Australien Drei Haiattacken in 26 Stunden – Sydney sperrt sämtliche Strände im Norden
Das Meer vor Sydney ist derzeit warm, nach heftigen Regenfällen auch trüb und schmutzig – ideal für einige Haie. Nun kam es binnen weniger Stunden zu drei Angriffen. Zwei Menschen kämpfen ums Überleben, darunter ein Kind.
20.01.2026, 02.19 Uhr
Schilder am Manly Beach weisen darauf hin, dass ein Hai gesichtet wurde – und dass der Strand gesperrt ist
Foto:Steven Markham / AFP
Der Mann war erst wenige Minuten im Wasser, als er angegriffen wurde. Auf seinem Surfbrett war der 27-Jährige am berühmten Manly Beach in Sydney losgepaddelt, es ist Sonntagabend, kurz vor 18.30 Uhr. Die vergangenen Tage hat es heftig geregnet, das Wasser ist trüb und mitten im australischen Sommer warm. Der Mann taucht unter den ersten Wellen hindurch und macht Halt in der Nähe von zwei anderen Surfern, die wie er auf den perfekten Moment warten. Dann gibt es plötzlich eine heftige Bewegung im Wasser direkt neben ihm – er wird von einem Hai attackiert.
Eine Strandkamera hat die Szene festgehalten. Die zwei anderen Surfer helfen dem 27-Jährigen, zurück an den Strand zu kommen. »Der Mann war vor Schmerz wie gelähmt, aber noch bei Bewusstsein, und ich habe ihm immer wieder gesagt, er solle nicht auf sein Bein schauen«, sagte einer der Helfer der lokalen Nachrichtenseite »Manly Observer« .
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Am Strand wird der verletzte Surfer von Ersthelfern versorgt, darunter Rettungsschwimmer und zufällig anwesende Ärzte. Kurz darauf erreichen mehrere Krankenwagen und ein Helikopter den Strandabschnitt North Steyne. Die Helfer führen über einen längeren Zeitraum eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durch, auch ein Defibrillator kommt zum Einsatz. Der Mann hat viel Blut verloren, noch am Strand wird er mit Spenderblut versorgt, von Krankenwagen und der Polizei eilig herbeigeschafft. »13 Einheiten Blut sind eine Menge Blut für einen Patienten«, sagte Christie Marks, stellvertretende Leiterin des Rettungsdienstes im Bundesstaat New South Wales, der Tageszeitung »Sydney Morning Herald« (»SMH«).
Der Surfer wird schließlich ins Krankenhaus gebracht und am Bein operiert. Am Dienstagmorgen (Ortszeit) ist sein Zustand Berichten zufolge noch immer kritisch.
Eine Attacke in Dee Why, eine weitere am Shark Beach
Der Fall sorgt derzeit in Sydney für große Aufregung. Auch, weil die Haiattacke von Manly die dritte in nur 26 Stunden war:
Ebenfalls am Montag wurde nur etwa sechs Kilometer weiter nördlich in Dee Why ein Elfjähriger im Meer von seinem Surfbrett gestoßen – das Brett wies zahlreiche Bissspuren auf, ein Teil fehlte komplett. Der Junge blieb unverletzt. »Körperlich geht es mir gut, aber ich bin natürlich ziemlich erschüttert, und das Brett hat eine große Delle und ein paar Bissspuren abbekommen«, sagte er dem »Manly Observer« . Experten gehen nach ersten Untersuchungen davon aus, dass die Bissspuren von einem Bullenhai stammen. Das stimmt auch mit Berichten von Augenzeugen überein.
In unmittelbarer Nähe war erst im vergangenen September ein Surfer von einem Hai getötet worden.Am Sonntagnachmittag wurde ein Zwölfjähriger am Shark Beach im östlichen Stadtteil Vaucluse von einem Hai angegriffen und schwer an seinen Beinen verletzt. Seine Freunde halfen ihm, zurück zum Strand zu kommen. Er liegt derzeit im Krankenhaus, sein Zustand ist weiter kritisch. Berichten zufolge war er von einem beliebten Felsvorsprung etwa sechs Meter tief ins Wasser gesprungen und wurde dann von einem Bullenhai angegriffen.
»Diese Häufung von Angriffen, drei Angriffe innerhalb von rund 24 Stunden, das ist in Sydney beispiellos«, sagte Steve Pearce, Geschäftsführer von Surf Life Saving NSW dem »SMH«.
Der Felsvorsprung am Shark Beach, von dem aus Jugendliche gern ins Wasser springen
Foto:Sitthixay Ditthavong / AAP / dpa
Dee Why gehört wie Manly zu den sogenannten Northern Beaches , die Region liegt nördlich der Innenstadt und umfasst mehr als die Hälfte aller Strände Sydneys. Nach den Haiattacken wurden sämtliche dieser Strände für 48 Stunden gesperrt. »Die Strände sind unsicher«, sagte Pearce. »Zu Ihrer eigenen Sicherheit sollten Sie in den nächsten 48 Stunden nicht schwimmen gehen.«
In den vergangenen zehn Jahren gab es offiziellen Angaben zufolge in Australien durchschnittlich 20 Hai-Zwischenfälle pro Jahr, bei denen Menschen verletzt wurden; und durchschnittlich 2,8 Todesfälle pro Jahr. Für den Menschen sind vor allem drei in der Region heimische Arten gefährlich: Tigerhaie, Bullenhaie und Weiße Haie.
Mitte 2025 ergab eine Studie der James Cook University in Queensland, dass Bullenhaie im Sommer etwa 15 Tage mehr vor der Küste Sydneys verbringen als noch vor 15 Jahren. Die steigenden Meerestemperaturen laden die Haie zum Bleiben ein – sie stellen damit zunehmend eine Gefahr für Schwimmer und Surfer in der Region dar (mehr dazu hier). Zu den wärmeren Temperaturen kommen in Sydney derzeit noch ein weiterer Faktor hinzu, der die Haiaktivitäten verstärkt: Nach Rekord-Regenfällen ist das Wasser trüb und teilweise dreckig. In der Kombination sind das ideale Jagdbedingungen für Bullenhaie.

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