Magnetisch gehaltene Küchenmesser: Schärfer machen sie mehr Freude
Foto: mai saki / Moment / Getty ImagesDieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde.
Elektrische Messerschleifer sind meist teuer, manuelle Modelle erfordern oft viel Geduld und Fingerspitzengefühl, wenn man damit edle Klingen wieder auf Spitzenschärfe bringen will. Doch viele der im Alltag üblichen Haushaltsmesser benötigen einen solchen Aufwand nicht. Sie lassen sich auch mit sogenannten Durchziehschärfern, bei denen man die Klingen mehrmals durch unterschiedliche Schleifmittel zieht, rasch und unkompliziert scharf halten. In unserem Test hat sich gezeigt: Trotz der oft günstigen Preise solcher Geräte können sich die Ergebnisse sehen lassen.
Diese vier Modelle haben wir getestet:
Zwilling V-Edge, UVP 54,95 Euro
Lantana Smart Sharp, Straßenpreis ab 19 Euro
Rösle Messerschärfer, UVP 17,95 Euro
Dick Magneto Steel HyperDrill II, UVP 118,40 Euro
Wenn das immer stumpfer werdende Küchenmesser rasch wieder auf Alltagsschärfe gebracht werden soll, kommen oft einfache Schleifhilfen wie Wetzstahl, Schleifstein oder sogar der raue Keramikboden einer Kaffeetasse zum Einsatz. Diesen Utensilien gemein ist, dass sie stets einen Tick härter und rauer sind als das Klingenmaterial, von dem gezielt ein paar Mikrometer abgeschliffen werden, um das Messer wieder scharfzumachen.
Aus demselben Grund sind die Oberflächen von Durchziehschärfern mit Diamantstaub oder Keramikpartikeln beschichtet oder bestehen aus extrem hartem Wolframkarbid. Bei Modellen wie den weiter unten getesteten Systemen von Lantana und Rösle sind sogar alle drei Materialien verbaut. Der V-Edge des Messerspezialisten Zwilling arbeitet dagegen mit zwei langen, V-förmig angeordneten Keramik-Schleifsteinen, die wahlweise mit unterschiedlichen Körnungen für gröberen und feineren Schliff eingesetzt werden können.
Obwohl das Gerät mit 21 cm Höhe und 20 cm Breite ein ziemlich großer Brocken ist, muss man es beim Schleifen mit einer Hand fixieren. Es ist allerdings groß genug, um die Klinge dabei nicht zu sehr in die Nähe der Finger zu bringen.
Das Arbeiten mit dem V-Edge ist so simpel wie effektiv: Klinge am Griffende einführen, mit leichtem Druck die gefederten Schleifsteine auseinanderdrücken und die Klinge in voller Länge durchziehen. Das geht ohne viel Kraftaufwand, und der dabei entstehende Materialabtrag an der Schneide ist groß genug, um ein nicht allzu stumpfes Messer mit 10 bis 15 Zügen zu einer brauchbaren Alltagsschärfe zurückzubringen.
So gut wie alle Durchziehschärfer haben einen festen, nicht veränderbaren Schneidenwinkel von 20° für die typischen europäischen Küchenmesser. Deshalb kann man mit Geräten dieser Bauart auch keine japanischen Klingen schärfen, weil die nahezu immer einen Schleifwinkel von ca. 15° haben. In diesem Punkt ist der V-Edge die erste Wahl für alle, bei denen beide Klingenarten im Messerblock stecken. Mit praktischerweise im Gerätesockel verstauten alternativen Schleifstabadaptern lässt sich der Zwilling mit wenigen Handgriffen auf den jeweils anderen Winkel umbauen.
Die quadratischen Schleifstäbe, bei denen man nach und nach alle vier Seiten benutzen kann, bis mit der Zeit schließlich alle abgenutzt sind, haben uns ebenfalls gut gefallen. Doch Vorsicht: Die Stäbe sind zerbrechlich, müssen sorgsam gehandhabt werden. Dafür kann man sie für ca. 10 € pro Stück nachkaufen. Dieser modulare Aufbau rechtfertigt den im Vergleich hohen Preis des V-Edge, der dadurch aber potenziell auch eine lange Lebensdauer haben kann.
Leider trifft das nur auf die Flexibilität des Schleifmaterials zu, weniger auf das Gehäuse. Bei einem ansonsten so gut durchdachten Konzept ist es unverständlich, warum Zwilling nicht nur den Sockel, sondern auch den oberen Bereich mit dem Messerschlitz aus einem für diese Stelle viel zu empfindlichen ABS-Kunststoff gefertigt hat. Selbst wenn man die Klinge vorsichtig vom oberen V-Schlitz nach unten zieht, trifft die Schneide in der Alltagshektik oft auf den Plastikkopf und lässt ihn früher alt aussehen, als einem das lieb sein kann. Schade, dass dieser Bereich nicht aus Hartgummi oder schnittfestem Kunststoff gefertigt ist. Oder, wie beim Dick HyperDrill (siehe unten), mit Metall beschlagen wurde.
Dennoch halten wir den Zwilling V-Edge für einen der besten Durchziehschärfer auf dem Markt. Er eignet sich für alle, die ihre Messer mehrmals wöchentlich auf einen ausgesprochen hohen Schärfegrad nachziehen wollen und auf ihrer Küchenarbeitsfläche ausreichend Platz dafür haben.
Was kostet das? UVP 54,95 Euro, Straßenpreis ca. 45 Euro
Der Smart Sharp gehört, zusammen mit vielen baugleichen oder -ähnlichen Tools, zu den wohl meistverkauften Durchziehschleifern. Das liegt am guten Preis-Leistungs-Verhältnis sowie der schubladentauglichen Bauweise. Wie alle manuellen Schärfer kann man auch mit diesem Modell beliebige Schneiden, außer Keramik und Scheren, bearbeiten. Und zwar unabhängig davon, ob man Rechts- oder Linkshänder ist. Sogar beidseitiger Wellenschliff ist kein Problem, solange die Zacken nicht zu eng beieinanderstehen. Der Lantana liegt mit seinem matten Kunstoff und den Fingermulden am Griff auch bei leicht schmierigen Handflächen ausgezeichnet in der Hand und hat mit seinen Gummi-Auflageflächen einen rutschsicheren Stand.
Drei Aussparungen im Kopfteil beherbergen je ein V-förmiges Schleifmittel im europäischen Festwinkel von 20°: ultraharte Diamantbeschichtung für den Erstschliff gekerbter oder stumpfer Klingen (hoher Materialabtrag), Wolframkarbid für den Hauptschliff sowie die mit etwas weicherer Keramik beschichteten Schleifstäbe für die Polierphase. Das System stößt bei komplett verhunzten Schneiden mit größeren Kerben allerdings an seine Grenzen. Solche Messer sind beim Profi-Schleifbetrieb besser aufgehoben.
Der Smart Sharp schärft nicht nur zuverlässig 20°-Schneiden aller Art, er ist auch ein Langläufer: Wir haben ihn seit mehreren Jahren in einer Ferienwohnung als Allein-Schleifer in der Besteckschublade, und das Schleifergebnis hat bis heute kaum nachgelassen. Bei ganzjährigem täglichem Gebrauch nutzen sich die Schleifmittel natürlich schneller ab, doch zum Glück lässt sich der komplette Dreier-Schleifkopf zum Reinigen abziehen und nach ein paar Jahren als Ersatzteil nachkaufen.
Echte Extrem-Schärfen in Richtung Rasierklinge sind damit naturgemäß nicht machbar. Dennoch ist der Lantana der ideale Durchziehschleifer für alle, die um das Nachschärfen ihrer Gebrauchsmesser kein großes Gewese machen und trotz einfacher Handhabung stets mit ordentlichen geschärften Klingen arbeiten wollen.
Was kostet das? Etwa 19 Euro
Mit seiner mattschwarzen Oberfläche sieht der Rösle dem Lantana recht ähnlich. Auf die Bauweise konnte kein Hersteller ein exklusives Markenrecht durchsetzen. So ähneln sich viele der als sogenannte OEM-Ware in Fernost für verschiedene Marken gefertigten Geräte sehr.
Beim Rösle-Schleifkopf etwa wurde die eigentlich sinnvolle Reihenfolge der Schleifmittel aus unerfindlichen Gründen vertauscht: Hier ist links Wolframkarbid verbaut, in der Mitte Diamant und – wie beim Lantana – rechts Keramik. Man muss die Kerben also in der Reihenfolge 2-1-3 benutzen. Bis zu den Textern der Rösle-Verpackung scheint sich diese Information nicht herumgesprochen zu haben. Dort wird die Schleifreihenfolge 1-2-3 empfohlen, womit man das eine oder andere teure Küchenmesser einigermaßen ruinieren könnte. Lantana-Besitzerinnen und -Besitzer, die sich für ca. 9,95 € den auf ihren Schleifer ebenfalls passenden Rösle-Ersatzkopf gekauft haben, sollten das beachten.
Auch der in Steffen Hensslers Shop angebotene Schärfer im Holz-Look ist mit dem Rösle baugleich, mit einem Preis von 24,90 € aber viel teurer. Zudem unterscheidet sich das Material der Gummi-Rutschpolster: Der Henssler, bei dem die Reihenfolge der Schärfungsmittel korrekt ist, hinterlässt auf weißen Küchenarbeitsplatten schwer entfernbare schwarze Streifen.
Messerschärfer von Rösle (oben) und Hensslers: Das Modell im Holz-Look kostet mehr als doppelt so viel
Foto: Peter WagnerLetztlich lässt sich das heimische Messerset mit dem Rösle ebenso einfach und effizient scharf halten wie mit dem Lantana – sofern man nicht den Fehler macht, der Bedienungsanleitung zu folgen.
Was kostet das? UVP 17,95 Euro, Straßenpreis ca. 15 Euro
Dick Magneto Steel HyperDrill II
Ein wenig außer Konkurrenz läuft in diesem Test der HyperDrill vom Solinger Messerfabrikanten Dick mit. Das große und vergleichsweise teure Teil ist die gelungene Weiterentwicklung eines Abziehers, den wir bereits früher ausführlich getestet haben. In Zusammenarbeit mit Profis aus Fleischzerlegungsbetrieben wurde dessen Prinzip verfeinert und für das rasche Wiederherstellen scharfer Klingen optimiert.
Der HyperDrill ist denn auch in der überarbeiteten Version kein Schärfer zur Bearbeitung stumpfer Klingen, sondern ein hocheffektives Werkzeug zum raschen und zugleich sicheren Abziehen bereits geschärfter Messer im beruflichen Schneidealltag.
Laienschnibbler mit Sehnsucht nach höchsten Waten-Weihen können den Dick dennoch auf ihre Wunschliste schreiben. Das System sorgt mit seiner einfachen Bedienung, der sicheren Klingenführung und den nach unten nachgebenden und nahezu verschleißfreien Feinzug-Schleifstäben (für 22 € nachkaufbar) tatsächlich für den Erhalt echter Nerd-Schärfe.
Ein schönes Detail: In die Messerführung integrierte Magnete ermöglichen winkelgenaues Durchziehen, bei dem die Wate exakt in dem Schneidenwinkel abgezogen wird, in dem sie ab Werk geschärft wurde. Deshalb eignet sich der HyperDrill gleichermaßen für europäische wie japanische Klingen.
Wir haben den Abzieher mit herkömmlichen Küchenmessern von Rösle, Sabatier, WMF und Zwilling (20° Winkel) sowie mit japanischen 15°-Damastklingen getestet. Sogar der 10°-Spezialschliff unseres Fiskars-Filiermessers wurde winkelgetreu abgezogen.
Der Dick Magneto Steel HyperDrill II ist für eine Haushaltsküche eigentlich zu teuer. Doch wer Spaß daran hat, seine Lieblings-Kochschwerter stets auf Rasierklingenschärfe zu halten, kann mit diesem Teil viel Spaß haben.
Was kostet das? UVP 118,40 Euro, Straßenpreis ca. 100 Euro

vor 1 Tag
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