Es begann mit Bomben und Raketen und Drohnen, als Krieg aus der Luft, so war es die ersten fünfeinhalb Wochen, bis zur Waffenruhe. Diese dauert an diesem Dienstag bereits drei Wochen an, und aus dem Luftkrieg der USA und Israels gegen das iranische Regime ist ein Krieg der Nerven geworden. Ein Konflikt, in dem die Kämpfe nach wie vor von Neuem beginnen können. Allerdings auch einer, in dem beide Seiten, US-Präsident Donald Trump wie die iranische Führung, einen Ausweg suchen. Die Suche wird jedoch dadurch erschwert, dass sich beide für den Sieger halten und meinen, sie könnten noch etwas länger durchhalten als der Gegner.
Trump glaubt, das Regime in Teheran sei kriegsbedingt bald pleite, vor allem wegen der US-amerikanischen Seeblockade gegen die iranischen Häfen. Die Iraner ihrerseits gehen davon aus, dass Trump unter Druck steht, weil der Krieg in den Vereinigten Staaten höchst unpopulär ist; sie vermuten, dass der Präsident ihn wird beenden wollen, bevor in den USA der Wahlkampf zu den Zwischenwahlen im Herbst anfängt.
Die Waffenruhe geht weiter – nur jetzt ohne Ablaufdatum
Zu Beginn dieser Woche lässt sich noch immer nur erahnen, wie es im Irankrieg weitergehen könnte. Die letzten Signale aus Washington und Teheran deuten zumindest darauf hin, dass die Kriegsparteien dem Deal-oder-Krieg-Automatismus entkommen wollen. Genau darum war es gegangen, bevor Trump vergangene Woche die Waffenruhe verlängerte.
Trump dachte vorher, er könne Iran mit einem Ultimatum dazu bringen, ein Abkommen zu unterschreiben, in dem das Regime auf das Anreichern von Uran verzichtet. Außerdem sollte es das bereits vorhandene, beinahe waffenfähige Uran ausliefern. Vor allem den zweiten Punkt lehnte die Islamische Republik ab; sie will das Uran höchstens auf eigenem Boden unschädlich machen. Den US-Präsidenten brachte das in die Lage, dass er, mangels einer Einigung, den Krieg wieder hätte aufnehmen müssen, den er längst nicht mehr will.
Jetzt gilt die Waffenruhe weiter, von nun an ohne Ablaufdatum. Am Wochenende sagte Trump die Reise seines Teams zu möglichen Verhandlungen in Pakistan ab, sein Gesandter Steve Witkoff und Schwiegersohn Jared Kushner blieben in den USA. Aber Iran, so Trump, könne ja einfach „anrufen“. Am Montag wollte sich der Präsident im Situation Room des Weißen Hauses mit seinen Mitarbeitern beraten.
Irans Außenminister Abbas Araghtschi setzte währenddessen seine diplomatische Reise fort. Am Sonntag war er noch in Oman, jenem Land, das vor dem Krieg zwischen den USA und Iran vermittelt hatte, und dessen Küste ebenfalls an der blockierten Straße von Hormus liegt. Die Meerenge also, durch die derart viel Öl und etwa auch Düngemittel geschifft werden, dass Iran mit ihr die Welt wirtschaftlich erpressen kann. Man habe, so der omanische Außenminister später, über die „gemeinsame Verantwortung“ für die Schifffahrtsroute gesprochen.
Irans Außenminister will in Russland mit Putin sprechen
Am Montagmorgen landete Araghtschi, nach einem Zwischenstopp in Islamabad, in Sankt Petersburg. Hier stand ein Treffen mit Wladimir Putin auf dem Programm. Russland und die Islamische Republik sind enge Verbündete, nicht erst, seit die Iraner dem Kreml für dessen Krieg gegen die Ukraine ihre Schahed-Drohnen verkaufen. In der Vergangenheit hat Moskau auch schon zwischen Iran und Israel vermittelt.
Glaubt man dem im Weißen Haus gut vernetzten US-Portal Axios, dann hinterlegte Außenminister Araghtschi noch vor seinem Flug nach Russland bei den pakistanischen Vermittlern ein neues Angebot: Man sei bereit, die Straße von Hormus freizugeben. Unter der Bedingung, dass die Trump-Regierung sich auf einen Waffenstillstand einlässt, also eine formelle Zusage, Iran weiterhin nicht anzugreifen. Dann, so der iranische Vorschlag, könne man zu einem späteren Zeitpunkt wieder über das Atomprogramm sprechen.

Bisher hatte das iranische Regime darauf bestanden, dass Trump erst seine Seeblockade gegen Iran beendet. Erst danach wollte man überhaupt wieder mit der US-Seite reden. Zu der Axios-Meldung äußerte sich das Regime nicht, aber bereits am Sonntag war in den regimetreuen iranischen Medien von einem ähnlichen Vorschlag die Rede gewesen: von einem „rechtlichen Rahmen“ für die Straße von Hormus nämlich, verbunden mit Zahlungen an Iran und „Garantien“ seitens der USA gegen einen weiteren Angriff.
Aus iranischer Sicht hätte die Idee mehrere Vorteile. Die unmittelbare Kriegsgefahr wäre abgewendet, und je näher die US-Zwischenwahlen rücken, desto unwahrscheinlicher dürfte es sein, dass Trump ein weiteres Mal Angriffe befiehlt. Wirtschaftlich braucht Iran dringend einen Ausweg aus der derzeitigen Lage. Der Krieg hat die Industrie schwer getroffen, die Inflationsrate steigt, Trumps Seeblockade schadet dem Außenhandel.
Je länger der unbeliebte Krieg in den USA die Öffentlichkeit dominiert, desto schlechter ist das für Trump
Die Atomfrage zu verschieben, würde bedeuten, dass Iran sich von Trumps Druck befreit und zugleich seinen im Krieg gewonnenen Vorteil bewahrt: die Drohung damit, dass ein Krieg gegen Iran teuer zu stehen kommen kann. Und all das zunächst ohne Zugeständnisse beim Atomprogramm.
Auch die US-Regierung hat den Vorschlag bisher nicht kommentiert. Donald Trump glaubt wohl daran, dass seine Seeblockade die Iraner mit jedem Tag mehr belastet – in dem wirtschaftlichen Krieg, zu dem der Konflikt geworden ist. Unwahrscheinlich ist es also, dass Trump schnell auf die iranische Idee eingeht. Andererseits ließe sie ihm, und darauf dürfte die iranische Führung kalkulieren, auch Raum für eine Siegeserzählung.
Iran, so könnte Trump verkünden, habe die Straße von Hormus dank seiner Seeblockade geöffnet. Dem US-Präsidenten würde das erlauben, sich wieder anderen Themen als dem Irankrieg zuzuwenden. Je länger der unbeliebte Krieg die amerikanische Öffentlichkeit dominiert, desto schlechter für Trump.
„Ungefähr vier Wochen“ sollte er dauern, so sagte Trump am Anfang, inzwischen läuft die neunte Woche. Der Nervenkrieg zwischen Teheran und Washington könnte sich noch über Monate ziehen, vielleicht sogar noch länger, mit abwechselnden Phasen von Eskalation und Atomverhandlungen, zwar weniger im Fokus der Welt, aber eben auch nicht gelöst. Für das iranische Regime wäre es nicht das schlechteste Szenario.











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