Havanna: Kuba meldet erneut einen landesweiten Stromausfall

vor 2 Stunden 1

Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche ist Kubas Stromnetz zusammengebrochen. Ein Ölembargo der USA hat die Energieversorgung des Landes stark verschlechtert.

22. März 2026, 4:27 Uhr Quelle: DIE ZEIT, dpa, AFP,

 Sonnenuntergang in Havanna während des zweiten landesweiten Stromausfalls innerhalb einer Woche.
Sonnenuntergang in Havanna während des zweiten landesweiten Stromausfalls innerhalb einer Woche. © LAURENT THOMET/​AFP via Getty Images

Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche ist es in Kuba zu einem inselweiten Stromausfall gekommen. Nach dem Blackout werde unter schwierigen Umständen an der Wiederherstellung der Energieversorgung gearbeitet, teilte Ministerpräsident Manuel Marrero Cruz mit. Bereits am Montag war das Stromnetz in dem wirtschaftlich sehr angeschlagenen sozialistischen Karibikstaat komplett zusammengebrochen.

Der staatliche Energieversorger, die Unión Eléctrica, die dem Energieministerium untersteht, erklärte später, der Ausfall sei auf eine Störung einer Erzeugungseinheit im thermischen Kraftwerk Nuevitas in der Provinz Camagüey zurückzuführen. "Von diesem Moment an kam es zu einem Kaskadeneffekt in den online geschalteten Maschinen", teilte das Energieministerium mit. Man habe "Mikroinseln" von Erzeugungseinheiten aktiviert, um systemrelevante Einrichtungen, Kliniken und Wassersysteme mit Strom zu versorgen.

Seit drei Monaten erhält Kuba kein Erdöl aus dem Ausland

Auf Kuba ist die veraltete Infrastruktur aufgrund mangelnder Wartung in schlechtem Zustand. Durch ein von US-Präsident Donald Trump verhängtes Ölembargo hat sich die Lage zudem dramatisch verschlechtert. Die Stromversorgung ist von Öl abhängig, und der kubanische Staatschef Miguel Díaz-Canel erklärte, die Insel habe seit drei Monaten kein Öl mehr von ausländischen Lieferanten erhalten. Der Karibikstaat produziert kaum 40 Prozent des Treibstoffs, den er zur Versorgung seiner Wirtschaft benötigt.

In dem Land mit knapp zehn Millionen Einwohnern verschärfen häufige Stromausfälle und Treibstoffmangel die seit Jahren dramatischen Lebensbedingungen der Bevölkerung. Ohne Energie verderben die wenigen verfügbaren Lebensmittel im Kühlschrank. Die Telefon- und Internetverbindung bricht ständig ab. Krankenhäuser müssen ihre Leistungen kürzen. Der Unterricht an Schulen und Universitäten fällt aus. Aufgrund des Kraftstoffmangels sammelt sich der Müll auf den Straßen, weil eine Müllentsorgung nur eingeschränkt möglich ist.

Kubas Regierung verbietet US-Botschaft offenbar Einfuhr von Diesel

Auch die US-Botschaft ist von den Stromausfällen betroffen. Die kubanische Regierung hatte zuletzt einem Bericht der Washington Post zufolge der US-Vertretung eine Einfuhr von Diesel für Generatoren verweigert. Die Botschaft nehme schamlos ein Privileg für sich in Anspruch, das die USA dem kubanischen Volk verwehrten, hieß es.

Seit der Revolution 1959 unter dem linken Revolutionsführer Fidel Castro sind die Beziehungen zwischen Washington und Havanna angespannt. Die kommunistische Regierung Kubas führt die Wirtschaftskrise des Landes auf das seit mehr als 60 Jahren bestehende Handelsembargo der USA sowie auf das aktuelle Ölembargo zurück.

Schon vor dem US-Militäreinsatz in Venezuela im Januar hatte Präsident Donald Trump eine vollständige Blockade für sanktionierte Öltanker mit Lieferungen von Kubas südamerikanischen Verbündeten angeordnet. Auch durch Zolldrohungen an potenzielle Lieferanten schnitt er Kubas Ölzufuhr ab. Trump versucht, wirtschaftliche und politische Veränderungen auf der Insel zu erzwingen und hat eine Übernahme Kubas durch die USA angedeutet. Zugleich führen die Regierungen in Washington und Havanna Gespräche, deren Inhalt nicht bekannt ist. Die Regierung in Havanna hat Änderungen an Kubas politischem System ausgeschlossen.

Gesamten Artikel lesen