In den Markt für gebrauchte Elektroautos kommt Bewegung. Er habe sich in bemerkenswertem Tempo »vom Nischensegment zu einem etablierten Markt mit wachsendem Angebot, transparenten Preisen und verlässlichen Qualitätsstandards entwickelt«, sagt Patrick Plötz vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung.
Vor fünf bis sechs Jahren seien noch kaum gebrauchte Fahrzeuge verfügbar gewesen, doch die hohen Neuzulassungszahlen der Jahre 2020 und 2021 führten nun zu einem substanziellen Angebotsanstieg. »Die typischen Nutzungszyklen betragen drei bis vier Jahre«, erklärt Fraunhofer-Forscher Plötz. Deshalb kommen ihm zufolge Anfang des Jahrzehnts gekaufte Elektroautos jetzt auf dem Gebrauchtwagenmarkt an.
Das deckt sich mit Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes: In den ersten vier Monaten des laufenden Jahres wechselten bundesweit knapp 120.000 gebrauchte Stromer den Eigentümer. Das waren fast doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum 2025 und fast dreimal so viele wie von Januar bis April 2024.
Modellvielfalt nimmt zu
Der Elektroautoanteil an den Gebrauchtwagenzulassungen ist in Deutschland zwischen April 2025 und April 2026 von 3,0 Prozent auf 7,7 Prozent gestiegen, hat die umweltorientierte Verkehrsorganisation International Council on Clean Transportation (ICCT) ermittelt. Besonders auffällig sei der Anstieg seit dem Beginn des Irankriegs gewesen, als die Spritpreise stark zu steigen begannen.
Der Run auf gebrauchte E-Autos dünnt deren Angebot offenbar schon spürbar aus. Nach Angaben des Online-Verkaufsportals mobile.de verringerte sich die Zahl der Angebote für gebrauchte Elektroautos auf dem Portal von März bis April dieses Jahres um 17,6 Prozent. Zugleich sei die Zahl der Standtage (die Zeitspanne, die ein unverkauftes Fahrzeug beim Händler auf dem Hof steht) für neue und gebrauchte Elektroautos um rund 9,5 Prozent zurückgegangen. Das sei ein »klares Indiz dafür, dass die Nachfrage nach E-Autos zuletzt sehr hoch war«, teilte das Unternehmen dem SPIEGEL mit.
Nicht nur die Zahl der angebotenen gebrauchten Elektroautos, auch die Vielfalt an Modellen ist im Vergleich zum Anfang des Jahrzehnts größer geworden. Vom kompakten Stadtfahrzeug bis zum leistungsstarken Mittelklassemodell gebe es eine »breite Auswahl alltagstauglicher Fahrzeuge mit soliden Reichweiten und guten Ladeleistungen«, sagt Fraunhofer-Forscher Patrick Plötz. Ein typisches Argument gegen Elektroautos – höhere Preise – gelte für den Gebrauchtwagenmarkt kaum: »Gebrauchte Elektrofahrzeuge bewegen sich preislich weitgehend auf dem Niveau vergleichbarer Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.«
Ein Grund dafür könnte sein, dass neue Elektroautos in den ersten Jahren deutlich schneller an Wert verlieren als Verbrenner, wie Zahlen des Marktbeobachters Deutsche Automobil-Treuhand zeigen. Für den Preis spielt der Kilometerstand laut Fraunhofer keine allzu große Rolle. Eine Verdopplung der jährlichen Fahrleistung führe lediglich zu einem Preisrückgang von etwa zwei Prozent, ergab die Analyse der Forscher.
Bei mobile.de kosteten gebrauchte Elektroautos im April dieses Jahres im Schnitt 34.220 Euro. Das sei ein Preisrückgang um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, teilte das Unternehmen mit.
Eine wichtige Sorge beim Kauf gebrauchter Elektroautos ist der Batteriezustand. Dazu sagt Fraunhofer-Forscher Plötz: »Die häufig geäußerten Bedenken gegenüber der Batterie lassen sich durch aktuelle Daten weitgehend entkräften«, sagt er. »Moderne Batteriesysteme sind deutlich langlebiger und verlässlicher als lange angenommen.« Die Kapazität sinke typischerweise nur um ein bis zwei Prozentpunkte pro Jahr. Insgesamt zieht Plötz ein positives Fazit. »Gebrauchte E-Autos machen den Umstieg bezahlbar – mit viel Auswahl, kalkulierbaren Preisen und geringeren Unsicherheiten.«

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