Berlin, Bahnhof Zoo, 1972. Ein fester grauer Himmel wölbt sich über der Stadt, das Licht ist fahl, am Morgen hängt jetzt wieder diese feuchte Kühle in der Luft. Der Herbst hat den Sommer abgelöst. Bald wird er seinerseits von einem Berliner Winter nicht beiseitegeschoben, sondern beiseitegerammt, das ist in dieser Stadt bis heute so üblich. Kadir Nurman beginnt seine Schicht im Imbiss „Kaukasus“, Hardenbergstraße, er bereitet das Fleisch vor, die Zwiebeln, das Gemüse, den Salat. Wenn er den Blick hebt, sieht er, wie auf dem Bahnhofsvorplatz die Prostituierten allmählich wieder Position beziehen, und er weiß, dass hinter dem Bahnhof zur gleichen Zeit die Stricher auf die ersten Freier warten. Es ist ein trostloser Ort, es ist ein Tag wie jeder andere. Oder doch nicht? Kadir Nurman schneidet, einer Eingebung folgend, ein Fladenbrot auf und füllt es mit Kalbs- und Lammfleisch, dazu ein paar Zwiebeln und etwas Salat, und er sieht, dass es gut ist. Der Döner Kebab ist in der Welt. Schwester Irmingard, die als Dominikanerin Gehorsam versprochen und gelobt hat, und zwar, in dieser Reihenfolge, Gott, der seligen Jungfrau Maria, dem heiligen Dominikus sowie der ehrwürdigen Mutter Priorin, ist zu diesem Zeitpunkt 38 Jahre alt.
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