Oman von einem unbekannten Geschoss getroffen worden. An Bord brach ein Feuer aus. Das teilte die britische Behörde für Sicherheit der Handelsschifffahrt (UKMTO) auf ihrer Website mit.  

Der Vorfall ereignete sich demnach etwa 20 Kilometer vor der Küste der Stadt Chor Fakkan in den Vereinigten Arabischen Emiraten, nahe dem südlichen Eingang zur Meerenge von Hormus. Weitere Einzelheiten zu dem Vorfall waren zunächst nicht bekannt. Es handelt sich um den 16. Angriff auf ein Schiff in der Region seit Beginn des Irankriegs am 28. Februar, der bei der Behörde gemeldet wurde. 

Der von den USA und Israel angegriffene Iran hat zuletzt in der Region wiederholt Schiffe angegriffen. Die Schifffahrt durch die strategisch wichtige Straße von Hormus, die vom Persischen Golf in den Golf von Oman führt, ist daher praktisch zum Erliegen gekommen.

Holger Dambeck

Medienbericht: Trump gegen weitere Angriffe auf Irans Energiesektor

US-Präsident Donald Trump lehnt einer Zeitung zufolge vorerst weitere Angriffe auf die iranische Energieinfrastruktur ab. Trump habe vorab von dem israelischen Schlag gegen das Erdgasfeld South Pars gewusst, berichtet das »Wall Street Journal« unter Berufung auf US-Regierungsvertreter. Er habe den Angriff als Reaktion auf die iranische Blockade der Straße von Hormus gebilligt, hieß es. Sollte Teheran dort weiter vorgehen, schließe der Präsident erneute Attacken auf den Energiesektor jedoch nicht aus. Eine Stellungnahme der US-Regierung lag zunächst nicht vor. 

Israel hatte am Mittwoch das iranische South-Pars-Feld angegrifen. South Pars ist das weltweit größte Erdgasfeld, das sich Iran mit Katar teilt. Teheran drohte offen, Raffinerien, Gasfelder und petrochemische Anlagen in Saudi-Arabien, den VAE und Katar anzugreifen – und noch am Abend nahm Iran Ras Laffan, das Herzstück von Katars Energiewirtschaft, bereits zum zweiten Mal ins Visier. Zudem gab es Attacken auf Energieanlagen in Saudi-Arabien.

Holger Dambeck

Medienbericht: Pentagon beantragt 200 Milliarden Dollar für Irankrieg

Das ⁠Pentagon bittet das Weiße Haus um ‌die Genehmigung eines ​Antrags ‌an den US-Kongress über mehr als 200 Milliarden ‌Dollar zur Finanzierung des ‌Krieges ​in Iran. ‌Dies berichtet ‌die »Washington Post« unter ​Berufung auf ​einen hochrangigen Regierungsvertreter.

Franziska Wunderlich

Newsdesk

Franziska Wunderlich

Katar erklärt iranischen Militärattaché zur unerwünschten Person

Der Sicherheits- und Militärattaché der iranischen Botschaft muss Katar binnen 24 Stunden verlassen, wie das Außenministerium in Doha mitteilte. Die Regierung erklärte den iranischen Botschafter zur »Persona non grata«. Katar begründete die Entscheidung mit wiederholten Angriffen von Iran auf das Land. Zuletzt ist die Industriestadt Ras Laffan Ziel einer Attacke gewesen. 

Omans Außenminister fordert Iran und USA zu Rückkehr an den Verhandlungstisch auf

 
Badr Albusaidi, der Außenminister Omans und Vermittler der jüngsten US-iranischen Nukleargespräche, hat in einem Gastbeitrag im Economist den Kriegseintritt Israels und der USA kritisiert. Der Angriff nur Stunden nach den »bislang substanziellsten Verhandlungen« sei rechtswidrig gewesen. Irans Vergeltung sei unter den gegebenen Umständen unvermeidbar, das Ergebnis inakzeptabel: Die Blockade der Straße von Hormus treibe weltweit die Energiepreise in die Höhe und bedrohe die Wirtschaftsmodelle der arabischen Golfstaaten. Die Sicherheitszusammenarbeit mit den USA erlebten sie nun als akute Verletzlichkeit.
 
Die USA, so Albusaidi, hätten sich von israelischen Versprechen eines schnellen Regimewechsels täuschen lassen und damit die Kontrolle über ihre eigene Außenpolitik verloren. Nun drohe genau der langwierige Bodenkrieg, den Trump stets ablehnte – und den die amerikanische Bevölkerung nicht wolle. Dies sei nicht Amerikas Krieg.
 
Deshalb seien jetzt Amerikas Verbündete gefordert: Sie müssten Washington offen die unangenehme Wahrheit sagen – dass weder die USA noch Iran ein Interesse an einer Fortsetzung dieses Krieges hätten, und dass Amerika in eine Falle getappt sei, aus der es sich befreien müsse.
 
Als Ausweg skizziert er einen konkreten Vorschlag: USA und Iran sollten trotz allem wieder direkt miteinander reden – diesmal aber eingebettet in einen breiteren Prozess, an dem alle Golfstaaten beteiligt sind. Thema wäre die Frage, welche Rolle Atomenergie künftig in der Region spielen soll – ein Interesse, das alle Länder teilen, unabhängig vom Krieg. Ein solcher gemeinsamer Rahmen könne es beiden Seiten politisch leichter machen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, ohne das Gesicht zu verlieren. Oman, das traditionell als neutraler Vermittler gilt, könne diesen Prozess initiieren.​​​​​​​​​​​​​​​​

Franziska Wunderlich

Newsdesk

Franziska Wunderlich

Drei Palästinenserinnen im Westjordanland getötet 

Im Westjordanland sind drei Frauen durch Raketenangriffe aus Iran getötet worden. Mehrere Palästinenserinnen seien zudem verletzt worden, eine von ihnen schwebe in Lebensgefahr, teilte der palästinensische Rote Halbmond mit. Laut der Nachrichtenagentur Wafa wurde ein Schönheitssalon im Ort Beit Awa südwestlich von Hebron getroffen. Israels Armee bestätigte, dass es in der Gegend einen Raketeneinschlag gegeben habe. Nach Erkenntnissen des Militärs handelte es sich um eine iranische Rakete. 

Während es in Israel viele Bunker und Schutzräume gibt, ist das im Westjordanland nicht der Fall. Zudem gibt es keine Warnungen durch Sirenen. 

Franziska Wunderlich

Newsdesk

Franziska Wunderlich

Hisbollah feuert Raketen auf Israels Grenzregion zum Gazastreifen

Die schiitische Hisbollah-Miliz hat erstmals seit Beginn des Irankriegs den Süden Israels angegriffen. Die Raketen schlugen in der etwa 200 Kilometer vom Libanon entfernten Grenzregion in der Nähe des Gazastreifens ein, in der Stadt Aschkelon heulten am Abend die Warnsirenen. Israels Armee bestätigte, dass die Miliz für die Attacken verantwortlich sei. 

Die von Iran unterstützte Schiitenmiliz feuerte auch Raketen auf den Norden Israels. Berichte über Schäden oder Verletzte nach den neuen Angriffen gab es zunächst nicht. 

Kurzanalyse: Ölpreis steigt nach Angriffen auf iranische und katarische Gasanlagen

Die Attacken auf Gasverarbeitungsanlagen in Iran und Katar sowie Sorgen vor Angriffen auf Saudi-Arabiens Ölindustrie treiben die Rohölpreise in die Höhe. Ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Referenzsorte Brent kostete gegen 21.50 Uhr MEZ 111,55 US-Dollar – das sind gut acht Dollar mehr als am Dienstag. Das US-Öl WTI hat sich zeitweise auf mehr als 100 Dollar pro Fass verteuert.

Unbestätigten Berichten zufolge soll Irans Regime nach den israelischen Attacken auf die iranischen Gasförderanlagen Saudi-Arabien gewarnt haben, man werde Raffinerien des staatlichen Ölkonzerns Aramco ins Visier nehmen. Und schon die Einschläge in Ras Laffan, dem Zentrum der katarischen Erdgasindustrie, bedeuten eine neue Eskalationsstufe in diesem Krieg. Womöglich wird Katars Produktion des Flüssigerdgases LNG längere Zeit eingeschränkt sein.

Zudem legt der iranische Angriff auf Ras Laffan nahe, dass in Teheran gerade Hardliner das Sagen haben. Das Regime wird die faktische Blockade der für den Öl- und Gasexport so wichtigen Straße von Hormus wohl nicht so schnell beenden.

Diese Meerenge ließe sich allein mit militärischen Mitteln kaum unter Kontrolle bringen, sagt der Iranstratege S. Clinton Hinote. Er analysierte für die US-Luftwaffe diverse Szenarien für einen bewaffneten Konflikt mit Iran. Und sagt heute: Jeder Versuch, die Straße von Hormuz freizubekommen, ist mit enormen Risiken verbunden. Das SPIEGEL-Interview lesen Sie hier. 

Magdalena Gräfe

Israel soll iranische Marine im Kaspischen Meer angegriffen haben

Laut israelischen Medien soll es im Kaspischen Meer Luftangriffe auf iranische Marineeinheiten gegeben haben. Dabei sollen mehr als fünf Schiffe der iranischen Marine getroffen worden sein. In der iranischen Hafenstadt Bandar Anzali sollen mehreren Berichten zufolge Explosionen beobachtet worden sein. Offizielle Bestätigungen der Ereignisse liegen bisher nicht vor. 

Kurzanalyse: Iran greift Herz von Katars Gaswirtschaft an – das droht jetzt

Eine weitere Eskalation am Mittwochabend: Nachdem Israel wenige Stunden zuvor das iranische South-Pars-Feld getroffen hatte, wird Doha noch tiefer in den Konflikt hineingezogen. South Pars ist das weltweit größte Erdgasfeld, das sich Iran mit Katar teilt. Teheran drohte offen, Raffinerien, Gasfelder und petrochemische Anlagen in Saudi-Arabien, den VAE und Katar anzugreifen – und noch am Abend nahm Iran Ras Laffan, das Herzstück von Katars Energiewirtschaft, bereits zum zweiten Mal ins Visier. 

Katars Innenministerium teilt mit, dass Zivilschutzteams derzeit einen Brand in der wichtigsten Gasanlage des Landes bekämpfen. In einer Erklärung spricht QatarEnergy von »erheblichen Schäden« in der Ras-Laffan-Industriezone. Der Konzern erklärt zugleich, dass es bislang keine Verletzten gebe. Das katarische Außenministerium verurteilte den Angriff als »brutale« Attacke: »Katar betrachtet diesen Angriff als gefährliche Eskalation, als eklatante Verletzung seiner Souveränität und als direkte Bedrohung seiner nationalen Sicherheit«, heißt es.  

Ras Laffan ist das Herz von Katars Gaswirtschaft: Dort stehen fast alle LNG-Anlagen des Landes, das Werk gilt als größter Exportkomplex für Flüssiggas weltweit und liefert etwa ein Fünftel des globalen LNG-Angebots. Wenn dort Anlagen ausfallen oder der Export stockt, fehlen große Mengen am Weltmarkt; Analysten warnen, dass ein längerer Ausfall die Preise weltweit weiter nach oben treiben würde. QatarEnergy hatte seine LNG-Produktion bereits am 2. März ausgesetzt, nachdem die Anlage in Ras Laffan erstmals angegriffen worden war. 

Magdalena Gräfe

Angriffe auf Gasanlagen in Katar und Saudi-Arabien

Nach dem israelischen Angriff auf eine iranische Anlage im größten Erdgasfeld der Welt sind in Katar und Saudi-Arabien Gasanlagen angegriffen worden – offenbar handelte es sich um Vergeltungsschläge Teherans.

Katars staatlicher Energiekonzern QatarEnergy bestätigt Raketenangriffe auf Ras Laffan, einen wichtigen Gaskomplex des Landes. Es sei »erheblicher Schaden entstanden«, schrieb QatarEnergy auf der Plattform X. »Notfallteams wurden umgehend eingesetzt, um die Brände einzudämmen.« Berichte über Opfer liegen demnach bislang nicht vor. Alle Mitarbeiter seien in Sicherheit.

In Saudi-Arabien wurde derweil eine Drohne abgefangen, die sich einem Gasfeld im Osten des Landes näherte, teilte das Verteidigungsministerium in Riad mit. Es sei kein Schaden entstanden. 

Liebe Leserinnen und Leser, der Irankrieg hält die Welt weiter in Atem. Israel und die USA fliegen weiter Angriffe gegen das Regime in Teheran, das seinerseits mit Vergeltungsschlägen antwortet. Die Folgen sind in aller Welt spürbar – spätestens an der örtlichen Zapfsäule. Alle wichtigen Entwicklungen lesen Sie hier. Was am Mittwoch geschah, können Sie hier nachlesen.

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