Olympische Spiele in Deutschland, das gab es seit 1972 nicht. Berlin, Hamburg, München und die Rhein-Ruhr-Region bemühen sich mittlerweile um neue Bewerbungen. Dabei ist nun eine Diskussion darüber entbrannt, ob Deutschland sich für die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2036 bewerben sollte – 100 Jahre nach den Nazi-Spielen von Berlin. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hält eine Ausrichtung 2036 für problematisch, wie der SPIEGEL erfuhr. Altkanzler Gerhard Schröder stellt sich nun gegen die Sicht seines SPD-Parteifreundes.
»Der Bundespräsident sieht das Jahr 2036 als historisch problematisch für eine deutsche Bewerbung an«, erfuhr der SPIEGEL aus dem Bundespräsidialamt. 1936, genau 100 Jahre zuvor, hatte das nationalsozialistische Deutschland unter Adolf Hitler die Olympischen Sommerspiele ausgetragen und als Propagandaveranstaltung missbraucht. »Der Bundespräsident hofft auf die Ausrichtung der Spiele in den Jahren 2040 oder 2044 in Deutschland«, sagte ein Sprecher des Bundespräsidialamts.
Altkanzler Schröder schaltet sich nun über das Onlinenetzwerk LinkedIn in die Debatte ein . Auf der Plattform veröffentlichte er einen handschriftlich verfassten Brief sowie ein KI-generiertes Bild, das die Olympischen Ringe neben einer Deutschlandflagge zeigt.
Schröder erinnert an Olympia 1972
»Die Bedenken des Herrn Bundespräsidenten gegen eine Austragung der Olympischen Spiele 2036 in Deutschland sind gewiss ernst zu nehmen«, schreibt Schröder: »Gleichwohl teile ich sie nicht.« Im Gegenteil könnten Olympische Spiele 2036 Deutschland die Chance eröffnen, »der Weltöffentlichkeit, aber auch der jungen Generation in Deutschland, deutlich zu machen, was wir als demokratisches Deutschland aus unserer Geschichte gelernt haben.«
Weiter schreibt Schröder: »Wir haben allen Grund auf diesen Teil unserer Geschichte stolz zu sein und das der Weltöffentlichkeit auch deutlich zu machen.« Die Olympischen Spiele 1972 in München seien bis zum Attentat, bei dem eine palästinensische Terrorgruppe elf israelische Olympiateilnehmer ermordete , »fröhlich und weltoffen«, gewesen. Der »Geist von München« gehöre »zum Besten, was diese Spiele in Deutschland und für unser Land nach außen bewirken können«, schreibt Schröder.

vor 3 Stunden
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