Katja Kahle, Fahrlehrerin:
»Wir bleiben bitte auf der Vorfahrtstraße.«
Heute ist die 17. Fahrstunde von Tina Glasow.
Katja Kahle, Fahrlehrerin:
»Die Idee ist gut: Blinken. Dann wollen wir mal schauen, dass wir den jungen Mann da nicht über den Haufen fahren.
Der Führerschein gilt inzwischen fast als Luxusgut – oder zumindest als sehr, sehr teuer.
Katja Kahle, Fahrlehrerin:
»Schön blinken. Denk' dran. Wir wechseln ja den Fahrstreifen.
Glasow hat bislang knapp 2000 Euro ausgegeben – und noch ist kein Ende in Sicht.
Katja Kahle, Fahrleherin:
»Links. Auf deinem Fahrstreifen, hier. Der hält«
Die Kosten für die »Fahrerlaubnis der Klasse B für Pkw bis 3,5 Tonnen« steigen seit Jahren – Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder von der CDU will das jetzt ändern.
Berlin, 11.2.2026
Patrick Schnieder, Verkehrsminister:
»Wir sind angetreten, gemeinsam mit den Ländern, den Führerschein günstiger zu machen. Er kostet im Moment 2400 Euro in manchen Regionen bis zu 4000 oder sogar 4500 Euro.«
Schnieders umstrittener Plan: Ein Teil der Fahrausbildung soll privat stattfinden und nicht mehr in den Fahrschulen. Eltern, Freunde oder Bekannte lehren das Autofahren, das ist die Idee. Also Laien-Unterricht und weniger Fahrstunden.
Katja Kahle, Fahrlehrerin:
»Ups. Falsches Pedal. Wenn dann bei der Laienausbildung der Fahrschüler Gas und Bremse verwechselt, was durchaus vorkommt, sollte man wissen, was man auf dem Beifahrersitz zu tun hat.«
Allerdings gibt es für den Beifahrer im Privatwagen keine extra Pedale zum Eingreifen im Falle der Fälle. In den Fahrstunden ist das Alltag.
Katja Kahle, Fahrlehrerin:
»Die Bremse ist schon eines unserer wichtigeren Utensilien, die wir brauchen. Und ich glaube, der Fahrschüler fühlt sich auch besser, wenn auf der anderen Seite die Bremse ist.«
Tina Glasow, Fahrschülerin:
»Ja, ja. Definitiv. Man ist so ja schon unsicher, man hat ein bisschen Angst, aber wenn man weiß: Okay, der Fahrlehrer kann auch bremsen im Notfall, fühlt man sich doch ein bisschen besser«
Katja Kahle hat die Fahrschule im Hamburger Norden von ihrem Vater übernommen. Insgesamt drei Fahrlehrer arbeiten hier. Seit der ersten Ankündigung einer Fahrschulreform im Oktober 2025 sind die Anmeldungen um rund die Hälfte eingebrochen.
Fahrschülerin:
»Es ist halt schon ein Luxusgut. Ich kenne viele, die sagen, ich warte jetzt, es soll ja günstiger werden. Ich habe gesagt: »Scheiß drauf, ich mach das einfach.«
Katja Kahle, Fahrlehrerin:
»Auch die Leute, die schon angemeldet sind, die verschieben jetzt den Anfang ihrer Ausbildung, weil den Menschen suggeriert wird, dass das den Führerschein günstiger machen wird.«
Birgit Großekathöfer, SPIEGEL:
»Glauben Sie, dass das den Führerschein günstiger machen wird?«
Katja Kahle, Fahrlehrerin:
»Nein, ehrlicherweise nicht. Nicht mit den Maßnahmen, die da jetzt auf dem Papier stehen.«
Eine weitere Spar-Idee aus dem Verkehrsministerium: Fahrschulen sollen in Zukunft den Theorieunterricht online anbieten können. Die Schüler würden selbstständig lernen und dann direkt die Theorieprüfung ablegen können. Ein guter Vorschlag?
Fahrschülerin:
»Ich persönlich bin eher ein Fan davon, die Theoriestunden in Präsenz zu machen, weil man dann nochmal nachfragen kann und sehr viel Input von den Lehrern an sich bekommt, auch von früheren Fahrstunden, die sie gemacht haben.«
Fahrschülerin:
»Ich finde schon, wenn man in der Fahrschule sitzt, passt man schon besser auf, dann sitzt man vielleicht am Handy, dann dauert das Lernen total viel länger.«
Aber würde Onlineunterricht den Führerschein denn wenigstens günstiger machen?
Katja Kahle, Fahrlehrerin
»Auch der Onlineunterricht macht sich nicht von alleine. Auch da muss ein Fahrlehrer stehen und den halten. Der kriegt das gleiche Gehalt. «
Birgit Großekathöfer, SPIEGEL:
»Der Verkehrsminister hat gesagt, Sie könnten dann die Miete sparen.«
Katja Kahle, Fahrlehrerin:
»Ja, das ist richtig, aber ich habe ja auch noch ein Büro, ich habe auch noch einen Simulator, der ja auch gewünscht wird. Wo soll ich das alles lassen? Natürlich brauche ich einen Raum.«
Fahrschülerinnen wie Tina Glasow müssen bislang nicht nur in der Stadt üben, sondern auch sogenannte »Sonderfahrten« machen. Die will der Verkehrsminister reduzieren.
Katja Kahle, Fahrlehrerin:
»Jetzt kannst du weiterfahren, der Erste ist ja weg.«
Statt vier Pflichtstunden auf der Autobahn soll es künftig nur noch eine geben. Was sagt die Fahrlehrerin dazu?
Katja Kahle, Fahrlehrerin:
»Ob der Gesetzgeber jetzt sagt eine oder vier, ist im Prinzip völlig egal, weil der Fahrschüler muss so viele Stunden machen, bis er es kann. Deshalb glaube ich nicht, dass es das günstiger oder teurer macht. Bei uns kosten die besonderen Ausbildungsfahrten genau dasselbe wie eine Fahrstunde.«
Für Tina Glasow geht die Fahrstunde langsam zu Ende. Die letzte Übung für heute: Rückwärts einparken.
Katja Kahle, Fahrlehrerin:
»Wenn du jetzt zu viel Gas gibst, dann wäre es schon günstig, in die Bremse zu kommen.«
Tina Glasow, Fahrschülerin:
»Ja.«
Katja Kahle, Fahrlehrerin:
»Mit Gefühl. Noch ein Stück. Ja.«
Birgit Großekathöfer, SPIEGEL:
»Frau Kahle, wie war es jetzt?«
Katja Kahle, Fahrlehrerin:
»Ja, anstrengend. Viel Verkehr, Feierabendverkehr. Ich kann natürlich nicht sagen: Sie geht morgen zur Prüfung, aber es geht in die richtige Richtung.«
Bis zur Prüfung wird Tina Glasow noch etwa 30 Fahrstunden à 65 Euro benötigen. Damit läge sie im Stunden-Durchschnitt für eine Fahranfängerin in einer Großstadt. Besteht sie die Prüfung, wird sie insgesamt um die 4000 Euro für den Pkw-Führerschein bezahlt haben.
Und wann wird das alles eventuell günstiger? Die Führerscheinreform liegt noch in weiter Ferne. Ende März müssen sich Bundesländer und Ministerium erst einmal auf ein Maßnahmenpaket einigen. Bislang sind die Sparvorschläge nur die Ideen des Verkehrsministers.
Bei Katja Kahle steigen die Preise derweil weiter. Um ihre Fahrschule am Laufen zu halten, muss sie ab März den Fahrstundenpreis erhöhen – von 65 auf 69 Euro.

vor 1 Stunde
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