Münchner Sieg in Dortmund Die Bundesliga ist entschieden. Jetzt beginnt Bayerns heiße Saisonphase
Durch den Sieg beim BVB ist dem FC Bayern die Meisterschaft wohl nicht mehr zu nehmen. In München glauben sie daran, dass in dieser Saison noch mehr möglich ist.
Aus Dortmund berichtet Danial Montazeri
01.03.2026, 10.27 Uhr
Bayern-Profis um Harry Kane (l)
Foto:Ina Fassbender / AFP
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Joshua Kimmich hatte sich verraten. Es geschah im Dortmunder Stadion, im Anschluss an den 3:2-Sieg seines FC Bayern München über den BVB. Da wurde Kimmich zum nächsten Gegner in der Champions League befragt, Atalanta. Er habe »ehrlicherweise von Bergamo in dieser Saison noch nicht so viel gesehen«, antwortete der Münchner Führungsspieler. Dabei hatten die Italiener unter der Woche gegen Dortmund gespielt.
Kimmich versuchte sich erst an einer Rettungstat. »Schon im Bett« sei er gewesen, sagte er, ehe ihm einfiel, dass das Spiel ja schon um 18.45 Uhr angepfiffen worden war. Kimmichs Mundwinkel schossen hoch. Er hatte das Spiel schlicht nicht gesehen.
Nun ist Kimmich nicht gerade für seine laxe Berufseinstellung bekannt. Und doch erschien ihm das BVB-Spiel offenbar als versäumbar. Weil Borussia Dortmund den Bayern kein Gegner ist, auf den man sich so detailliert wie möglich vorbereiten müsste?
Wer das Spiel in Dortmund sah, der konnte manchmal zu eben jenem Schluss kommen.
BVB-Profis und Trainer Niko Kovač: Hektisch nach Führung
Foto: Dennis Ewert / RHR-FOTO / IMAGODie erste Hälfte lag in den letzten Zügen, der BVB führte 1:0, als Dortmunds Emre Can behandelt werden musste. In seinem Team wurde es unruhig. Waldemar Anton diskutierte intensiv mit Marcel Sabitzer. Dann lief letzterer in Richtung seines Trainers Niko Kovač, vielleicht wollte er ihm das Resultat der Debatte mit Anton überbringen. Kovač aber redete selbst auf Abwehrspieler Ramy Bensebaini ein.
Die Bayern-Profis schauten sich all dies geradezu stoisch an. Keine Debatten, nur geduldiges Schweigen. Die in Führung liegende Mannschaft wirkte hektisch, die im Rückstand ganz ruhig.
»Ja.«
Joshua Kimmich auf die Aussage eines Reporters, dass bei elf Punkten Vorsprung im Titelkampf für die Bayern eigentlich nichts mehr schiefgehen könne.
Der FC Bayern drehte die Partie, und als Dortmund das 2:2 gelang, fand er abermals eine Antwort. So packend, so wendungsreich dieses Bundesligatopspiel auch schien: In Wahrheit musste sich Dortmund weiter strecken als der Münchner Gast und verlor schließlich doch.
Da kann man das Duell noch so oft »Klassiker« nennen: Auf Augenhöhe begegnen sich die beiden besten deutschen Teams nicht. Sie hätten »nicht unser bestes Spiel gezeigt«, sagte Kimmich in Dortmund. Für den BVB reichte es.
Elf Punkte Vorsprung haben die Bayern nun bei noch zehn ausstehenden Spieltagen. Als ein Reporter nach Abpfiff in der Dortmunder Mixed Zone diese Fakten nannte und anfügte, dass da eigentlich nicht mehr so viel schiefgehen könne, lautete Kimmichs Antwort schlicht: »Ja.«
»Ab Montag geht es bei Null los. Das ist Mentalitätssache«
Als wenig später Vincent Kompany gefragt wurde, ob man schon zum Titel gratulieren dürfe, antwortete dieser: »Zu einem bedeutenden Sieg, ja. Aber zum Titel? Nein.« Ab Montag gehe es wieder bei null los, sagte er, »das meine ich auch so. Das ist eine Mentalitätssache.«
Kimmich und Kompany widersprachen sich nur scheinbar. Denn es ist so: Eben weil sie beim FC Bayern inzwischen genau diese Mentalität verinnerlicht haben, kann tatsächlich nichts mehr schiefgehen im Titelkampf.
Umso härter arbeiten sie in München derzeit im Training. Es geht um die basalen Dinge im Kompany-Spiel. An der Umsetzung seiner Prinzipien. Denn es ist ja bei aller Dominanz nicht so, als schwebten die Bayern durch die Rückrunde.
In den sieben Rückrundenspielen in der Liga kassierten die Münchner zehn Gegentore. Gegen jene Teams waren es in der Hinrunde vier gewesen.
Viele dieser Gegentreffer fallen nach ruhenden Bällen. In Dortmund war es das 1:0, eine hohe Hereingabe landete bei Nico Schlotterbeck, der Jonathan Tah entwischt war und dazu das Glück hatte, dass Harry Kane den Ball knapp verfehlte.
Dayot Upamecano: Herausragende Qualitäten, der Kopfball zählt nicht dazu
Foto: Wolfgang Rattay / REUTERSEs gibt Verteidiger, die hohe Bälle magnetisch anzuziehen scheinen. Denen der Luftraum gehört. Münchens Trainer Vincent Kompany war mal so einer. Aktuell sucht er so jemanden in seiner Bayern-Elf vergeblich. Dayot Upamecano hat viele herausragende Qualitäten, aber das Kopfballspiel ist keines.
Hinzu kommt die Integration der Rekonvaleszenten. Jamal Musiala ist nach seiner langen Auszeit noch nicht wieder der Alte, gegen den BVB blieb er nach Einwechslung unauffällig. Auch Alphonso Davies spielte nach seiner Rückkehr aus seiner schweren Verletzung durchwachsen, aktuell fällt er schon wieder aus. Beide müssen körperlich aufgebaut und in das Münchner System integriert werden.
Daher die vielen Trainingseinheiten, in denen an Grundlegendem gearbeitet wird. Vielleicht erklärt das auch, wieso Kimmich unter der Woche nicht dabei zuschaute, als der BVB in Bergamo spielte. Die Bayern schauen nur auf sich. Wenn sie ihre Normalform erreichen, schlagen sie die meisten Gegner.
Interessant wird es, wenn der FC Bayern auf jemanden trifft, für die er besser als normal gut spielen muss.
Im März stehen die Partien gegen Atalanta an, zunächst am 10. in Bergamo. Danach würde der Sieger der Begegnung zwischen Real Madrid und Manchester City warten, also Kylian Mbappé oder Erling Haaland. In einem möglichen Halbfinale könnte es zum Duell mit Titelverteidiger Paris Saint-Germain oder dem FC Liverpool kommen. Die Auslosung hätte den Bayern keinen schwierigeren Weg ins Champions-League-Finale bescheren können. Trotzdem ist in München der Glaube gewachsen, dass in dieser Saison sogar das Triple möglich ist. Madrid und Man City, Liverpool und PSG, sie alle sind nicht so stark, wie es in den vergangenen Jahren schon gewesen sind.
Zunächst aber steht am Freitag das Bundesligaspiel gegen Borussia Mönchengladbach an. Unter der Woche können sie in München in Ruhe trainieren. Wenn alles gut läuft aus Bayern-Sicht, ist es die letzte Wochenmitte ohne Fußballspiel bis Mitte Mai.

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