Die ersten EU-Länder reagieren auf die stark gestiegenen Spritpreise. Kroatien und Ungarn setzen auf einen Preisdeckel für Benzin – Österreich peilt Steuersenkungen an.
Aktualisiert am 9. März 2026, 18:32 Uhr Quelle: DIE ZEIT, AFP, Reuters, AP, lgi
Kroatien und Ungarn deckeln als erste EU-Länder die seit Beginn des Iran-Krieges stark gestiegenen Benzinpreise. Der kroatische Regierungschef Andrej Plenković sagte, ab Dienstag werde eine Preisobergrenze von 1,55 Euro pro Liter Diesel gelten, Benzin dürfe nur bis zu 1,50 pro Liter kosten. Auch der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán kündigte einen Preisdeckel an, der ab Mitternacht in der Nacht zum Dienstag gelten solle.
"Wir führen einen geschützten Preis für Benzin und Diesel ein, über den die Einzelhandelspreise nicht hinausgehen dürfen", sagte Orbán in einem Video im Onlinedienst Facebook. Der Preisdeckel werde nur für in Ungarn registrierte Fahrzeuge gelten. Orbán kündigte auch an, dass die Regierung staatliche Reserven freigeben werde.
Wenige Stunden vorher hatte Orbán die Europäische Union aufgefordert, alle Sanktionen gegen fossile Brennstoffe aus Russland aufzuheben. Orbán gilt als enger Partner Russlands. Der rechtspopulistische Regierungschef hatte bereits im November 2021 eine ähnliche Obergrenze für Kraftstoffpreise eingeführt, als die Preise im Zuge der Corona-Pandemie in die Höhe schossen.
In Österreich wird Senkung der Treibstoffsteuern diskutiert
Österreichs Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) forderte angesichts der volatilen Lage, die Treibstoffsteuern vorübergehend zu senken. Die Bundesregierung prüfe und verhandle derzeit intensiv, welches Entlastungsmodell am effektivsten sei, sagte Stocker.
Die Öl- und Gaspreise sind infolge des Krieges in die Höhe geschnellt. Der Ölpreis stieg erstmals seit fast vier Jahren wieder auf mehr als 100 Dollar pro Barrel. Auch der Gaspreis stieg weiter. Grund sind die faktische Sperrung der Straße von Hormus und Angriffe auf Raffinerien unter anderem in Katar, Saudi-Arabien und Bahrain.
G7-Staaten wollen vorerst keine Ölreserven freigeben
Auch innerhalb der G7-Staaten laufen Gespräche, ob man mit einer Freigabe der Ölreserven auf die Lage reagieren soll. Bei einer Videokonferenz am Montag wurde das besprochen – und erstmal abgelehnt. "Wir sind noch nicht so weit", sagte der französische Finanzminister Roland Lescure. In den kommenden Wochen sei eine Freigabe aber denkbar. "Wir haben vereinbart, bei Bedarf alle notwendigen Instrumente einzusetzen, um den Markt zu stabilisieren, einschließlich einer möglichen Freigabe der nötigen Lagerbestände", sagte Lescure.
Ziel einer Freigabe aus den Notfallreserven wäre es, die Versorgung sicherzustellen und den rasanten Preisanstieg einzuschränken. Die Freigabe wird von der Internationalen Energieagentur (IEA) koordiniert, die G7 könnten eine Vorentscheidung treffen.
Klingbeil sieht Preistreiberei
In Deutschland hat nach Regierungsangaben eine Taskforce die Lage im Blick. Kanzler Friedrich Merz (CDU) zeigte sich besorgt über die hohen Energiepreise und die Folgen für die Wirtschaft. Vize-Kanzler Lars Klingbeil (SPD) kritisierte eine "Preistreiberei" der Mineralölkonzerne und forderte unter anderem, dass Spritpreise nur noch einmal pro Tag erhöht werden dürften.
Deutschland hatte Zahlen der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge im November vergangenen Jahres 34,42 Millionen Tonnen Öl auf Vorrat. Ein großer Teil davon ist Rohöl, das nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums vor allem in Norddeutschland gelagert wird. Diesel-, Benzin-, Heizöl- und Kerosinvorräte sind hingegen über das Bundesgebiet verteilt.

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