„Die Meldung ist Käse“ : Monika Grütters ist noch lange nicht in Bellevue

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Sie erfüllt eine Menge der Kriterien, die für das höchste Amt im Staate zuletzt diskutiert worden sind.

Gesucht wird eine Frau, da es eine große parteipolitische Übereinstimmung gibt, dass die nächste Bundesversammlung am 30. Januar 2027 die erste Bundespräsidentin wählen sollte.

Politische Erfahrung hat die Christdemokratin Monika Grütters als langjähriges Mitglied von Bundestag und Bundesregierung ohnehin vorzuweisen.

Von der zwischenzeitlich diskutierten Idee nämlich, eine verdiente Persönlichkeit des öffentlichen Lebens zur Nachfolgerin von Frank-Walter Steinmeier zu bestimmen, sind die politisch Verantwortlichen wieder abgerückt.

Bei der nächsten Bundestagswahl etwa, in deren Nachgang eine schwierige Regierungsbildung anstehen könnte, soll ein Staatsoberhaupt im Amt sein, das – wenn es dabei einschreiten müsste – das Geschäft kennt.

Meist kommt es bei Deutschlands Nr. 1 im Staate auf die Softpower an. Bis auf die grundgesetzliche Zuständigkeit zur Auflösung des Bundestags oder das Vorschlagsrecht bei der Kanzlerwahl hat sie eine repräsentative Funktion inne, auch in der Kulturszene, für die die von 2013 bis 2021 amtierende Kulturstaatsministerin ein Faible hat.

Lust hätte Monika Grütters womöglich auch, obwohl sie sich öffentlich noch nicht zu der Frage geäußert hat. Vor gut einem Jahr beim Ausscheiden aus dem Bundestag erzählte die heute 64-Jährige dem Tagesspiegel aber, dass Politik ein wenig „wie eine Droge“ sei. „Die Leute dürfen ruhig wissen, dass das Aufhören schwerfällt“, sagte sie.

Merz dürfte nicht ihr größter Fürsprecher sein

Auf gewisse Weise passt es also, dass der „Spiegel“ am Mittwoch über hochrangige Gespräche in der Berliner Regierungskoalition über die Personalie Grütters berichtet hat. Aus Kreisen der Grünen, auf die es für eine Mehrheit in der Bundesversammlung ankommen könnte, wurde in dem Bericht Zustimmung signalisiert.

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Mitglieder wird die nächste Bundesversammlung am 30. Januar 2027 haben.

Aus der eigenen Partei ist davon bisher freilich wenig zu hören. Ganz im Gegenteil: Es wird dementiert, dass es solche Gespräche oder gar schon Festlegungen irgendeiner Art gegeben hätte.

„Die Meldung ist Käse“, heißt es etwa aus der Unionsfraktion, wo zudem darauf verwiesen wird, dass Entscheidungen zur Wahl der Steinmeier-Nachfolge erst nach den drei Landtagswahlen im Spätsommer getroffen würden, wenn die Mehrheitsverhältnisse in der auch mit Landtagsabgeordneten besetzten Bundesversammlung abschließend feststehen. Als völlig spekulativ wird die Geschichte denn auch im Kanzleramt bezeichnet.

Dass gerade Kanzler Friedrich Merz nicht zu den allergrößten Fürsprechern von Monika Grütters gehören dürfte, liegt auf der Hand. Grütters gilt als Vertraute von dessen Vorvorgängerin Angela Merkel, der sie über zwei Wahlperioden im Kanzleramt als Kulturbeauftragte diente.

Die aus Münster stammende, aber in Berlin zur CDU-Landeschefin aufgestiegene Grütters stimmte auch nicht mit, als Merz noch als Oppositionsführer eine Bundestagsmehrheit in der Migrationspolitik mit Rechtsaußen in Kauf nahm. „Ich ertrage diese Nähe zur AfD nicht“, sagte Monika Grütters damals.

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