Ehrung für Herbert Grönemeyer »Knackiger, 70-jähriger Boomer« mit Nationalpreis ausgezeichnet
Herbert Grönemeyer hat den Deutschen Nationalpreis erhalten. In seiner Dankesrede rüffelt er die deutsche Spitzenpolitik, lobt die Zivilgesellschaft und sieht sich selbst in der Verantwortung.
23.06.2026, 18.32 Uhr
Herbert Grönemeyer bei der Verleihung des Deutschen Nationalpreises
Foto: Christoph Soeder / dpaHerbert Grönemeyer, 70, hat nicht nur seinen Handventilator mit Andreas Voßkuhle, dem früheren Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, bei der Verleihung des Deutschen Nationalpreises geteilt. Er hat auch ebendiesen, den Deutschen Nationalpreis, für sein gesellschaftliches Engagement entgegengenommen.
In seiner Dankesrede plädierte Grönemeyer für einen optimistischen Blick in die Zukunft. »Ich bin ein knackiger, mittelalter, weißhaariger, 70-jähriger Mann aus der Boomergeneration. Ich trage eine große Verantwortung für die mir folgenden Generationen und die trage ich gern.« Die Gesellschaft sei »prallvoll mit demokratischen, humanistischen Elementen«, an die gelte es sich zu erinnern, »wie 2015, als die Menschen in ganz Deutschland den Geflüchteten in Notlagen entgegengegangen sind, sie aufgenommen und sich um sie gekümmert haben«.
Gleichzeitig übte er Kritik an der Politik: In den vergangenen 20 Jahren sei vonseiten Deutschlands Spitzenpolitikerinnen und -politikern mit der Bevölkerung »nicht und über nichts gesprochen worden«.
»Frau Merkel schwieg, außer dem ›Wir schaffen das‹, dann wieder Schweigen. Herr Scholz kopierte den Stil, setzte noch einen darauf, sprach kurz von der ›Zeitenwende‹ und verfiel dann wieder ins Stumme«, sagte Grönemeyer. »Und jetzt läuft es sprachtechnisch auch eher noch lückenhaft und holprig. Die jetzige Koalition scheint eher die Ampel in ihrem öffentlichen Gezerre und Gezeter nachzuahmen, anstatt als Regierung zu Kompromissen und klaren weiterführenden Ergebnissen und Entschlüssen zu kommen und zu regieren.«
Er zog einen Vergleich zum Fußball. In der deutschen Nationalmannschaft spielten im Mittelfeld Felix Nmecha von Borussia Dortmund und Aleksandar Pavlović von FC Bayern München, die in der Bundesliga hart konkurrierten. »Aber sie kabbeln sich nicht im Mittelkreis, sondern suchen gemeinsam den direkten Weg zum Tor. So geht das. Wir wollen Taten und kein Getratsche«.

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