Grünen-Politikerin Zoe Mayer: Schöner debattieren

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Da war doch nix, sagt Zoe Mayer. Und die Landtagswahl in Baden-Württemberg, bei der ihre Partei am Ende um einen halben Prozentpunkt vor der CDU lag, habe das bestimmt nicht entschieden, meint die Grünen-Bundestagsabgeordnete in den „Badischen Neuesten Nachrichten“: „Wenn ein einzelnes Video eine Wahl entscheiden könnte, dann hätten wir ein grundsätzliches Problem“, die Menschen hätten „sehr bewusst gewählt“, wenn sie „das Wort von der Schmutzkampagne höre“, müsse sie sich „schon sehr zusammenreißen“.

Eine Kampagne sei das nicht gewesen

Man muss indes schon recht naiv sein, wollte man ihr die Erklärung abkaufen, sie habe das acht Jahre alte Video, auf dem der CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel von den „rehbraunen Augen“ einer Schülerin schwärmt, zwei Wochen vor der Wahl allein deshalb gepostet, um eine – immer berechtigte – Debatte über Sexismus in der Politik „anzustoßen“ und sonst nichts. Eine Kampagne sei das nicht gewesen, dann „wäre man ganz anders vorgegangen – strategischer und professioneller“.

Strategisch und professionell muss man die Sache allerdings gar nicht angehen, das erledigt sich über Social Media, ist eine Story erst einmal gepostet, von selbst. Das macht die Runde, wird geteilt und gelikt und führt nicht unbedingt zu einer „Debatte“, sondern meist zu einem Shitstorm, der dann auch denjenigen oder diejenige treffen kann, der oder die etwas in Umlauf bringt. Das müsse man als Politiker schon abkönnen, zitierte die Moderatorin von „ZDF heute live“ einen User dazu. Teilt man diese Auffassung, muss man das aber auch gegen sich selbst gelten und sich mit Mist eindecken lassen.

Dass das ZDF zurzeit einen Lauf hat, der sich auf Social Media widerspiegelt, sah man in der betreffenden Sendung auch. In der Grafik zur künftigen Sitzverteilung im Stuttgarter Landtag war der Balken der AfD (35 Sitze) nur unwesentlich größer als jener der SPD (10). Das veranlasste den früheren CDU-Bundestagsabgeordneten Wolfgang Bosbach auf Linkedin zu der viel beachteten Einlassung: „Mich würde ernsthaft interessieren, was der Grafiker/die Grafikerin des ZDF beruflich so macht.“ Auch das ergab eine rege Debatte.

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