Frauke Brosius-Gersdorf schreibt Buch über gescheiterte Wahl zur Verfassungsrichterin

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Die Juraprofessorin Frauke Brosius-Gersdorf verarbeitet den politischen Streit über ihre Kandidatur für das Bundesverfassungsgericht in einem Buch. »Mir ist es wichtig, die Politisierung der Richterwahl noch einmal aufzuarbeiten und zu zeigen, welche Kampagnen wie gewirkt haben«, sagte sie der Nachrichtenagentur dpa. Das Buch soll unter dem Titel »Wahl und Wahrheit« am 1. September erscheinen.

Brosius-Gersdorf war von der SPD für das Amt als Richterin am Bundesverfassungsgericht vorgeschlagen worden. Doch die Union hatte erhebliche Vorbehalte. Es kam zum Streit innerhalb der Koalition, die Wahl wurde abgesagt. Brosius-Gersdorf war unter anderem wegen Positionen zum Abtreibungsrecht in sozialen Medien angegriffen worden. Im August 2025 verzichtete sie schließlich auf ihre Kandidatur.

Die SPD schickte daraufhin Sigrid Emmenegger ins Rennen. Emmenegger wurde im zweiten Anlauf zur Richterwahl zusammen mit Ann-Katrin Kaufhold und Günter Spinner zu neuen Verfassungsrichtern gewählt. Brosius-Gersdorf ist stattdessen weiterhin Inhaberin des Lehrstuhls für Öffentliches Recht an der Universität Potsdam.

»Aus Fehlern lernen«

Brosius-Gersdorf sprach nun von einer »absoluten Ausnahmesituation« für sie und ihren Mann im Sommer 2025. »Das Ganze ist ein Stück Zeitgeschichte. Eine solche Politisierung und Instrumentalisierung der Wahl von Richtern für das Bundesverfassungsgericht hat es vorher nicht gegeben«, sagte sie.

Brosius-Gersdorf sagte weiter, es dürfe nicht sein, dass sich solch ein Fall wiederhole. »Weil dann das Bundesverfassungsgericht und die rechtsstaatliche Demokratie schweren Schaden nehmen können.« Alle Beteiligten sollten aus den Fehlern lernen. »Deshalb geht es in dem Buch auch um Vorschläge, was wir ändern können, damit es in Zukunft besser läuft. Beim Verfahren der Richterwahl, bei den Medien, der Debattenkultur und dem Umgang mit Frauen«, so Brosius-Gersdorf.

Brosius-Gersdorf: Ein Mann wäre anders behandelt worden

In der vergangenen Woche hatte Brosius-Gersdorf bereits kritisiert, dass sie in der Debatte anders behandelt worden sei, als es bei einem Mann der Fall gewesen wäre. »Was mich eigentlich im Nachhinein am meisten gestört und verstört hat, ist, dass mir von Medien, aber auch aus Reihen der Politik vorgeworfen wurde, dass ich überhaupt öffentlich aufgetreten sei als Wissenschaftlerin«, sagte sie beim Ludwig-Erhard-Gipfel der Weimer Media Group. Ihr sei Aktivismus sowie ein politisches Wirkungsbedürfnis vorgehalten worden.

Sie sei »exponiert, profiliert und selbstbewusst« gewesen. Bei einem Mann wären diese Eigenschaften als souverän, durchsetzungsstark und Führungsqualitäten gewertet worden, sagte sie.

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