Zwischen Verachtung und Faszination: So beschreibt der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom seine Haltung zu US-Präsident Donald Trump in seinen Memoiren. Newsoms autobiografisches Buch »Young Man in a Hurry« (Junger Mann in Eile) ist am Dienstag in den USA erschienen, der Politiker befindet sich derzeit auf einer Werbetour dafür. In Deutschland veröffentlichte der Verlag S. Fischer das Buch am Mittwoch unter dem Titel »Mein Leben für die Demokratie«.
Der 58-jährige Newsom gilt als einer der lautstärksten Gegenspieler Trumps im Lager der Demokratischen Partei – und als möglicher Präsidentschaftskandidat 2028. In seinem mit einem Ghostwriter verfassten Buch schildert er sein eigenes Entsetzen und das seiner Frau Jennifer, als Trump 2016 der Wahlsieg gegen Hillary Clinton gelang: Sein »schlimmster Albtraum« sei wahr geworden, schreibt Newsom. Der Ausdruck in Trumps Gesicht sei der eines Mannes gewesen, »der nicht glauben kann, dass der Betrug, den er am amerikanischen Volk verübt hat, tatsächlich erfolgreich gewesen ist«.
»In Trumps Gegenwart ging es mir nicht anders als jedem anderen. Das heißt, ich war nicht unbeeindruckt von der Macht seines Amtes oder von seiner Eloquenz, wenn es um Bullshit und Schmeicheleien ging.« Für Trump zählten allerdings weder Fakten noch Menschen und ihre Gefühle, führt der Gouverneur von Kalifornien aus. Dem früheren Reality-TV-Star und Immobilienmogul sei »vor allem das Äußere wichtig, (...) die Bühne, die Kulisse«.
Alkoholprobleme, Scheidung, Affäre
In dem Buch schildert Newsom seinen Weg ins Gouverneursamt von Kalifornien als hindernisreich. Er beschreibt seine Lesestörung, seine Alkoholprobleme und sein wechselhaftes Beziehungsleben. »Kein Leben verläuft geradlinig«, sagte der Demokrat über sein Buch in einem Video, das er bei Instagram hochlud. »Bei mir ist das nicht anders.« So schreibt er unter anderem über seine erste Ehe, die nach vier Jahren endete. Und über eine Affäre, die er nach seiner Scheidung hatte – mit einer Mitarbeiterin, die mit seinem Vize-Stabschef verheiratet war. »Die dümmste und auch kürzeste Affäre«, wie Newsom schreibt.
Seine Memoiren widmete er seiner zweiten Ehefrau, Jennifer Siebel, und den vier gemeinsamen Kindern.
Kritikerinnen und Kritiker werfen Newsom vor, sein privilegiertes Aufwachsen in den Memoiren kleinzureden. Sein Vater William Newsom war ein einflussreicher Jurist und hatte enge berufliche wie private Kontakte zum damaligen Ölkonzern Getty. Newsoms Eltern ließen sich scheiden, als er noch klein war. Seine Mutter starb im Alter von 55 Jahren.

vor 2 Stunden
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