Der Rücktritt von Jens Spahn als Unionsfraktionschef hat in der CDU eine Kettenreaktion ausgelöst: Kanzleramtsminister Thorsten Frei wird Fraktionschef, Gesundheitsministerin Nina Warken übernimmt die Führung des Kanzleramts und der bisherige CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann wechselt ins Gesundheitsministerium.
Die letzte Personalie kam für einige überraschend, Linnemann hatte sich bisher kaum in der Gesundheitspolitik hervorgetan. Mit ein Grund für seine Berufung dürfte sein, dass der mächtige Landesverband NRW in der CDU nach Spahns Abgang entschädigt werden musste.
Dass er sich wohl auch selbst lange nicht in der ihm nun zugefallenen Rolle sah, bekannte Linnemann ganz offen – in einem Video aus dem Mai 2026. Damals hatte er das Amt des Wirtschaftsministers ausgeschlagen, wollte lieber Generalsekretär bleiben. Die Worte, die er damals ins Mikrofon des Fernsehsenders Phoenix sprach, holen ihn jetzt ein.
„Nur um einmal Minister zu sein, dass das irgendwo bei Wikipedia steht, das ist nicht mein Ding. Ich wäre auch nicht erfolgreich gewesen“, sagte Linnemann. Und weiter: „Wenn Sie mich jetzt aufgestellt hätten, weiß ich nicht, als Gesundheitsminister, wäre ich wahrscheinlich nicht erfolgreich gewesen. Die Leute hätten gesagt: Warum wird der Gesundheitsminister? Was hat der damit zu tun? Und deswegen: Schuster, bleib bei deinen Leisten. Mach das, was du kannst.“
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Jetzt fragen die Leute tatsächlich: „Warum wird der Gesundheitsminister? Was hat der damit zu tun?“ Das dürfte so ziemlich der schlechteste Start ins Amt sein, den man sich vorstellen kann.
Linnemanns Art sorgte schon häufiger für Schlagzeilen
Doch irgendwie passt er zu Linnemann. Der CDU-Politiker aus Paderborn, der seit 2009 im Bundestag sitzt und 2023 von Friedrich Merz zum Generalsekretär der Partei ernannt wurde, ist um klare Worte und spontane Meinungen nicht verlegen und sorgte so schon des Öfteren für Schlagzeilen.
So forderte er etwa 2024, arbeitsunwilligen Bürgergeldempfängern die Grundsicherung vollständig zu streichen, und erntete dafür auch in der eigenen Partei Kritik. Im Wahlkampf forderte er 2025, ein Register für psychisch kranke Gewalttäter anzulegen, und sorgte damit für Empörung. Erst vor wenigen Monaten sagte er live bei NTV, zehn Krankenkassen seien genug.
Nicht jede dieser Forderungen ist zwingend falsch. Aber die Nonchalance, mit der sich Linnemann gerne zu allem Möglichen einlässt, sorgte bei vielen Beobachtern in der Vergangenheit für Verwunderung.
Ein Lieblingsthema Linnemanns außerdem: der Arbeitsmarkt. 2024 sagte er bei NTV: „In Deutschland gibt es gar keine Leistungsbereitschaft mehr.“ Dem RND sagte er 2025, Work-Life-Balance sei nichts Verwerfliches. „Aber man hat manchmal den Eindruck, dass es nicht mehr um Work-Life-Balance geht, sondern um Life-Life-Balance.“ Und in der ARD-Talkshow „Caren Miosga“ ließ er sich auf die Frage, wer in Deutschland zu wenig arbeite, zur Antwort hinreißen, das seien die Rentner.
Sein Motto, das er wie ein Mantra vor sich herträgt, lautet: „Einfach mal machen“. Im Gesundheitsministerium dürfte allerdings vieles gar nicht so einfach zu machen sein. Vorgängerin Nina Warken hinterlässt komplexe Reformvorhaben, die zum Abschluss gebracht werden müssen: die Pflege, das neue Primärversorgungssystem. Es wird an Linnemann liegen, dabei zwischen vielfältigen Interessen zu vermitteln.

vor 6 Stunden
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