Mit dem Krieg gegen den Iran hat auch das GPS-Jamming in der Region eine neue Eskalationsstufe erreicht. So wurden am 7. März für über 1650 Schiffe verfälschte Positionsdaten registriert – ein Anstieg von 55 Prozent gegenüber der Vorwoche. Neben der Gefahr durch Raketen und Drohnen sieht sich die Schifffahrt auch verstärkt dem Risiko von Unfällen ausgesetzt, weil andere Schiffe nicht mehr präzise geortet werden können. Zumindest der Flugverkehr hat damit weniger ein Problem: Wegen der Sperrung der Lufträume über der Golfregion weicht dieser größtenteils weiträumig aus.
Das Stören von GPS-Signalen, GPS-Jamming, oder das Aussenden verfälschter Positionsdaten – GPS-Spoofing – gehört inzwischen zu den Standardmaßnahmen bei militärischen Konflikten. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine sind riesige Gebiete über der östlichen Ostsee und am Schwarzen Meer hiervon betroffen. Auch die wiederholten militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten führen dazu, dass es in der östlichen Mittelmeerregion Störungen bei der Satellitennavigation gibt.
30 Jamming-Cluster entdeckt
Das Geschehen rund um die Meerenge am Persischen Golf, der Straße von Hormus, erreicht nach Ansicht des israelischen KI-Unternehmens Windward, das maritime Überwachungslösungen an Reedereien und Behörden vermarktet, eine neue Stufe. So seien mindestens 30 Jamming-Cluster entdeckt worden, die sich über Saudi-Arabien, Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Oman und Iran verteilten und das sowohl auf See als auch über Land. Während vor einer Woche noch kreisförmige Cluster von Schiffen mit falschen Positionsdaten beobachtet wurden, gebe es inzwischen Zickzack-Linien.
Wie bei solchen Konflikten üblich gibt es keine erklärten Verantwortlichkeiten für die Störungen. Militäranalysten haben den Iran als Hauptursache der Störungen in Verdacht. Dieser könnte Equipment aus eigener Produktion und aus Russland oder China einsetzen. Dem Vernehmen nach setzen aber auch die US-Streitkräfte Jamming ein, um ihre Liegenschaften in der Region vor Drohnen und GPS-gestützten Waffen zu schützen.
GNSS-Signale leicht angreifbar
Für die Schifffahrt wirken sich die Störungen negativ auf das Schiffsortungssystem AIS (Automatic Identification System) aus. Besonders nachts und bei schlechter Sicht erhöhe sich die Kollisionsgefahr erheblich. Reedereien greifen laut der britischen BBC auf verschiedene Extra-Systeme zurück, darunter das Eishockey-Puck-große Anti-Jam-Antennensystem Landshield des Herstellers Raytheon. Oder auf eine Lösung der australischen Firma Advanced Navigation, mit der die Position via Gyroskop und optischem Abgleich mit Satellitenbildern erfolgt.
Einmal mehr offenbaren die Störungen die leichte Angreifbarkeit der Signale von Navigationssatelliten. Diese sind so schwach, dass sie leicht gestört werden können. Hinzu kommt, dass sie vielfach unverschlüsselt sind. Experten rechnen damit, dass offene GNSS-Signale langfristig durch sichere Alternativen abgelöst werden. Diese verschlüsseln die Positionsdaten, sodass zumindest das Verfälschen der Daten verhindert werden kann.
(mki)











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