Fußball-WM: Erlebt Italien sein nächstes Fußball-Desaster? Die Playoffs im Überblick

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Es ist das große Finale der europäischen WM-Qualifikation: Vier Plätze für die Fußball-WM in den USA, Mexiko und Kanada sind noch zu vergeben. Am Abend stehen sich acht Teams in vier K.-o.-Duellen gegenüber (20:45 Uhr, TV: Dazn), acht Teams, acht Hoffnungen, aber nur vier Träume werden wahr. Was Sie vor den Spielen wissen sollten.

Bosnien-Herzegowina – Italien: Große Angst

 Star und Italiens Schreck?

Edin Džeko: Star und Italiens Schreck?

Foto: Hannah McKay / REUTERS

Rund 13.000 Menschen passen in das Stadion »Bilino Polje« in Zenica, ziemlich genau in der Mitte des Landes und damit im Herzen Bosnien-Herzegowinas. Es ist ein lautes Stadion, manche nennen es feindselig gegenüber Gästen; die deutsche Mannschaft kam dort vor zwei Jahren in der Nations League zu einem 2:1-Sieg. Edin Džeko, 40, Sturmgigant und Topstar der Bosnier, sagte vor dem Abendspiel: »Italien hat Angst.«

Erlebt Italien hier sein nächstes Fußballdebakel? An einem Ort, an dem es am vergangenen Wochenende noch einmal einen so starken Wintereinbruch gegeben hat, dass der Rasen in einem derart schlechten Zustand sein soll, dass Italien auf das Abschlusstraining in der Arena verzichtet hat?

Nationaltrainer Gennaro Gattuso hat vor einem WM-Aus und den Konsequenzen gewarnt. Die WM 2018 verpassten die Italiener, das Turnier 2022 in Katar ebenfalls; ein drittes Mal ohne Italien – das wäre ein historischer Einschnitt für den viermaligen Weltmeister. Der einstige Zweikämpfer Gattuso, erst seit sieben Spielen im Job, müsste dann wohl direkt wieder gehen.

Besonders gewarnt hat Gattuso vor Džeko. Der Schalker trifft auch auf eine alte sportliche Heimat: Gut neun Jahre lang jagte der Angreifer in Italien Toren nach, zunächst bei der AS Roma, dann bei Inter Mailand und vor seinem Wechsel zum FC Schalke bei der AC Florenz. In 379 Pflichtspielen für die italienischen Clubs erzielte er 152 Treffer.

Schweden – Polen: Die Auferstehung

 Desaster 2025, Happy End 2026?

Schwedens Fußballer: Desaster 2025, Happy End 2026?

Foto: Alberto Saiz / AP / dpa

Gegen die Schweiz zweimal verloren, gegen Kosovo zweimal verloren, zwei Unentschieden gegen Slowenien, Letzter in der WM-Qualifikationsgruppe, den Trainer zwischendurch entlassen. Kann man so zur WM fahren? Schweden kann, es fehlt nur noch ein Sieg gegen Polen.

Es ist eine kleine Auferstehungsgeschichte, die die schwedischen Fußballer erzählen – und die sie mit dem 3:1 am vergangenen Donnerstag im Playoff-Halbfinale gegen die Ukraine überhaupt erst möglich gemacht haben. Diese Geschichte erzählt auch etwas über die immer weiter aufgeblähten Turniere im Fußball und die vielen Winkel im Modus: Erstmals findet eine WM mit 48 Teams statt, die Kontinente dürfen mehr Länder entsenden. So weit, so klar.

Und weil Schweden zwar 2025 Letzter in der WM-Qualifikation war, aber 2024 seine Nations-League-Gruppe mit der Slowakei, Estland und Aserbaidschan gewann und einer der vier besten Gruppensieger der Nations League war, die noch nicht zur WM qualifiziert waren, bekamen die Skandinavier von der Uefa eine Wildcard für die Playoffs. (Alles verstanden?)

Lange Rede, kurzer Sinn: Schweden erlebte 2025 eigentlich ein desaströses Jahr und könnte nun trotzdem ein Happy End bekommen.

Im Weg steht ein Altmeister: Robert Lewandowski, 37, zwischenzeitlich aus der Nationalmannschaft zurückgetreten, will mit Polen auch zur WM.

Kosovo – Türkei: Asllanis Entscheidung

 In Deutschland aufgewachsen, im Herzen der Heimat seiner Eltern verbunden

Fisnik Asllani: In Deutschland aufgewachsen, im Herzen der Heimat seiner Eltern verbunden

Foto: Branislav Racko / IMAGO

Fisnik Asllani, 23, ist in Berlin geboren, er spielte für die deutschen U18- und U20-Junioren. Heute ist der Angreifer der TSG Hoffenheim mit acht Saisontreffern und sieben Torvorlagen einer der interessantesten Stürmer der Bundesliga.

Vielleicht hätte sein Weg auch einmal in die DFB-A-Mannschaft geführt, vielleicht sogar schon jetzt zur WM. Doch im Dezember 2023 entschied er sich für die Heimat seiner Eltern, 2024 lief er erstmals für die Nationalmannschaft des Kosovo auf. Es sei eine Herzensentscheidung gewesen, sagte Asllani damals.

Eine Entscheidung, die am Abend mit einer WM-Teilnahme belohnt werden könnte. Nach einem 4:3 im Halbfinale in der Slowakei, bei dem Asllani ein Tor erzielte, wartet nun die Türkei.

Der Kosovo könnte sich erstmals für eine WM qualifizieren. Die Türkei wäre zum ersten Mal seit 2002 wieder bei einer WM dabei; damals wurde die Auswahl Dritter.

Tschechien – Dänemark: Mexiko ruft

 Hoffnungsträger und Idol

Dänemarks Christian Eriksen: Hoffnungsträger und Idol

Foto: Liselotte Sabroe / AFP

Es wird viel über die WM in den USA geschrieben, doch im Sommer wird auch in Kanada und Mexiko gespielt. Und der Sieger dieses Playoff-Endspiels darf sich auf eine besondere Reise gefasst machen: Er erhält den letzten offenen Platz in Gruppe A, mit zwei Partien in Guadalajara und Mexiko-Stadt. Zwischendurch geht es nach Atlanta im US-Bundesstaat Georgia.

Es wären stimmungsreiche Spiele für den Sieger, denn Gruppe A ist gleichbedeutend mit der Gruppe des Mitausrichters Mexiko. Am dritten Spieltag käme es im Aztekenstadion zum direkten Duell. Kein schlechter Anreiz.

Favorisiert dürfte Dänemark sein: Im Halbfinale gewannen die Dänen 4:0 gegen Nordmazedonien; kein anderes Playoff-Team setzte sich so deutlich durch. Tschechien hingegen musste im Halbfinale ein 0:2 gegen Irland aufholen und siegte erst im Elfmeterschießen.

Die einen schossen sich in einen Rausch, die anderen mussten leiden. Beides sind gut erlernte Eigenschaften, um ein Finale zu überstehen.

Neben den vier europäischen Duellen finden noch zwei internationale Spiele um die letzten beiden WM-Plätze statt. Um 23 Uhr (MESZ) steht die DR Kongo Jamaika gegenüber und in der Nacht auf Mittwoch (5 Uhr) spielt der Irak gegen Bolivien. Somit wird am Mittwochmorgen endgültig feststehen, in welcher Besetzung die erste Fußball-WM mit 48 Teams stattfindet.

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