Laut einem Bericht hat das Weiße Haus seine Mitarbeiter am 23. März angewiesen, keine Wetten an Finanzmärkten abzuschließen. Ungewöhnliche Prognosefälle häufen sich.
10. April 2026, 2:03 Uhr Quelle: DIE ZEIT, Reuters, mm
Das Weiße Haus hat seine Mitarbeiter in einer E-Mail vom 23. März davor gewarnt, ihr Insiderwissen zu missbrauchen, um Gewinne zu machen. Das berichtete das Wall Street Journal (WSJ) unter Berufung auf ungenannte Quellen. Wetten auf Termingeschäfte, die auf Insiderwissen beruhten, sollten unterlassen werden, hieß es darin. Die Ankündigung sei wenige Stunden nach Trumps verschobenem Ultimatum für den Iran erfolgt. Das Weiße Haus bestätigte die Echtheit der Warnung, schrieb das WSJ.
Seit Wochen gibt es Berichte darüber, dass Angestellte des Weißen Hauses ihr Insiderwissen nutzen, um an der Börse Gewinne zu machen. Etwa 15 Minuten vor der plötzlichen Kursänderung von US-Präsident Donald Trump war es am 23. März an den Terminmärkten zu einer mysteriösen Welle von Aktivitäten gekommen. Laut Dow Jones Market Data wechselten Öl-Futures-Kontrakte im Wert von mehr als 760 Millionen Dollar in weniger als zwei Minuten den Besitzer.
Kryptogestützte Prognosemärkte sind eine neue Versuchung
Wie das Wall Street Journal berichtete, gibt es keine Beweise für Informationslecks oder darauf, dass Personen innerhalb der Regierung Insiderinformationen für Wetten nutzen. Allerdings stellten kryptogestützte Prognosemärkte eine vergleichsweise neue Versuchung für Bundesbedienstete und Personen mit politischem Insiderwissen dar. Auf Prognosemärkten können Nutzer auf alles Mögliche wetten – von Sport bis hin zu weltpolitischen Ereignissen – und sich ihre Gewinne anonym auszahlen lassen.
Auf der laut eigener Angabe weltweit größten Prognoseplattform Polymarket erzielten kürzlich drei Konten einen Gewinn von mehr als 600.000 Dollar, indem sie richtig auf den Zeitpunkt des iranischen Waffenstillstands in dieser Woche setzten. Kritiker des Präsidenten, darunter viele Demokraten, folgerten umgehend, dass jemand von Vorabinformationen über den Kurswechsel profitiert habe.
Händler setzten in ungewöhnlicher Weise auf fallende Ölpreise
Zudem setzten Anleger, nur wenige Stunden bevor die USA und der Iran den Waffenstillstand verkündeten, rund 950 Millionen Dollar auf fallende Ölpreise, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Dieser Vorgang sei nicht an sich ungewöhnlich, da Händler solche großen Positionen nutzen, um große Volumina des physischen Ölhandels abzusichern. Ungewöhnlich sei aber die Art und Weise, wie diese Geschäfte getätigt wurden; nämlich nicht wie sonst üblich, indem Orders über viele Börsen hinweg platziert werden. Auch seien keine Broker beauftragt worden, um die Order über viele Stunden hinweg algorithmisch auszuführen. Dies ist üblicherweise so, um zu vermeiden, dass die Wetten die Preise beeinflussen.
Der Irankrieg ist nicht das erste politische Ereignis, bei dem sich der Verdacht des Insider-Tradings aufdrängt. Im Januar hatte ein unbekannter Händler seine Einsätze darauf verdoppelt, dass Nicolás Maduro bald als Staatschef Venezuelas abtreten würde – weniger als fünf Stunden vor dessen Festnahme. Die Wetten auf Polymarket brachten dem Händler einen Gewinn von mehr als 400.000 Dollar ein. Und im Februar waren in Israel mehrere Personen verhaftet worden, darunter Reservisten der Armee, weil sie angeblich geheime Informationen genutzt hatten, um auf Polymarket Wetten auf israelische Militäroperationen abzuschließen.

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