Noch gibt es keine neue Adresse. Die aktuelle in der Frankfurter Hedderichstraße 114 ist eine prägende für die deutsche Literaturgeschichte seit 1945 gewesen, genau wie die Lindenstraße, wo der Suhrkamp-Verlag saß, bis er 2010 nach Berlin zog. Nun folgt ihm auch S. Fischer, das andere berühmte Verlagshaus, das in Berlin gegründet wurde und bis 2027 seinen Hauptsitz dorthin verlegen will.
Die Nachricht traf an diesem Mittwoch, wie man aus dem Haus hört, eine überraschte Belegschaft, die nun den Schock erst mal verkraften muss, bevor die Umzugsvorbereitungen beginnen. 115 Menschen arbeiten aktuell in Sachsenhausen, hat Verlagsleiter Oliver Vogel im Interview mit der F.A.Z. erklärt, bis 2028 sollen es noch ungefähr 40 sein, in Berlin wird man mit dem Hörbuchverlag Argon zusammenziehen.
„Wir hoffen, dass möglichst viele mitkommen werden“, sagte Vogel, keine glückliche Formulierung, Vogel schloss allerdings Stellenabbau und Sparprogramm sogleich aus. Dass man sich per Umzug verkleinern wollen könnte, weil manche lieber freiwillig kündigen, sei unwahrscheinlich, auch das ist jetzt aus dem Umfeld des Verlags zu hören, weil die Identifikation mit ihm so stark sei. Aber Bindungskraft ist das eine, Immobilienkredite und Familienleben das andere.
Berliner Gegenwartsdirektverkabelung
Und deshalb zieht man nach Berlin, als sei dort das Internet besser? Tatsächlich aber wirkt die Hauptstadt als Magnet für Autorinnen und Autoren, für Literaturagenturen – alles ist schon da oder kommt bald, egal wie die Mieten steigen – wie ein Symbol auch für die literarische „Monokultur“ (Vogel) von heute: Der Vertrieb über den klassischen Buchhandel ist zusammengebrochen, Monopolisten dominieren, fünf gut verkaufte Bücher reichen nicht mehr, um als Verlag gut dazustehen.
„Am Ende sind es oft die zwei, drei megaerfolgreichen Titel, die man hat oder eben nicht hat“, sagt Claudia Häußermann, CEO der Holtzbrinck-Buchverlage, jetzt dem „Börsenblatt“: „Fischer steht tatsächlich unter größerem Druck als die anderen Verlage und muss sich in Teilen neu erfinden.“
Um diese Neuerfindung zu forcieren, setzt der Verlag, allen digitalen Buzzwords zum Trotz, also auf ein analoges Mittel – und beendet das räumliche Hin und Her zwischen Berlin und Frankfurt. Das zwar, wie man hört, lange gut funktioniert habe, aber nicht die notwendige Euphorie erzeuge, die es jetzt braucht, um diese zwei, drei Titel, auf die es ankommt, zu pushen. Es ist nicht die Aura Berlins, der Fischer hinterherzieht, es ist die Hoffnung auf Veränderung durch Veränderung.

vor 13 Stunden
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