Offenbar sind Vermittlungsbemühungen beim deutsch-französischen Kampfflugzeugprojekt FCAS endgültig gescheitert. Die Mediatoren hätten keine Einigung erzielt, berichtete das Handelsblatt und beruft sich dabei auf mit den Verhandlungen vertraute Kreise. Es soll sogar zwei verschiedene Ergebnisberichte geben. Bestätigungen von den beteiligten Unternehmen Dassault, Airbus sowie der deutschen und französischen Regierung gab es zunächst nicht.
Am Samstag war eine Frist ausgelaufen. Laut dem Bericht wolle sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Wochenende über das Ergebnis der letzten Vermittlungsbemühungen unterrichten lassen und bis Dienstag entscheiden, bevor er am Donnerstag und Freitag kommender Woche den französischen Präsidenten Emmanuel Macron beim informellen Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs auf Zypern treffe. Macron könnte versuchen, ihn noch einmal umzustimmen. Merz hatte Macron am Freitag getroffen, als es um die Sicherung der Straße von Hormus ging.
Zwei Vermittler bemühten sich um eine Rettung
Ganz überraschend wäre das Scheitern der Bemühungen nicht. Schon seit Monaten reden die Verantwortlichen der beiden Rüstungskonzerne Dassault und Airbus Defence nicht mehr direkt miteinander, Dassault-Chef Éric Trappier beansprucht öffentlich die Führungsrolle beim Future Combat Air System (FCAS), das 2019 gestartet war und nicht so richtig abhob.
Im Auftrag der beiden Regierungen starteten der frühere Krauss-Maffei-Wegmann-Chef Frank Haun und der langjährige Chef der französischen Rüstungsagentur, Laurent Collet-Billon, einen allerletzten Rettungsversuch. Von deutscher Industrieseite war die Variante ins Spiel gebracht worden, wegen der unterschiedlichen Anforderungen zwei getrennte Jets zu produzieren, aber zumindest Drohnen und die Kommunikationsplattform gemeinsam weiterzutreiben.
Sollte nicht einmal das gelingen, wäre das ein herber Rückschlag für die Bemühungen, ohne die USA eine europäische Luftverteidigung zu schaffen. Denn nicht nur Deutschland und Frankreich brauchen Nachfolgemodelle für die in die Jahre gekommenen Eurofighter und Rafale. FCAS sieht die Entwicklung eines gemeinsamen Kampfjets, unbemannter Begleitdrohnen und einer sogenannten Combat Cloud vor, die die Systeme miteinander vernetzt. An dem Projekt, für das hundert Milliarden Euro investiert werden sollten, ist neben Deutschland und Frankreich auch Spanien beteiligt. Deutschland könnte sich nun mit Airbus andere Partner suchen. Eine Möglichkeit wäre, noch beim britisch-italienisch-japanischen Projekt GCAP einsteigen oder eine Kooperation mit Saab einzugehen.











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