Deutschlands Wirtschaft schwächelt. Bei der Frage, wie sie wieder in Schwung gebracht werden kann, steht auch die Arbeitsmoral im Fokus.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte wiederholt betont, dass die Menschen mehr arbeiten müssten. „Mit Vier-Tage-Woche und Work-Life-Balance können wir den Wohlstand nicht erhalten“, sagte der CDU-Chef beispielsweise. Und auch seine Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) löste im vergangenen Sommer eine heftige Kontroverse aus, als sie sagte: „Wir müssen mehr und länger arbeiten.“
Nun äußert sich ein prominenter Wirtschaftsboss in der Debatte. Bosch-Chef Stefan Hartung verteidigt die Menschen in Deutschland gegen den Vorwurf, sie würden zu wenig arbeiten. „Arbeit muss sich lohnen, dann wird auch viel gearbeitet. Ich sehe hier keinen Grund, die Menschen in unserem Land zu kritisieren“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Ich finde nicht, dass in Deutschland zu wenig gearbeitet wird.“
Hartung forderte zugleich Anreize für alle Einkommensgruppen, „beispielsweise eine Stunde in der Woche“ mehr zu arbeiten. Die Steuerlast sei hoch, und alle – von den unteren bis zu den höchsten Einkommen – müssten motiviert dabei sein. „Das sollte man berücksichtigen, wenn man über Entlastung spricht“, betonte er.
Die Regierung muss die Rahmenbedingungen so lange verändern, bis die Investitionsschwäche in Deutschland überwunden ist.
Stefan Hartung, Bosch-Chef
Der Bosch-Chef kritisierte die Ankündigung aus der Regierung, einen Frühling der Reformen zu organisieren. „Eine Jahreszeit wird für die erforderlichen Veränderungen nicht reichen“, sagte er.
„Viele Dinge sind nicht so einfach, wie sie ausgesprochen werden. Mir ist am wichtigsten, dass wir die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft ganz nüchtern bewerten – wie am Maßstab der privaten Investitionen. Die Regierung muss die Rahmenbedingungen so lange verändern, bis die Investitionsschwäche in Deutschland überwunden ist“, sagte der Bosch-Chef.
Konkret forderte Hartung: „Wir brauchen vor allem eine moderne und verlässliche Infrastruktur, eine verkraftbare Belastung der Wirtschaft mit Abgaben, Steuern und Bürokratie und ein leistungsfähiges Bildungssystem – vom Handwerksberuf über den Facharbeiter bis zum Akademiker.“
Arbeitszeitgesetz rückt in den Fokus
Bei der Debatte um den Standort Deutschland geht es auch immer wieder um die Arbeitszeitregeln. „Eine starre Tageshöchstarbeitszeit ist in der heutigen Wirtschaftswelt ein Standortnachteil“, forderte etwa gerade Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger. „Unser Arbeitszeitgesetz stammt aus der Zeit von Wählscheibe und Telex.“
Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Jörg Dittrich, mahnt nun bei der Umsetzung des neuen Arbeitszeitgesetzes Tempo an. „Die Maßnahme steht im Koalitionsvertrag, doch momentan kann ich nicht erkennen, dass die Koalition das umzusetzen anstrebt. Warum das so lange dauert, ist für mich nicht nachzuvollziehen“, sagte Dittrich dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).
Zwar wisse er um die Bedenken der Gewerkschaften. „Aber das ist einer dieser Punkte, wo ich ganz sachlich darum bitte, dass wir es in einem klaren Rahmen einfach mal ausprobieren“, erläuterte er. „Wenn die Gewerkschaften recht haben und es zu Exzessen kommt, dann müssen wir da wieder ran. Bis dahin sage ich: Lasst den Betrieben ein Stück mehr Flexibilität“, so Dittrich.
Zugleich zeigte er sich Überlegungen nicht abgeneigt, einen Feiertag zu streichen. „Wir können nicht nur übers Verteilen reden. Deswegen sollte man Überlegungen dazu nicht von vornherein kategorisch ausschließen“, sagte er. „Es muss allerdings gerecht zugehen“, fügte der Handwerkspräsident hinzu.

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