Nach dem Rückzug des US-Präsidenten von geplanten Zöllen gegen EU-Staaten legen die Aktienmärkte kräftig zu. Industrievertreter mahnen, eine Entwarnung sei fehl am Platz.
Aktualisiert am 22. Januar 2026, 11:50 Uhr Quelle: DIE ZEIT, dpa, Reuters, lk
Die europäischen Aktienmärkte haben nach dem Rückzug von US-Präsident Donald Trump von seinen Zolldrohungen deutlich zugelegt. Der Dax stieg um 1,3 Prozent auf 24.878 Punkte, nachdem er in den Vortagen bis auf 24.349 Punkte gefallen war und seit seinem Rekord bei 25.507 Punkten rund 4,5 Prozent verloren hatte. Auch der MDax und der europäische Leitindex EuroStoxx 50 erholten sich.
Trump hatte am Mittwochabend überraschend angekündigt, die für den 1. Februar geplanten Strafzölle von zehn Prozent auf Waren aus acht europäischen Staaten nicht zu erheben. Als Begründung verwies er auf ein Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte in Davos, bei dem die Grundlage für eine künftige Vereinbarung über Grönland und die Arktisregion geschaffen worden sei. Details zu dem angekündigten Rahmenabkommen sind bisher nicht bekannt.
Die Zolldrohungen waren Teil von Trumps Bemühungen, die zu Dänemark gehörende Arktisinsel Grönland unter US-Kontrolle zu bringen. Trump hatte in den vergangenen Wochen auch militärische Gewalt nicht ausgeschlossen, diesen Einsatz in Davos jedoch ausdrücklich verneint.
Auto-Aktien legen deutlich zu
Insbesondere Autowerte profitierten von der Kehrtwende. Der europäische Branchenindex stieg um bis zu 3,4 Prozent, Volkswagen legte als Spitzenreiter im Dax um 5,5 Prozent zu. Porsche, Continental, Mercedes-Benz und BMW verzeichneten deutliche Kursgewinne. Auch die Ölpreise legten leicht zu: Ein Barrel der Nordseesorte Brent verteuerte sich um 0,14 Prozent auf 65,33 Dollar, die US-Sorte WTI kostete mit 60,75 Dollar 0,21 Prozent mehr. Der Goldpreis hingegen fiel um bis zu 1,3 Prozent auf 4.772 Dollar je Feinunze, nachdem er am Vortag ein Rekordhoch von 4.887,82 Dollar erreicht hatte.
"Noch sind nicht viele Details zum geplanten Abkommen zwischen den USA und der Nato bekannt", schrieb Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners. Ob das Grönland-Thema dauerhaft zur Zufriedenheit aller gelöst werden könne, bleibe offen. Für die Börsen sei zunächst entscheidend, dass die angedrohten Zusatzzölle am 1. Februar nicht in Kraft träten.
Deutsche Industrie vorsichtig erleichtert
Die deutsche Industrie reagierte erleichtert, warnte jedoch vor verfrühter Euphorie. "Entwarnung ist fehl am Platz", sagte der Präsident des Großhandel- und Exportverbandes BGA, Dirk Jandura. Was Trump heute verkünde, könne morgen schon wieder Makulatur sein. Die Unberechenbarkeit beschädige das Vertrauen in die Handelsbeziehungen nachhaltig. Wolfgang Niedermark vom Industrieverband BDI begrüßte den Verzicht auf die zusätzlichen Zölle und führte ihn auf die gemeinsame Linie der EU zurück.
Weitere Entwicklungen zu Trumps Drohungen gegenüber Grönland lesen Sie in unserem Liveblog.

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