Der beste Kommentar zu Timothée Chalamets Bemerkung, er würde auf keinen Fall im Ballett oder in der Oper arbeiten wollen, denn da würden Dinge am Leben erhalten, die eigentlich tot seien, ist das Social-Media-Foto, auf dem er eine schwarze Basecap mit dem Schriftzug „New York City Ballet“ trägt.
Im Netz behauptet jeder das eine und sein Gegenteil, man muss nur lange genug warten. Was aber haben das Kappenfoto und das Ballett- und Opern-Bashing zu bedeuten? Thank you, but no thanks? Es ist tot, aber ich halte seine Fahne trotzdem hoch? Sorry, Mom, but no one cares? (Seine Mutter tanzte am Broadway).
Ein genuscheltes „Allen Respekt den Tanz- und Opernschaffenden“, hatte Chalamet schnell hinterhergeschickt, indem er sich theatralisch in die Lehne des Sofas zurückwarf und überlegte, wie viele Follower ihn das wohl kosten würde und ob ihn das auch im Kampf um den Oscar zurückwerfen könnte. Das Gesicht seines Gesprächspartners Matthew McConaughey war unterdessen erstarrt; alles, was ihm einfiel, um die sinnlose Beleidigung zu überspielen, war yeah, yeah, yeah zu stammeln. Yeah?
Für die Opernwelt ist es glimpflich ausgegangen
Schauspieler sind wie Prostituierte, hat mal jemand gesagt. Heute tragen sie deine Kappe, morgen wollen sie sich nicht mit dir gemein machen: „Narr, das ist dein Mützchen nicht!“ (Shakespeare). Wer als erster auf die Idee kam, Schauspieler zum horizontalen Gewerbe zu rechnen, ist unklar. Derjenige könnte sich auf die Antike berufen, als Schauspieler und Prostituierte denselben sozialen Status teilten.

Jedenfalls gibt es mehrere Schauspieler, die von ihrer eigenen Profession derart herabsetzend gesprochen haben sollen. Die KI, deren intellektuelle Unbestechlichkeit und präzise Kenntnisse der Ballettwelt mit Chalamet mithalten können, meint, der Satz stamme vom schrecklichen Klaus, zugleich aber auch von William Holden, der in Hollywood als feiner Kerl galt.
Megan Fairchild, Starballerina des New York City Ballet, rückte die Dinge auf ihre Weise zurecht. In einem Insta-Post sagte sie, es sei ihr nicht bewusst gewesen, dass Chalamet über die außergewöhnlichen Begabungen eines Sängers oder Tänzers verfügt und diese zugunsten seiner Schauspielkarriere vernachlässigt habe. Man sieht ihren Spitzenschuh in seinem Schauspielernacken förmlich vor sich: Physisch sind Tänzer und Opernsänger eben Athleten.
Da das Netz nichts vergisst, erinnert es sich auch an Chalamets Satz, er wäre lieber Sportler als Schauspieler geworden, aber seine Statur habe das nicht zugelassen. Auf Tiktok hieß es, so wie Chalamet im Film „Wonka“ gesungen habe, sei es letzten Endes für die Opernwelt doch glimpflich ausgegangen. Die meisten Reaktionen waren witzig und nicht nachtragend.

Verschiedene Bühnen filmten ihre ausverkauften Häuser und boten an, den Schauspieler auf die Warteliste für Karten zu setzen. Aber er könnte sich von seinen 25 Millionen Dollar Gagen auch einfach eine Privatvorstellung kaufen und unterbrechen, wenn er etwas an den toten Sachen, die von diesen Menschen mit sozial prekärem Status getanzt werden, nicht versteht.

vor 3 Stunden
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