Erster deutscher Gegner: Ob Curaçao in der Kabine Cocktails serviert?

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Man soll ja nicht unken, aber es gibt Fußballspiele, vor allem in den Vorrunden großer Turniere, die muss man sich schöntrinken. Aber womit? Dass Sport und Alkohol eigentlich nicht zusammenpassen, wissen selbst Fußballexperten wie der Weißbier-Waldi.

F.A.Z.

Dennoch soll es Spieler geben, die dem Alkoholgenuss nicht abgeneigt sind. Über Wolfgang Overath hat Torwartlegende Sepp Maier einmal gesagt, der Overath, immerhin wie Maier selbst Teil der Weltmeistermannschaft von 1974, schieße immer nur mit links und habe sein rechtes Bein einzig und allein, damit er beim Bierholen nicht umfalle. Aber seit damals hat der Fußball bekanntlich enorme Professionalisierungsschübe erfahren: Heute gibt es keine Spieler mehr, die sich ihr Bier selber holen müssen. Das würden ihre Physiotherapeuten gar nicht zulassen.

Vielleicht dürfen die Spieler ja immerhin noch ihre Cocktails selber mixen. Das geht schließlich auch ohne Füße. Einen „Blue Lagoon“ zum Beispiel, oder einen „Blue Hawaiian“ oder auch einen „Swimming Pool“, der 1979 von dem berühmten (Bar-)Keeper Charles Schumann erfunden worden sein soll – in München, damals wie heute Hauptstadt der Fußballbewegung.

All diese Mixgetränke basieren auf einem vornehmlich aus Bitterorangen hergestellten Likör, der nach der Heimat der Mannschaft benannt ist, die am Sonntag den ersten Gegner Deutschlands bei dieser Weltmeisterschaft stellt: Curaçao. Der autonome Inselstaat in der Karibik zählt zu den sogenannten „kleinen Ländern“, von denen bei dieser Weltmeisterschaft dank eines gierigen kleinen FIFA-Strolches besonders viele zum Zuge kommen.

Dabei nannten die gierigen kleinen Strolche um den spanischen Glücksritter Alonso de Ojeda, als sie 1499 die Insel entdeckten, diese zunächst Isla de los Gigantes, also Insel der Riesen. Die Angehörigen des indigenen Arawak-Volkes, das damals auf der Insel lebte, waren ihnen als besonders groß gewachsen erschienen.

Heute leben etwa 160.000 Menschen, die sich selbst als Curaçaoënaars oder auch als Dushi bezeichnen, auf Curaçao. Im vergangenen Jahr kamen etwa zehnmal so viele Touristen hinzu, ohne dass bislang je von touristenfeindlichen Ausschreitungen zu hören gewesen wäre. Wir schaffen das, scheinen sich die Dushi zu sagen. Was in Deutschland los wäre, wenn Jahr für Jahr mehr als 800 Millionen Touristen ins Land kämen, möchte man sich lieber nicht ausmalen.

Falls man den deutschen Spielern aber gesagt haben sollte, dass Curaçao auf Curaçao zu den Grundnahrungsmitteln zählt und bereits zum Frühstück genossen wird, analog zum Weißbier in Bayern, so war das ein abgefeimter Versuch, die als weltoffen, aber auch als allzu gutgläubig bekannte deutsche Equipe zu täuschen und in Sicherheit zu wiegen. Ein deutscher Fußballprofi sollte auf dergleichen nicht hereinfallen. Sonst kostet es ihn am Ende noch den Weltmeistertitel, den er doch eigentlich schon in der hoffentlich eisgekühlten Tasche hat.

In der WM-Kolumne „Freistoß“ beleuchten wir die Welt des Fußballs aus feuilletonistischer Sicht.

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