Falsches Stipendium: Der Kunst-Residency-Betrug

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Vor ein paar Wochen erhielten massenweise Künstler eine E-Mail von Emily Hart. Es war die Bestätigung für ein Aufenthaltsstipendium im August in Georgien, und die Künstler dachten kurz, ein Traum sei wahr geworden: zwei Wochen in einem malerischen Schloss mit 40 weiteren Künstlern. Alle Ausgaben wären von den Organisatoren gedeckt, inklusive An- und Abreise.

Doch die Freude hielt nur einen kurzen Moment an. Viele wurden misstrauisch, sobald sie ins Internet schauten. Mehr und mehr Künstler posteten auf Instagram Videos mit Tränen ungläubiger Enttäuschung in den Augen: Sie berichteten, dass sie sich so gefreut und gedacht hätten, jetzt gehe ihre Karriere richtig los, endlich hätten sie einmal Glück in diesem hart umkämpften Markt, nur um dann festzustellen, dass es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um einen groß angelegten Betrug handelte.

Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Denn auch diejenigen, die sich gar nicht auf die Residency beworben oder den Bewerbungsprozess vor Bezahlung der 25-Dollar-Bearbeitungsgebühr abgebrochen hatten, bekamen die Bestätigung, dass sie ausgewählt worden seien. Die Organisation, für die Emily Hart angeblich arbeitet, nennt sich „Abstract Magazine“ und betreibt eine Instagram-Seite mit 1,1 Millionen Followern, auf der manchmal Frauen in sehr kurzen Hosen vor Rothko-Bildern posieren und abstrakte Maler vorgestellt werden, sowie eine lieblose Website, auf der drei Interviews mit Künstlern zu finden sind. Die Organisation behauptet nach wie vor, dass die Residency im August stattfinden wird und dass das Vorgehen vollkommen normal sei. Auf Reddit sprechen viele Künstler von „Gaslighting“ und davon, dass ihre E-Mails mit Fragen nicht zugestellt wurden.

Nicht alle, die sich beworben hatten, mussten die 25 Dollar bezahlen. Vieles ist unklar: unter anderem, ob die Massen-E-Mail ein Hack war oder eine gezielte Aktion, um weitere Bewerber dazu zu bringen, die Gebühr zu bezahlen. Klar ist hingegen, dass diese Residency niemals das Sprungbrett zu einer internationalen Karriere gewesen wäre. Der schleierhafte Vorgang zeigt, wie groß die Hoffnung nach Sichtbarkeit und Anerkennung im internationalen Kunstbetrieb ist und wie manche versuchen, davon zu profitieren.

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